Regenbogenfahne an Kölner Kirche angezündet

Regenbogenfahne an Kölner Kirche angezündet

Von Milena Furmann

Nachdem eine Regenbogenfahne einer Lindenthaler Kirche angezündet worden ist, hat die Staatsanwaltschaft nun die Ermittlungen aufgenommen. Köln zeigt sich seit den Ereignissen solidarisch mit der Gemeinde. 

Sie war ein friedliches Zeichen des Protests. Die Regenbogenfahne an der Katholischen Kirche Christi Auferstehung. Nun ist sie zum Zeichen von Gewalt geworden. In der Nacht zu Mittwoch hatten Unbekannte eine der beiden Regenbogenfahnen angezündet.

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Christoph Boullion, Vorsitzender Pfarrgemeinderat Christi Auferstehung

Christoph Boullion ist fassungslos

"Als ich davon erfahren hab, musste ich direkt an die brennenden Fahnen vor Synagogen denken. Und an den 10. Mai 1933 als in Berlin auf dem Bebelplatz Bücher verbrannt worden sind", erzählt Christoph Bouillon, Gemeinderatsvorsitzender. Man sei offen für Kritik und Austausch. Das aber sei ein Akt der Gewalt, ein Brandanschlag. Das könne und wolle er nicht hinnehmen, das wolle auch die Gemeinde nicht hinnehmen, daher habe die Gemeinde Anzeige gegen Unbekannt erstattet. 

Außerdem hat Christoph Bouillon mit dem NRW-Familienministerium gesprochen und von Dr. Joachim Stamp Solidarität zugesprochen bekommen, erklärt der Gemeinderatsvorsitzender weiter.

Köln zeigt sich solidarisch

Solidarität und Zuspruch bekommt die Gemeinde von allen Seiten. "Die Regenbogenfahne ist ein Zeichen für Akzeptanz. Wer sie verbrennt, verübt einen Anschlag auf die Liebe und auf die Vielfältigkeit, für die Köln steht. Es ist damit nicht nur ein Angriff auf die LGBTIQ+-Community in Köln, sondern auf uns alle", schreibt Floris Rudolph, Queerpolitischer Sprecher der Grünen im Kölner Rat, in einer Pressemitteilung.

Peter Brings, der Frontmann der Band Brings, erklärt im Interview mit dem WDR, der bessere Weg als Flaggen in Brand zu setzen, sei es mit den Menschen zu reden. Nur, dass es hier nichts zu reden gebe. "Ob du jetzt schwul, lesbisch oder weiß der Teufel sonst was bist, du bist ein Mensch", so Peter Brings.

Pfarrer Franz Meurer

Pfarrer Franz Meurer

Etwas mehr Verständnis hingegen hat der Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer. "Mein erster Gedanke war, hoffentlich hat sich keiner verbrannt", sagt er gegenüber dem WDR. Schön finde er das nicht, was passiert sei, allerdings verstehe er auch, dass es Menschen gebe, die anderes denken würden. Besser sei es aber dennoch, man würde darüber sprechen.

Vom Kölner Erzbischof Reiner Maria Kardinal Woelki kam auf WDR Anfrage eine schriftliche Stellungnahme. Dort heißt es, er lehne als Christ die Ausübung von Gewalt ab. Und sei immer davon überzeugt, dass es besser wäre, miteinander im Gespräch zu bleiben, auch wenn man noch so unterschiedlicher Meinung sei.

Gemeinde will neue Fahne aufhängen

Darüber sprechen, das wollten die Täter offenbar nicht. Stattdessen ließen sie Gewalt sprechen. "Es habe nicht nur die Fahne gebrannt, sondern zum Teil auch die Aufhängungen des Fahnenmastes. Sie sind einfach geschmolzen durch die Hitze. Sowas macht man nicht mal eben mit dem Feuerzeug, dazu braucht man schon etwas schwereres Gerät", erklärt Bouillon. 

Und trotzdem: Sich davon unterkriegen lassen, das wolle man nicht. Die Gemeinde wird bald eine neue Fahne aufhängen. Aus der verbrannten Fahne wird Textilkünstler Walter Bruno Brix ein Kunstwerk schaffen, welches im September im Rahmen einer Kunstausstellung in Christi Auferstehung ausgestellt werden soll.

Die Regenbogenfahne ist ein Symbol von unter anderem lesbischen, schwulen, bisexuellen und Transmenschen und gilt als Zeichen für Toleranz und Vielfalt. Die Gemeinde Christi Auferstehung in Lindenthal hatte letzten Sonntag während eines Gottesdienstes homosexuelle Paare gesegnet und damit das zuvor ausgesprochene vatikanische Segnungsverbot homosexueller Paare kritisiert.

Stand: 14.05.2021, 19:32