Neue Borkenkäfer-Plage droht in NRW

Borkenkäfer

Neue Borkenkäfer-Plage droht in NRW

Von Gaby van den Boom und Marius Reichert

  • Fichten sterben ab
  • Wettlauf gegen die Zeit
  • Befallene Fichten werden abgeholzt

Millionen von Borkenkäfern sitzen in den Fichten. Der NRW-Landesbetrieb Wald und Holz hat am Donnerstag (07.03.2019) erste Untersuchungen zur Lage vorgestellt. Das Ergebnis: Die Schädlinge haben den Winter zum größten Teil überlebt. Sobald die Temperaturen steigen werden sie ausfliegen und sich massenhaft vermehren.

Lage katastrophal

In der Eifel, im Rheinland und im Bergischen Land ist es beonders schlimm. Die Förster beschreiben die Lage als katastrophal. So auch der Waldschutzexperte Dr. Matthias Niesar. Er schabt die Rinde im Bonner Kottenforst langsam ab. Was er hier sieht, steht exemplarisch für jede zweite Fichte im Bonner Stadtwald. Kleine Löcher in der Rinder, darin: winzig klein zu sehen sind Borkenkäferlarven. „Leider kommen sehr viele Borkenkäfer gesund ins Frühjahr, um dann wieder auszuschwärmen.“ Die aktuelle Untersuchung zeigt: Nur rund neun Prozent sind dem Winter zum Opfer gefallen.

Schädlinge vermehren sich

Förster Stefan Springer ist täglich in den Wäldern rund um Wermelskirchen unterwegs. Die rote Spraydose kann er kaum mehr aus der Hand legen. Damit markiert er die Bäume, die raus müssen aus dem Wald – so etwas hat er noch nie erlebt, erzählt er. Überall findet er Bohrlöcher. Unter der Rinde sitzen die millimeterkleinen Schädlinge. Er stellt fest: Sie sind quicklebendig – zwar bewegen sie sich noch träge, aber wenn die Temperaturen steigen, werden sie ausfliegen und die noch gesunden Bäume befallen.

Zittern vor dem Borkenkäfer

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 04.03.2019 05:42 Min. WDR 5 Von Corina Wegler-Pöttgen

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Vor allem die Höhen betroffen

Die Ursache für den noch nie da gewesen Befall ist die Trockenheit, die bis Ende November dauerte. Normalerweise können die Fichten mit ihrem Harz die Schädlinge ersticken und so überleben. Doch ohne Wasser bilden sie kein Harz. Relativ gesund sind nur noch die Fichten in den Tälern mit Bachläufen. 

Die Forstleute in NRW beobachten seit Jahren, dass der Klimawandel die Wälder gefährdet. Die Borkenkäferplage im vergangenen Jahr und die Dürre des Sommers und Herbst hätten die Lage weiter verschärft.

Forstbetriebe überlastet

Seit Monaten arbeiten die Forst- und Abfuhrbetriebe mit Hochdruck, um die Fichten zu fällen und samt der Borkenkäfer aus den Wäldern zu bringen. Die kahl geschlagenen Bereiche wollen sie in Zukunft verändern. Eichen, Buchen, Douglasien und nur zwischendrin mal Fichten, so stellen sich viele Förster den zukünftigen Wald vor. Doch bis der nachgewachsen ist, wird es Jahrzehnte dauern.

Aufforstung nicht wirtschaftlich

Die Waldbesitzer müssen bei der Aufforstung mithelfen. Doch sie haben Probleme denn die Holzpreise sind durch das Überangebot von Holz eingebrochen. Die Wald-Eigentümer sagen, das lohnt sich kaum. Ihre Einnahmen würden durch die Kosten für die Arbeiten und die Aufforstung aufgefressen.

Stand: 07.03.2019, 14:34

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