Trostpreis für Bonner Schausteller

Ein Kettenkarussell.

Trostpreis für Bonner Schausteller

Von Märte Burmeister

„Sommer in der Stadt“ statt Pützchens Markt – als kleiner Trost für die Absage der Mega-Kirmes stehen nun ein paar Buden und Karussells in der Bonner Innenstadt.

Das Kinderkarussell am Bottlerplatz hat schon kurz vor Elf seine Runden gedreht, während auf dem Münsterplatz erste Reibekuchen gebacken werden und der Slush-Eis-Stand auf dem Friedensplatz schon Kunden versorgt. Grund zur Freude für Betreiber Roland Barth.

Alltägliche Dinge haben Magie

Der hat seine Arbeit nämlich so vermisst, dass selbst ganz alltägliche Dinge heute Magie haben. „Als ich meine Wechselkasse mal wieder nach anderthalb Jahren in die Hand genommen habe“, erzählt er, „war das ein ganz besonderer Moment.“

Roland Barth gehört zu einer großen Schaustellerfamilie und ist außerdem 2.Vorsitzender des Bonner Schaustellerverbands. Normalerweise reist er mit seiner Achterbahn namens „Feuer und Eis“ durch ganz Deutschland. Da die nun aber wirklich nicht in die Bonner Innenstadt passt, hat er sich den Slush-Eis-Stand seiner Schwester geliehen - um wenigstens etwas Geld verdienen zu können.

Corona-Hilfen reichten nicht

Corona-Hilfen bekommt er zwar – das seien auch sehr gute Hilfspakete für die Unternehmen, sagt er. Aber: „Mein Lebensunterhalt, meine private Krankenversicherung etc., alle Kosten, die mich selbst betreffen, sind darin nicht inbegriffen“, erklärt er. So habe er trotz Hilfspakete einen hohen sechsstelligen Betrag an KFW-Krediten aufnehmen müssen, die er über die nächsten zehn Jahre abzuzahlen hat. Die „Sommer in der Stadt“-Aktion ist nun immerhin eine Einnahmequelle – wenn auch eher vergleichbar mit einem Trostpreis an der Losbude.

Insgesamt drei Kinderkarussells, zwei Slush-Buden, ein Reibekuchen- und zwei Süßwarenstände dürfen dabei sein und verteilen sich nun in der Bonner Innenstadt. Bis Ende Juli gilt die Genehmigung, aber der „Sommer in der Stadt“ könnte auch in die Verlängerung gehen, sagt Roland Barth – je nach Resonanz. Barth und seine Kollegen und Verwandten nutzen derzeit jede Möglichkeit, ihre Geschäfte irgendwie in der Krise weiterzuführen: mit einzelnen Buden oder Karussells in Innenstädten, Biergärten vor ihren Hallen oder Pop-Up-Freizeitparks.

Einige mussten den Job wechseln

Einige haben es nicht geschafft: Von den über 70 Mitgliedern des Schaustellerverbands Bonn müssen etwa fünf nun einen anderen Beruf ausüben. Für einen geborenen Schausteller ist das hart: „Wenn man dieses Leben einmal kennt und auch nichts anderes kennt, möchte man’s einfach nur weiterführen“, so Roland Barth.

Alle hoffen nun auf den Weihnachtsmarkt, der vielleicht zwei Tage früher starten darf – und natürlich auf das Ende der Pandemie, wenn es wieder richtig losgehen kann. Roland Barth weiß schon, wie sich das anfühlen wird: „Die ein oder andere Träne wird dann kullern und dann geht einem das Herz auf.“

Was wird aus Pützchens Markt 2021? Lokalzeit2go - Bonn 26.05.2021 02:33 Min. Verfügbar bis 26.05.2022 WDR Bonn

Stand: 11.06.2021, 17:55