Leitfaden zu gendergerechter Sprache in Bonn

02:36 Min. Verfügbar bis 08.07.2022

So muss die Bonner Stadtverwaltung jetzt gendern

Stand: 08.07.2021, 15:50 Uhr

Die knapp 7.000 Beschäftigten der Bonner Stadtverwaltung müssen sich zukünftig an einen sogenannten Gender-Leitfaden halten. In dem Leitfaden sind rund 60 Formulierungen aufgeführt, die verbindlich nicht mehr erwähnt werden sollten.

Der Leitfaden "Geschlechtergerechte Sprache in der Stadtverwaltung Bonn", der für den internen Schriftverkehr, für Formulare und Veröffentlichungen gilt, hat das Ziel, alle Geschlechter auf respektvolle Art und Weise anzusprechen und sichtbar zu machen.

Leitfaden will gerechtere und respektvollere Sprache

Bonns Gleichstellungsbeauftragte Stephanie Clemens-Krämer hat seit dem Winter den Gender-Leitfaden gemeinsam mit fünf Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung ausgearbeitet. "Wir wollen nicht moralisieren oder wir wollen nicht irgendwas dogmatisch durchdrücken, sondern es ist uns der Dialog wichtig", sagt sie.

Stadt Bonn: "Wie sprechen wir ohne Ausgrenzung?"

WDR 5 Morgenecho - Interview 07.07.2021 08:33 Min. Verfügbar bis 06.07.2022 WDR 5


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Einige Formulierungen sollen verschwinden

Nichtsdestotrotz sollen rund 60 Wörter und Formulierungen für die städtischen Angestellten bindend sein. So wird aus dem "Fahrzeughalter" die "Fahrzeughaltende Person", aus "die betroffene Person" wird zu "der*die Betroffene". Aus "man" wird "wir/sie", aus "keiner" wird "niemand" und aus "Jede/r" wird "alle". "Das ist nicht in Stein gemeißelt, das ist nicht abschließend, sondern wir wollen daran weiter arbeiten. ..., aber eine gewisse Verbindlichkeit ist auch wichtig."

Diskussion erhitzt die Gemüter im Bonner Stadthaus

Der Leitfaden stößt nicht überall auf Gegenliebe. So findet Marcel Schmitt, Fraktionsvorsitzender des Bürger Bundes Bonn: "Hier soll die Vielfalt der Sprache normiert, gleichgeschaltet werden, und das ist aus unserer Sicht ein Verfahren, was wir nicht wollen. Ich spitze es einmal zu: Dieser von Sprachpolizisten selbst ernannte, initiierte Leitfaden ist glaube ich, nicht dazu geeignet, Menschen zusammen zu bringen, sondern will sie eher trennen."

Diesen Vorwurf weist die Bonner Gleichstellungsbeauftragte zurück: "Wir geben, seitdem der Leitfaden rausgekommen, genügend Zeit das umzusetzen. Die Fachbereiche sollen sich eigen Fristen geben, um Formulare anzupassen. Es geht nicht drum, das das alles morgen umgesetzt ist. Es geht darum, dass wir uns alle auf den Weg machen."

Thema hoch emotional besetzt

Die Bonner Sprachwissenschaftlerin und Professorin für Geschichte der deutschen Sprache Claudia Wich-Reif freut sich generell, dass sich mehr Menschen durch die Gender-Diskussion mit Sprache beschäftigen. "Wir haben immer genug Auswahl in der Sprache", sagt sie, "so dass wir auswählen können."

Beschäftigten sind nicht gefragt worden

Allerdings: Die knapp 7.000 Beschäftigten der Bonner Stadtverwaltung konnten nicht auswählen, wie der Personalrat kritisiert. Sie seien nicht gefragt worden.

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