Blei in Böden: Gutachter geben Entwarnung für Mechernich

In einer Bürgerversammlung werden in einer Aula zwei neue Gutachten zur Bleibelastung in Mechernichs Böden vorgestellt. Zu sehen sind mehrere Person mit Abstand zueinander.

Blei in Böden: Gutachter geben Entwarnung für Mechernich

Von Michael Esser

  • Mit Blei belastete Böden in Mechernich
  • Gutachter sehen keine akute Gesundheitsgefahr
  • Handlungsbedarf bei Kinderspielplätzen

Ein Gutachten zu den Bleibelastungen in den Böden der Stadt Mechernich hat weitgehend Entwarnung gegeben. Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe nicht, hieß es am Mittwochabend (08.07.2020) auf einer mit Spannung erwarteten Bürgerversammlung. Allerdings müssen nach Aussage der Gutachter etliche Problemflächen saniert werden. Wegen Corona konnten nur 100 Bürger an der Versammlung in einer Schulaula teilnehmen.

Gefahr auf Kinderspielplätzen

Besonders bei Kinderspielplätzen in Mechernich sehen die Gutachter Handlungsbedarf. Mehr als 60 wurden untersucht, bei mehr als der Hälfte müssten die Spielflächen abgedeckt oder der Boden ausgetauscht werden. Die Gefahr ist, dass Kinder Erdreich verschlucken und langfristig Blei anreichern. Das Schwermetall kann bei Kindern die geistige Entwicklung beeinträchtigen.

Hohe Werte in einem Neubaugebiet

Extrem hohe Bleibelastungen fanden die Gutachter einer Bielefelder Firma in einem von drei geplanten Neubaugebieten. Die Werte waren mit bis zu 20.000 Milligramm pro Kilogramm Erdreich so hoch, dass wohl nur ein Bodenaustausch bleibt. Eine Fläche war komplett ohne Probleme, bei der anderen gibt es noch keine eindeutige Empfehlung. 

Aus früheren Analysen wusste man, dass es im Einzelfall im Mechernicher Stadtgebiet sehr hohe Werte geben kann. Allerdings waren noch keine größeren Flächen systematisch untersucht worden. 

Kritik von Bürgerinitiative

Eine Bürgerinitiative fordert schon lange ein umfassendes Schutzkonzept im Umgang mit den Gesundheitsgefahren aus der Bleibelastung. Stadt und Kreis würden die Probleme verharmlosen. Auch auf der Bürgerversammlung am Mittwochabend gab es Kritik. So unter anderem daran, dass die Werte für die einzelnen Spielplätze erst in den nächsten Tagen veröffentlicht werden sollen. Generell müsse sich die Auffassung durchsetzen, dass Blei im Körper in jeder Konzentration ein Gift sei, kritisierte ein ehemaliger Chefarzt eines Krankenhauses.  

Giftige Schwermetalle sind Rückstände des Bergbaus

Viele alteingesessene Mechernicher halten das Problem für übertrieben. Man habe gut mit dem Erzbergbau gelebt und das sei auch weiterhin möglich. Ähnlich halten auch die Gutachter die Probleme durch die Bleibelastung für lösbar. Ein vorgestelltes Sanierungskonzept soll noch konkreter ausgearbeitet werden. Die Stadt hat bereits mit der Sanierung eines ersten Spielplatzes begonnen. 

Das Blei-Problem ist ein Resultat der Mechernicher Geschichte. Neben natürlichen Bleivorkommen stammen die Rückstände überwiegend von Resten des früheren Blei- und Silberbergbaus in der Gegend. Einst war hier die größte Bleierzmine Europas. 

Mechernich: Bleigutachten vorgestellt

Verfügbar bis 09.07.2021


Stand: 09.07.2020, 09:43