Blaumeisen: Das Vogelsterben geht weiter

Blaumeisensterben auch in diesem Frühjahr

Blaumeisen: Das Vogelsterben geht weiter

Von Britta Schwanenberg

Schon im vergangenen Jahr machten viele Gartenbesitzer in NRW die traurige Entdeckung: Apathische Blaumeisen, die mit verklebtem Gefieder auf dem Boden hocken, meist innerhalb von Stunden versterben.

Im vergangenen Frühjahr beginnt das „rätselhafte Meisensterben“. Matthias Overmann, Biologe und Vogelexperte beim NABU-Swisttal hatte gehofft, dass das große Massensterben vorbei sei. Dann entdeckt er selbst vor Wochen wieder eine tote Meise in Bonn. Auch bei anderen NABU-Kollegen im Rheinland gehen Meldungen ein. Die Sorge wächst, dass die Krankheit sich ausbreitet, wie im letzten Frühjahr.

Rätselhafte Meisensterben

Blaumeisenseuche Lokalzeit2go - Bonn 30.04.2021 02:45 Min. Verfügbar bis 30.04.2022 WDR Bonn

Matthias Overmann hat im März letzten Jahres zum ersten Mal eine auffällige Meise gesehen. „Das war im Siebengebirge. Die Blaumeise saß apathisch und aufgeplustert auf dem Boden. Ich habe sie dann aufgehoben, wollte sie zu einer Auffangstation fahren. Im Auto ist sie verstorben.“ Alles weist darauf hin dass es ein Lungenleiden ist.

Hoch ansteckende Meisenkrankheit

Und während in Deutschland das Coronavirus um sich greift, melden sich immer mehr Gartenbesitzer wegen der offenbar hoch ansteckenden, rätselhaften Meisenkrankheit. „So gehäuft und in Pandemieform hatte es das noch nie gegeben. Wir haben dann vom NABU dazu aufgerufen, auffällige Vögel zu melden“, sagt Matthias Overmann. Die Resonanz ist überwältigend: An einem einzigen Ostertag über tausend Meldungen. Auch er schickt seine Meise zur Untersuchung.

Blaumeise auf Ast

Neues Bakterium identifiziert

Die Blaumeise: weit verbreitet und sehr beliebt. Das große Rätseln hatte für die Wissenschaftler da längst begonnen. Tierpathologin Sabine Merbach ist im Veterinäruntersuchungsamt Westfalen bereits seit 2018 der Ursache des Meisensterbens auf der Spur. Heute sagt sie: „Das Spannendste war die Identifizierung des neuen Bakteriums, was uns nicht bekannt war. Doch schließlich ist es uns gelungen das Bakterium Suttonella ornithocola zu identifizieren. Wir konnten nach Recherchen feststellen, dass dies in Großbritannien schon als Ursache für Meisensterben beschrieben ist.“

Übertragung über Aerosole

Hunderte Vögel hat Merbach seither untersucht. Bei circa vierzig Prozent konnte sie dieses Bakterium nachweisen. Sie geht davon aus, dass die Krankheit während der Brutzeit um sich greift. Und dass sie auch über Aerosole übertragen wird, vor allem da, wo viele Vögel zusammen kommen. Warum die Krankheit fast nur Blaumeisen trifft und ob sie nun jährlich in Wellen zurückkommt, das alles ist noch unklar.

Social Distancing für Vögel

Wichtig für Gartenbesitzer sei es, Vogeltränken und Futterstellen für zwei Wochen dicht zu machen, sobald Meisen auffällig seien, erklären die Vogelexperten. Hygiene und Abstand – wir kennen es ja von der Coronapandemie – gelten also auch für Vögel.

Stand: 30.04.2021, 18:16

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