Pressekonferenz des Bistums Aachen zu Missbrauchsstudie

Dr. Helmut Dieser, Bischof von Aachen

Pressekonferenz des Bistums Aachen zu Missbrauchsstudie

Von Silke Oettershagen

Nach der Veröffentlichung eines Gutachtens zu Missbrauchsfällen kündigt das Bistum Aachen bei einer digitalen Pressekonferenz einen Wechsel der Perspektive an.

Man dürfe sich den Täter nicht länger enger verbunden fühlen als den Opfern. Jetzt wolle man im Blickpunkt haben, wie es den Betroffenen ergangen sei, kündigte Bischof Helmut Dieser am Montagvormittag an – „am Tag 4 nach Veröffentlichung des Gutachtens“. Eine Anwaltskanzlei hatte vergangene Woche sein vom Bistum Aachen in Auftrag gegebenes Gutachten zu sexuellem Missbrauch durch die Kirche veröffentlicht. Darin wurde auch Kritik an der bisherigen Vorgehensweise des Bistums und einzelnen Entscheidungsträgern deutlich.

Transparenz und Aufarbeitung

Das Gutachten wurde dem Bistum nach eigenen Angaben zum gleichen Zeitpunkt wie der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach wurden 81 Kleriker als Täter und 175 Opfer gezählt. Die Kirche zieht jetzt erste Konsequenzen: Mit einer ganzseitigen Anzeige in den regionalen Tageszeitungen ruft das Bistum heute (16.11.) auf, Fälle von Missbrauch und sexualisierter Gewalt durch Kleriker zu melden. Vor allem noch unbekannte Opfer sollten sich an das Bistum wenden.

Hotline – vor allem für Opfer

Seit Donnerstag hat das Bistum Aachen eine Hotline unter Tel. 0241 – 452 225 geschaltet. Hier helfen auch Psychologen und Theologen. Den Fällen soll nachgegangen werden, kündigen die Verantwortlichen an. Nach Aussagen von Margherita Onorato-Simonis, Leiterin der Hauptabteilung Personal im Bistum, sei Hinweisen auf sexualisierte Gewalt bislang nicht immer nachgegangen worden. 

Weitere Aufklärung

Auch bei Personalakten würden keine Lücken mehr akzeptiert. Außerdem soll eine unabhängige Kommission zur weiteren Aufarbeitung und ein Opferbeirat gegründet werden. Dies alles solle aber nicht mit Kirchensteuern finanziert werden. Zur Finanzierung sollen betroffene Bischöfe und Priester freiwillige Zahlungen machen, die in einen Fond eingehen. Das Bistum Aachen hat angekündigt, Ende Januar erste Ergebnisse zu veröffentlichen und weitere Schritte bekanntzugeben.

Stand: 16.11.2020, 14:12