Sankt Augustin hält Modell Abschiebezentrum für gescheitert

Ein umzäuntes, weißes Gebäude.

Sankt Augustin hält Modell Abschiebezentrum für gescheitert

Von Christian Avital

CDU und CSU würden sie gerne bundesweit einführen: sogenannte Rückführungszentren für Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive in Deutschland. Ein entsprechendes Pilotprojekt in Sankt Augustin hält die Stadt allerdings für gescheitert.

Landesweit soll es in Nordrhein-Westfalen insgesamt drei solcher Pilotprojekte geben. Eines davon ist inzwischen beendet: In der ehemaligen Medienzentrale der Bundeswehr in Sankt Augustin wurde bis Ende Mai ein Ausreisezentrum getestet. Zumindest die Bilanz der Stadt Sankt Augustin ist vernichtend.

Flüchtlinge in Sankt Augustin demonstrieren für ihre Rechte

Flüchtlinge demonstrierten im Mai gegen die Abschiebung

Eva Stocksiefen, Sprecherin der Stadt Sankt Augustin, schüttelt heute noch den Kopf, wenn sie an das Pilotprojekt denkt. Als die Landesregierung Ende vergangenen Jahres an die Stadt herantritt und darum bittet, eine zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive einzurichten, ist allen Beteiligten in Sankt Augustin schnell klar: Das kann nicht gutgehen. Sie seien entsetzt gewesen, sagt Eva Stocksiefen. Immerhin ist die bisherige Flüchtlingsunterkunft in der Bevölkerung akzeptiert. Bis Ende 2016 leben dort überwiegend Familien. Jetzt mit dem neuen Ausreisezentrum sieht das anders aus.

"Rückführungszentrum": NRW-Pilotprojekt gescheitert

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 17.10.2017 | 03:31 Min.

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Flüchtlinge integrieren sich nicht

Über Monate leben zeitweise 370 sogenannte Dublin-III-Flüchtlinge in der Unterkunft an der Alten Heerstraße. Der Vertrag von Dublin regelt, dass diese Flüchtlinge schnellstmöglich wieder in das EU-Land abgeschoben werden sollen, in dem sie sich zum ersten Mal haben registrieren lassen. Sie wussten ja, dass sie nicht in Deutschland bleiben können, sagt Eva Stocksiefen. Es kommt zu lautstarken Trinkgelagen der überwiegend männlichen Asylsuchenden. Einige verstecken sich über Tage in den nahe gelegenen Wäldern, weil sie nicht wissen, ob und wann sie ausreisen müssen. Die Beschwerden von Anwohnern nehmen zu. Polizei und Ordnungsamt müssen immer öfter eingreifen.

Nur wenige Flüchtlinge zurückgeführt

Ende Mai ist das Pilotprojekt in Sankt Augustin wie geplant ausgelaufen. Die für die Unterkunft zuständige Bezirksregierung Köln sagt, man habe viel daraus gelernt. Die Mitarbeiter wüssten jetzt, wie sie in vergleichbaren Situationen reagieren müssen. In Bottrop war ein ganz ähnliches Projekt geplant. Doch das ist bis heute nicht an den Start gegangen. Ein weiterer Test läuft seit Anfang Juli in Ratingen. Schnelle Rückführungen hat es dort noch keine gegeben.

Das Tor zum Rückführungszentrum Sankt Augustin.

Das Pilotprojekt ist ausgelaufen. Hier wohnen nun wieder überwiegend Familien

In Sankt Augustin können die Behörden bis Ende Mai gerade einmal 13 von 370 Menschen ohne Bleibeperspektive nach Italien abschieben. Eva Stocksiefen von der Stadt Sankt Augustin glaubt, dass solche Zentren nur scheitern können. Heute leben in der zentralen Unterkunft wieder überwiegend Familien aus verschiedenen Ländern. Es sei so ruhig wie vor dem Pilotprojekt und das sorgt bei Anwohnern und der Stadt für ein gutes Gefühl.

Stand: 16.10.2017, 18:07