Sechs Monate nach der Flut: Betroffene haben noch viel zu tun

Das Bild besteht aus zwei Fotos: Auf dem linken Bild ist ein Haus, davor ist der überschwemmte Garten. Rechts ist das gleiche Haus. Der Rasen ist grün und die Sonne scheint.

Sechs Monate nach der Flut: Betroffene haben noch viel zu tun

Von Peter Hild

Sechs Monate nach der Flut haben viele Betroffene in Düsseldorf und Umgebung an ihren Häusern noch einiges zu tun. In vielen städtischen Gebäuden sind die Arbeiten dagegen abgeschlossen.

In Düsseldorf sind ein halbes Jahr nach der Flut bis auf den Großschaden an einer Realschule in Vennhausen alle übrigen Flutschäden in städtischen Schulgebäuden behoben, die sich insgesamt auf rund 350.000 Euro summieren, teilte ein Stadtsprecher mit. Auch die Sanierungsarbeiten in den Wäldern, Park- und Gartenanlagen seien weitgehend abgeschlossen.

Betroffene haben in Häusern noch viel zu tun

Kein Strom in Düsseldorf Vennhausen

Viele Arbeiten dauern an

Im Stadtteil Gerresheim sieht das bei vielen Hochwasseropfern noch anders aus – etwa bei Dagmar Neugebauer, die dort direkt an der Düssel wohnt und das Souterrain voller Wasser hatte: "Etwa die Hälfte hab ich geschafft, bis zum Sommer will ich fertig sein, aber ich bin unheimlich erschöpft. Ich kann viele meiner älteren Nachbarn verstehen, die haben die Energie nicht mehr und mit der Renovierung noch nicht mal angefangen. Einige wollen wegziehen", erzählt sie.

Nach dem Eindruck von Bezirksbürgermeisterin Maria Icking (Grüne) haben aber viele Betroffene "das Meiste geschafft." 50.000 Euro an städtischen Hilfen und privaten Spenden wurden in dem Stadtteil bisher an Betroffene ausgezahlt. An Sport- und Kleingartenvereine gingen bislang etwa 75.000 Euro an Hilfsgeldern. Viele Kleingärtner wollten aber erst im Frühjahr mit der Sanierung beginnen, so Icking.

Vorsichtige Zuversicht in der Ostparksiedlung

Besonders getroffen hatte die Flut die Ostparksiedlung. "Drei Familien können immer noch nicht wieder in ihre Häuser", berichtet Rolf Buschhausen, der in dem Viertel viele Fluthilfen koordiniert hat. Sie sind bei Freunden oder in Mietwohnungen untergebracht.

Etwa 80 Prozent der Renovierungsarbeiten seien aber in der Endphase, schätzt Buschhausen. Fünfstellige Summen hätten die meisten investieren müssen, "aber ganz langsam sehen alle ein wenig Licht am Ende des Tunnels." Viele Betroffene hätten nun zusätzlichen Hochwasserschutz eingebaut oder sich für künftige Notfälle Pumpen und Stromgeneratoren angeschafft.

Das Unwetter im Rheinland - so sah es in Düsseldorf und Umgebung aus

Das Unwetter hat vielerorts in Düsseldorf, Erkrath und der Umgebung Bilder der Verwüstung zurückgelassen. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der Region.

Überschwemmungen in Düsseldorf Gerresheim

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Straßen mussten wegen der Überschwemmungen gesperrt werden, so wie hier die B8 in Düsseldorf. Auch die A44 war betroffen.

In Mettmann kam es zu dramatischen Szenen: Am Morgen des 14.07.2021 wurde eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims bei dem Versuch, das Haus mit Sandsäcken gegen Wassermassen zu schützen, unter einem umstürzenden Baum eingeklemmt. Nur weil ein Ersthelfer den Kopf der Mitarbeiterin über Wasser hielt, konnte ihr Ertrinken verhindert werden.

Einsatzkräfte versuchten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, den Damm in der Düsseldorfer Ostparksiedlung zu sichern.

Der von der Feuerwehr errichtete Damm in der Ostparksiedlung konnte den Wassermassen jedoch nicht standhalten.

Eine Wohnsiedlung in Düsseldorf-Vennhausen am Donnerstagmorgen. Die Anwohner mussten lange auf die Feuerwehr warten.

Das Wasser hat die ganze Siedlung durchzogen. Viele Anwohner hatten ihre Häuser und Wohnungen zwischenzeitlich verlassen müssen.

Vennhausen: Hier stand das Wasser bis unter die Decke. Sicherungen und Stromzähler wurden vielerorts zerstört. Viele Anwohner hatten über Tage keinen Strom.

Ebenfalls in Vennhausen: Wo zuvor noch eine Straße war, war nach der Flut ein See. Eine Familie hat sich daran angepasst.

Zwei Männer haben in Düsseldorf-Vennhausen ein Motorrad durch das hohe Wasser geschoben.

Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth ist am Samstag eine Straße unterspült worden und abgesackt. Ein drei Meter tiefes Loch bleibt zurück. Wann die Alte Landstraße wieder freigegeben wird, ist unklar.

Die Sportanlage vom TV Grafenberg stand unter Wasser. Der Fußballplatz ist mittlerweile wieder halbwegs trocken – zurück bleiben Schlamm und Dreck.

Auch das Clubhaus des TV Grafenberg neben der Ostparksiedlung hat es hart getroffen. Wann hier wieder trainiert und Siege gefeiert werden können, ist unklar.

Obwohl ihn das Unwetter kalt erwischt hat, strampelt ein Radfahrer in Düsseldorf-Gerresheim tapfer weiter.

In der Kleingartenanlage Weidenau in Düsseldorf-Gerresheim ist die harte Arbeit vieler Kleingärtner in den Fluten zerstört worden.

Überflutete Straßenschilder und Fahrradständer lassen erahnen, dass hier einmal eine Straße war. Der überflutete Anleger der Rheinfähre in Meerbusch zeigt, wie weit sich der Fluss wegen des Unwetters ausgedehnt hat.

Hochwasser am Rhein: Der Dauerregen und das Unwetter haben auch den Rheinpegel steigen lassen. Der Fluss erreichte in Düsseldorf am Samstag den Höchststand von 7,60 Metern.

In Erkrath war der Stadtteil Alt-Erkrath stark überflutet. 600 Menschen konnten die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verbringen.

Ein Auto, bis zum Dach im Wasser versunken, steht auf der überfluteten Morper Alle in Erkrath.

In Alt-Erkrath liefen viele Keller und Garagen voll.

Weil die Straße in Erkrath so stark überschwemmt war, musste dieses Auto geschoben werden.

Nach dem Starkregen mussten in Erkrath unzählige Keller ausgepumpt, Sandsäcke abgetragen und zerstörtes Hab und Gut aus den überfluteten Räumen geräumt werden. Am Freitag sammmelte sich in Alt-Erkrath das Sperrgut.

Durchnässter Hausrat, alte Fotoalben, zerstörte Geräte: All das türmt sich nach dem Unwetter schlammbedeckt auf den Straßen in Düsseldorf.

Die Aufräumarbeiten in Düsseldorf laufen noch – allein am ersten Wochenende nach dem Hochwasser hat die Awista rund 350 Tonnen Sperrmüll eingesammelt.

Auch in Ratingen in der Siedlung am Grünen See stapelte sich massenweise zerstörtes Hab und Gut der Anwohner. Laut Feuerwehr, die 185 Einsätze auf dem Ratinger Stadtgebiet gezählt hat, waren vor allem die Stadtteile West, Mitte, Tiefenbroich und Hösel besondere Einsatzschwerpunkte.

Auch das Ufer des Grünen Sees selbst wurde beschädigt, die Böschung ist abgerutscht. Das Grünflächenamt der Stadt Ratingen hat das Gebiet abgesperrt.

Viel Unterstützung in Erkrath

Auf dem Foto ist aussortierter Hausrat, der am Straßenrand steht, darunter ein Sofa, ein Teppich und verschiedene Stühle.

Tonnenweise Flut-Sperrmüll in Erkrath

"Das Notwendigste haben die meisten geschafft", meint Dieter Thelen vom privaten Verein "Erkrath hält zusammen". Der hat nach der Flut eine sechsstellige Summe an Spenden aus ganz Deutschland gesammelt und den Großteil auch schon an Betroffene weitergegeben. Der Verein versucht Betroffenen bei der Versicherungsabwicklung oder Förderanträgen für Hilfsgelder zu unterstützen, die laut Thelen "sehr kompliziert" sind.

Schäden an Kitas, Schulen und anderen städtischen Einrichtungen seien bis auf kleinere Restarbeiten repariert, teilt die Stadt Erkrath auf WDR-Anfrage mit. An geschädigte Firmen, Landwirte, Selbstständige und Privatpersonen wurden bislang insgesamt 933.000 Euro an Soforthilfen ausgezahlt.

Handwerkermangel verzögert Arbeiten

"Die Handwerker können einfach nicht überall sein", sagt Dieter Thelen aus Erkrath. Dadurch zögen sich viele Sanierungen länger hin. Ähnliche Erfahrungen macht im Moment auch Dagmar Neugebauer in Düsseldorf-Gerresheim. "Ich gehe davon aus, dass viele Betroffene noch bis weit in die zweite Jahreshälfte mit Renovierungen zu tun haben werden."

Stand: 14.01.2022, 07:34