Smarthome für Bienen in Bonn

Ein Smartphone vor einem Bienenstock

Smarthome für Bienen in Bonn

Von Sebastian Tittelbach

  • Sensoren für Bienenvölker im Test
  • Imker bekommen Warnmeldungen aufs Handy
  • Technik soll nächstes Jahr marktreif sein

An ihrer Konzernzentrale in Bonn testet die Deutsche Telekom den drahtlosen Internetanschluss für Bienen. Zwei Bienenkästen hat Imker Markus Bell dort auf einer Wiese aufgestellt. Auffällig sind die vier grünen Boxen an der Unterseite jeder Holzkiste. Darin steckt die Technik: Eine Waage, Sensoren und der drahtlose Internetanschluss.

Imker sparen sich Kontrollfahrten

Ein Imker steht vor Bienenkästen, die auf Sensoren stehen

An der Unterseite der Kisten befindet sich die Technik zur Übertragung der Daten

Die Geräte überwachen kontinuierlich Gewicht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und demnächst auch den Lärmpegel im Bienenstock und schicken die Daten auf das Handy des Imkers. Für ihn sind es wertvolle Informationen. Das Gewicht der Bienenkästen lässt Rückschlüsse auf die Honigmenge und die Population zu. Ein plötzlicher Gewichtsverlust könnte auch auf Honigdiebe hinweisen. Der Lärmpegel ändert sich, wenn bei den Bienen Stress ausbricht, weil zum Beispiel die Königin gestorben ist.

Imker Markus Bell hofft, dass er durch die Technik auf die ein oder andere Kontrollfahrt verzichten kann. Normalerweise steuert er seine Bienenvölker mindestens alle zwei Wochen an.

Bienen bekommen Internetanschluss

Prototyp kostet 3.000 Euro

Die Telekom hat die Technik zusammen mit einem Start-up entwickelt. Die Daten werden über die Funktechnologie Narrowband-IoT übertragen, bei der das Mobilfunknetz genutzt wird. Dadurch brauchen die Bienenkästen keinen Stromanschluss und auch kein Netzwerkkabel. Etwa einmal im Jahr müssen die Akkus getauscht werden. Noch kosten die Prototypen 3.000 Euro pro Stück - wenn im kommenden Jahr die Technik marktreif ist, soll der Preis deutlich sinken.

Ursachenforschung zum Bienensterben

Auch für die Wissenschaft könnten die Daten wertvoll sein, erwartet Melanie Kubin-Hardewig, Leiterin Nachhaltigkeit bei der Deutschen Telekom. So könnten die Informationen aus den Bienenstöcken mit anderen Umweltdaten verknüpft werden, um zum Beispiel weitere Ursachen für das Bienensterben zu finden. 

Stand: 20.06.2018, 14:13

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