Freispruch nach Wehrhahn-Anschlag bleibt bestehen

Reporter Michael Nordhardt berichtet aus Karlsruhe zu Düsseldorf-Wehrhahn Attentat WDR aktuell 14.01.2021 Verfügbar bis 21.01.2021 WDR

Freispruch nach Wehrhahn-Anschlag bleibt bestehen

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Freispruch im Prozess um den Wehrhahn-Anschlag Bestand hat. Vor fast 20 Jahren war an dem Düsseldorfer S-Bahnhof eine Rohrbombe explodiert.

Damit bestätigten die Richter des Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag das Urteil des Düsseldorfer Landgerichts von 2018. Der Freispruch sei auf rund 100 Seiten rechtsfehlerfrei begründet, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Schäfer bei der Urteilsverkündung. Damit steht dem Angeklagten nun auch die Entschädigung zu, die ihm das Landgericht zugesprochen hatte

Die Richter des Landgerichts hatten in dem Prozess auf Freispruch entschieden, weil gegen den heute 54-jährigen Angeklagten aus der rechten Szene eindeutige Beweise fehlten.

Opfer-Anwälte enttäuscht über Urteil

Die Nebenkläger äußerten sich enttäuscht. "Wir meinen, dass der Richtige auf der Anklagebank gesessen hat", sagte einer der Opfer-Anwälte, Juri Rogner. Die Opfer würden wohl irgendwann einen Schlussstrich ziehen müssen. "Wir hoffen zwar immer noch, dass die Wahrheit eines Tages ans Licht kommt. Aber die Hoffnung schwindet." Auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, die den Prozess begleitet und dokumentiert hat, kritisierte das Urteil: Überlebende und Beobachter stünden "vor einem Scherbenhaufen der Aufklärung".

Der Verteidiger des Angeklagten, Olaf Heuvens, hingegen sagte, für seinen Mandanten sei das Urteil "eine Riesen-Entlastung nach über 20 Jahren Verfolgung. Allerdings ist für ihn das Stigma, der Wehrhahn-Attentäter zu sein, noch lange nicht vorbei." Das gelte insbesondere, solange kolportiert werde, er sei in erster Linie mangels Beweisen freigesprochen worden.

Staatsanwälte gingen in Revision

Die Düsseldorfer Staatsanwälte waren gegen den Freispruch durch das Landgericht in der Landeshauptstadt vorgegangen. Sie halten das Urteil aus dem Jahr 2018 für falsch und waren deswegen in Revision vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe gegangen.

Zehn Verletzte, ein ungeborenes Baby starb

Die neue Gedenktafel für die Opfer rassistischer Gewalt am Wehrhahn

Am 27. Juli 2000 war an einer Fußgängerbrücke am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn eine Rohrbombe explodiert, als sich dort eine Gruppe teils jüdischer Sprachschüler aus Russland, der Ukraine und Aserbaidschan aufhielt. Zehn von ihnen wurden teils lebensgefährlich verletzt, eine schwangere Frau verlor ihr Kind.

Rechtsextremist unter Verdacht

Ein 54-jähriger Rechtsextremist geriet damals schnell in Verdacht - auch weil er direkt gegenüber der Sprachschule einen Militaria-Laden hatte. Aber 2002 musste die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen. Erst Jahre später, als ein früherer Mithäftling behauptete, der Mann habe ihm die Tat gestanden, nahmen die Ermittlungen wieder Fahrt auf.

Bilder zum Wehrhahnprozess

Es gab allerdings keine eindeutigen Spuren oder Beweise. Zeugen konnten sich nach der langen Zeit außerdem kaum erinnern oder verwickelten sich in Widersprüche. Das war den Richtern am Düsseldorfer Landgericht zu wenig, sie entschieden auf Freispruch.

Opfer-Anwälte fordern weiter nach Täter zu suchen

Am BGH in Karlsruhe hatte bereits bei einer Verhandlung im November keine Seite dafür plädiert, das Urteil des Landgerichts Düsseldorf aufzuheben.

Einer der Opfer-Anwälte, Juri Rogner, hatte am Rande der Verhandlung gefordert, weiter nach dem Täter zu suchen. Die Nebenkläger seien aber überzeugt davon gewesen, dass der Richtige auf der Anklagebank gesessen habe.

Stand: 14.01.2021, 17:12