Missbrauchsverdacht im Bistum Münster: Weitere Betroffene meldet sich

Missbrauchsverdacht im Bistum Münster: Weitere Betroffene meldet sich

  • Weitere Betroffene meldet sich
  • Missbrauch durch denselben Kaplan?
  • Bistum Münster räumt Fehler ein

Offenbar gibt es einen weiteren Missbrauchsfall durch den Kaplan im Bistum Münster, den bereits eine andere Frau wegen sexuellen Missbrauchs in Kevelaer beschuldigt hatte.

Am Dienstagabend (05.11.2019) hatte sich eine Frau aus dem Münsterland beim Bistum gemeldet – auch sie gibt an, von dem Mann missbraucht worden zu sein – wann, ist noch unklar.

Emotionaler Gesprächsabend in Pfarrei

Die Pfarrei in Kevelaer hatte am Mittwochabend (06.11.2019) zu einem Gesprächsabend eingeladen. Über 100 Menschen kamen, führten eine teils sehr emotionale Debatte. Mitglieder warfen der Kirche vor, dass Priester oft, trotz aller Vorwürfe, weiter beschäftigt werden. Die Kirche tue so, als hätte sie eine eigene Gerichtsbarkeit wie im Mittelalter, sagte ein Pfarreimitglied und fügte hinzu, dass die Kirche handeln könnte "indem sie die Täter, die es zugegeben haben, aus dem Verkehr zieht – das ist, was einen so bitter enttäuscht."

Auch der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, äußerte sich dem WDR gegenüber an diesem Abend zu dem ersten Missbrauchsfall: "Die Betroffene hat das klar geschildert und auch das, was ich in den Akten sehe, ist unstreitig ein ganz klarer Fall des Missbrauchs gewesen, der einfach nicht hingenommen werden kann."

Taten waren Bistum bekannt

Im Jahr 2010 hatte die Frau aus Kevelaer ihren Fall bereits an das zuständige Bistum Münster gemeldet. Das Bistum teilte am Sonntag (03.11.2019) mit, dass die Frau damals "ausdrücklich verlangt" habe, dass der Fall nicht veröffentlicht und auch nicht an die Staatsanwaltschaft gemeldet werde. Intern wurde der Fall aber verfolgt.

Die Betroffene habe sich Ende 2016/Anfang 2017 erneut beim Bistum gemeldet, weil der Geistliche – trotz entsprechender Auflagen – weiterhin öffentlich Gottesdienste feierte.

Bistum hatte mögliche Opfer aufgerufen, sich zu melden

Das Bistum hatte nach dem ersten Missbrauchsvorwurf eingeräumt, dass man versäumt habe, den Geistlichen konsequenter zu kontrollieren.

Das Bistum hatte außerdem weitere mögliche Opfer aufgerufen, sich an die Ansprechpersonen für Missbrauchsfälle zu wenden. Es veröffentlichte eine Liste mit den Pfarrstationen des Geistlichen. Danach war der Kaplan nach seiner Zeit in Kevelaer hauptsächlich im Münsterland in Wadersloh und Bad Waldliesborn tätig sowie als Dechant im Dekanat Beckum. 2010 ging er in den Ruhestand.

Stand: 07.11.2019, 13:06