Debatte um Kardinal Woelki: Basis ist gespalten

Debatte um Kardinal Woelki: Basis ist gespalten

Von Murat Koyuncu

Ob Kardinal Woelki am 9. Juni zur Firmung nach Düsseldorf kommt, ist immer noch unklar. Fest steht aber, dass viele Katholiken in diesen Tagen emotional zerrissen sind. Ein Besuch einer katholischen Gemeinde in der Düsseldorfer Altstadt.

Sonntagmorgen, 10 Uhr vor der St.-Maximilian-Kirche, die von den Düsseldorfern liebevoll "Max-Haus" genannt wird. Die Erstkommunion steht an.  Die Familien sind feierlich gekleidet und freuen sich auf die Veranstaltung.

Unter den Gästen ist auch Margarethe, die mit ihrer Familie seit mehreren Jahren zur Gemeinde gehört.

St.-Maximilian-Kirche in Düsseldorf

St.-Maximilian-Kirche (Max-Haus) in Düsseldorf

Zwar sei sie von den Missbrauchsfällen nach wie vor schockiert, dennoch habe sie Vertrauen in die Kirche und in Woelki. Sie ist der Meinung, dass die Missbrauchsfälle nicht die gesamte katholische Kirche abbilden darf. Immerhin sei der Kardinal dialogbereit und suche das Gespräch mit der Basis, so die 52-jährige Frau, die ihren Mund-und Nasenschutz zurechtzupft und mit ihrer Familie in die Kirche reingeht.

Innerer Konflikt und Verzweiflung bei einigen Gemeindemitgliedern  

Es gibt aber auch einige Katholiken, die innerlich stark zerrissen sind. Vor der Kirche steht eine elegant gekleidete Dame: Weißes Kleid mit Blumenmustern, schwarzer Hut und Sonnenbrille.

Die 62-Jährige, die lieber anonym bleiben möchte, habe derzeit große emotionale Schwierigkeiten. Ihren Glauben liebe sie zwar, doch mit der Institution "Katholische Kirche" sei sie sehr unglücklich. Lange habe sie mit ihrem Mann überlegt, ob sie aus der Kirche austreten soll. Am Ende hätten sie sich dagegen entschieden.

Sie hofft nun auf eine lückenlose Aufklärung und begrüßt daher die anstehende Visitation seitens des Vatikans. Denn "der christliche Glaube an sich kann am Ende nichts für menschliche Fehler und menschliches Versagen".

Manche haben ihren Glauben aufgegeben

Peter, der mit seinem Fahrrad an der St.-Maximilian-Kirche vorbeifährt, hat andere Ansichten. Er gehörte bis vor kurzem zu einer anderen Gemeinde. Vor wenigen Wochen habe er mit der katholischen Kirche komplett gebrochen und ist ausgetreten.

"Das Kind ist doch schon längst in den Brunnen gefallen", sagt der vollbärtige Mann in lockerem T-Shirt und kurzen Hosen. "Fehler können passieren, aber bei sexuellem Missbrauch hört die Toleranz auf", so der Vater von zwei Kindern. Der Missbrauchsskandal sei nicht neu und man habe viel zu lange weggeschaut.

Auf die Frage, ob er neben seiner Mitgliedschaft auch seinen Glauben aufgegeben habe, sagt er etwas zögerlich und in die Leere schauend: "Irgendwie ja, denn wenn es einen Gott gäbe, würde er solche schrecklichen Taten sicher nicht zulassen!"   

Stand: 30.05.2021, 14:11