Wochenlange Irrfahrten: Beschwerden über Post und Mitbewerber

Ein Mitarbeiter der Deutschen Post fährt in Stuttgart (Baden-Württemberg) über einen Zebrastreifen

Wochenlange Irrfahrten: Beschwerden über Post und Mitbewerber

  • Zahl der Beschwerden über Post und Mitbewerber steigt
  • Über 10.000 Beschwerden eingegangen
  • Pakete teils wochenlang auf Irrfahrt

Acht Wochen dauerte der Ärger von Joachim Bohry aus Neukirchen-Vluyn bei Moers. Er hatte für 80 Euro ein Foto von sich und seiner Frau Heidi bei einem Online-Anbieter als Leinwandbild bestellt. Schon wenige Tage später kam die Info, das 120x80 cm große Bild sei auf dem Weg.

Aber außer der mehrfachen E-Mail-Benachrichtigung, die Sendung sollte am nächsten Tag zugestellt werden, passierte wochenlang nichts. Denn erstmal tauchte kein Paketbote auf.

Probleme mit der Zustellung

Die Beschwerden über solche Fälle häufen sich inzwischen immer mehr bei der Bundesnetzagentur in Bonn. Rund die Hälfte der Meldungen an die Bonner Behörde trifft den Bereich Pakete. Am häufigsten geht es dabei um Probleme mit der Zustellung. Jeder Paketdienstleister sei gleichermaßen davon betroffen, heißt es von der Bundesnetzagentur.

Insgesamt gingen bei der Behörde mehr als 10.000 schriftliche Beschwerden über die Deutsche Post und ihre Mitbewerber ein. Damit ist die Zahl weiter gestiegen. 2019 waren es im gleichen Zeitraum noch rund 8.700.

Paket weg: Mehr Beschwerden über die Post

WDR 5 Profit - aktuell 07.07.2020 02:53 Min. Verfügbar bis 07.07.2021 WDR 5

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Post spricht von Rückgang der Beschwerden

Die Post selbst kann den erneuten Anstieg der Beschwerden nicht nachvollziehen. Dort spricht man von einem Rückgang der Kunden-Beschwerden. „Und dies trotz der großen, coronabedingten Herausforderungen“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung der Post gegenüber dem WDR.

Auf eine Million Sendungen käme gerade einmal eine Beschwerde. Den Anstieg der Beschwerdezahlen könne man sich nur dadurch erklären, dass sie sich auf die gesamte Branche bezögen, außerdem sei die Bundesnetzagentur als Anlaufstelle für Beschwerden „zunehmend bekannter geworden“.

Ärger ist vielfältig

Tatsächlich ärgern sich auch Kunden anderer Paketdienste immer wieder über unterschiedlichste Dinge. Zum Beispiel auf Post-Aerger.de, einer Anlaufstelle der Verbraucherzentralen. Da wird beispielsweise über den DPD-Paketboten berichtet, der die Sendung nicht zustellt, obwohl jemand zu Hause ist.

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Beschwerden können helfen

Ein verbeultes Paket, gesendet von der Deutschen Post

Auch Mirja Uschkureit will sich beschweren. Ihr Päckchen mit einer Cappy als Geburtstagsgeschenk für das Patenkind kam erst zwei Wochen nach dem Geburtstag an und war auch noch völlig zerquetscht. Sie hofft jetzt auf einen Ersatz für die beschädigte Cappy.

Bei Joachim Bohry hat die Beschwerde am Ende tatsächlich geholfen. Nachdem sein Leinwand-Bild vier Wochen lang nicht auffindbar war, machte er seinem Ärger Luft und bekam drei Tage später über PayPal sein Geld zurück. Nach einer telefonischen Recherche bei der Post kam das Bild schließlich nach insgesamt achtwöchigem Irrweg durch Deutschland doch noch an. Mit völlig korrekter Adresse auf dem Paket.

Verbraucher, die Probleme beim Erhalt von Briefen oder Paketen haben, können sich nicht nur an die jeweiligen Dienstanbieter, sondern auch an die Bundesnetzagentur wenden. Sie ist als Regulierungsbehörde zuständig für die Post- und Paketbranche.

Stand: 07.07.2020, 16:44