Klassik gegen Kohleabbau: Beethoven an der Tagebaukante

Mit einem Beethoven-Freiluftkonzert auf einem vom Abriss bedrohten Bauernhof nahe des Tagebaus Garzweiler wollten Musiker ein Zeichen für den Klimaschutz setzen.

Klassik gegen Kohleabbau: Beethoven an der Tagebaukante

  • Konzert nahe des Tagebaus Garzweiler
  • Musiker wollten Zeichen für Klimaschutz setzen
  • Anlass war der "World Pastoral Day" der UN

Ungewöhnliches Freiluftkonzert am Braunkohlerevier Garzweiler: Mit großem Abstand haben sich Menschen mit ihren klassischen Instrumenten aufgereiht. Eine Geigerin sitzt auf dem Heuboden, ein Cello wird zwischen Treckeranhängern gezupft, ein Klarinettist spielt mitten auf der grünen Wiese.

Rund 50 Berufsmusiker aus dem Rheinland - unter anderem aus Konzerthäusern in Bonn, Köln, Düsseldorf, Krefeld und Aachen - waren am Montag (01.06.2020) angereist, um nahe der Abbruchkante Beethovens 6. Symphonie zu spielen. Die Musiker standen auf dem Gelände verteilt und spielten die Pastorale synchron.

Mit Mundschutz auf dem Klangpfad

Mit dem Freiluftkonzert auf einem vom Abriss bedrohten Bauernhof in Keyenberg wollten die Musizierenden ein Zeichen für den Erhalt der Dörfer am Braunkohletagebau und für den Klimaschutz setzen. Die Zuhörer saßen nicht auf Stühlen, sondern konnten - mit Mundschutz - auf einem Klangpfad zwischen den einzelnen Musikern hin und her wandeln. Um auch mit Abstand synchron spielen zu können, hörten die Musiker die Musik über Kopfhörer.

Kampf gegen Klimawandel

Das Konzert war ein Beitrag zum "World Pastoral Day" des UN-Klimaschutzsekretariats, zu dem Musiker in aller Welt dazu aufgerufen waren, die Pastorale mit einem Statement zum Klimaschutz zu verknüpfen. "Beethoven würde an unserer Seite kämpfen" - sagt das Bündnis "Alle Dörfer bleiben", das seit Jahren für den Erhalt der Dörfer mitten im rheinischen Tagebaugebiet auf die Straße geht und zu dem Protestkonzert eingeladen hatte.

"Die Pastorale ist ein Ausdruck von Beethovens Naturverbundenheit. Was hätte der Komponist zum Klimawandel und zum Abbaggern unserer Dörfer gesagt? Die Verstromung der Braunkohle nimmt uns nicht nur unsere Höfe und Häuser, sie ist auch eine massive Bedrohung für die Natur", so Dorothee Cüppers aus dem bedrohten Dorf Berverath.

Der WDR-Symphoniker Sebastian Engelhardt sagte, das Konzert sei sein persönliches Statement für den Erhalt der Umwelt. "Wenn man das alles hier sieht, versteht man die Welt nicht mehr", sagte der Cellist mit Blick auf die bedrohten Dörfer.

Stand: 01.06.2020, 15:51