Das Logo des Pharmaunternehmens Bayer klebt auf einer Glasscheibe

Bayer: Rückschlag im Glyphosat-Rechtsstreit

Stand: 21.06.2022, 20:37 Uhr

Bayer hat im Rechtsstreit um ein Unkrautvernichtungsmittel eine Niederlage erlitten. Der oberste US-Gerichtshof lehnte es ab, ein Urteil zu überprüfen, das einem Krebspatienten 25 Millionen Dollar zuspricht.

Von Erik Butterbrodt

Die Verurteilung des Bayer-Konzerns zu 25 Millionen Dollar Schadensersatz im sogenannten Hardeman-Fall ist rechtskräftig. Der oberste US-Gerichtshof hat die Überprüfung des Urteils im Streit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup abgelehnt. Der Konzern war im vergangenen August vor den Supreme Court gezogen.

Etikettbeschriftung: Glyphosat 360g/l

Im Jahr 2019 wurden dem Kläger Edwin Hardeman gut 25 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Er führte seine Krebserkrankung auf die jahrelange Verwendung des glyphosathaltigen Herbizids Roundup von Monsanto zurück. Bayer kaufte den US-Saatguthersteller 2018.

Leverkusener Konzern verpasst Befreiungsschlag und zeigt sich enttäuscht

Bayer hatte zuletzt einige Glyphosat-Fälle gewonnen. Durch eine Wende im Hardeman-Fall hoffte der Leverkusener Konzern auf ein weiteres positives Signal für noch ausstehende Klagefälle. Das Unternehmen zeigte sich nach der Ablehnung der Revision enttäuscht. “Wir können die Ablehnung des Falls Hardeman durch den Supreme Court nicht nachvollziehen“, teilte Bayer mit.

4,5 Milliarden Euro Rückstellungen für weitere Klagefälle

Schon im letzten Sommer hatte Bayer 4,5 Milliarden Dollar zurückgestellt, um auch auf mögliche künftige Vergleiche und Gerichtsprozesse vorbereitet zu sein. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern hat nach eigenen Angaben bereits mehr als drei Viertel der etwa 138.000 derzeitigen Klagen durch Vergleiche beigelegt.

Bayer ist in den USA mit zahlreichen Klagen konfrontiert, weil die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation Monsantos Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte. Bayer wies das heute nochmals in einer Stellungnahme zurück und steht laut eigener Aussage weiter hinter den Roundup-Produkten:

„Entscheidend ist, dass Wissenschaft und Bewertungen der verantwortlichen Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide sicher und nicht krebserregend sind. So hat jüngst auch die Europäische Chemikalienagentur im Rahmen der Wiederzulassung für die EU festgestellt, dass aufgrund einer breiten wissenschaftlichen Prüfung eine Klassifizierung von Glyphosat als krebserregend nicht gefertigt ist“, teilte Bayer mit.

Über dieses Thema berichten wir auch am 21.06.2022 im WDR-Fernsehen in der Lokalzeit aus Köln um 19:30 Uhr und in den Radio-Nachrichten auf WDR2.