Bauernproteste in Bonn

Traktoren-Karawane in der Bonner Innenstadt.

Bauernproteste in Bonn

Von Jochen Hilgers

  • Bauernproteste gegen Dünger-Einschränkungen
  • 6.000 Landwirte in Bonn
  • Große Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt

Zu den Bauernprotesten in Bonn sind am Dienstag (22.10.2019) weit mehr als die erwarteten 1.000 Traktoren in die Innenstadt gefahren. Am Nachmittag sprach die Polizei von rund 2.000 Traktoren im Zentrum, mehrere Straßen mussten zwischenzeitlich gesperrt werden.

Auf dem Münsterplatz kamen am Mittag rund 6.000 Landwirte zusammen, die Protestkundgebung begann um 11 Uhr - während noch etwa 800 weitere Traktoren auf dem Weg nach Bonn waren. Die Bauern protestierten gegen die Agrarpläne der Bundesregierung.

Mehr als 2.000 Traktoren in Bonn

Ein Polizeimotorrad steht vor Traktoren mit Protestschildern.

Ein Polizeimotorrad steht vor Traktoren mit Protestschildern.

Die Trecker-Konvois kamen am Vormittag in der Bonner Innenstadt an. Nach Angaben der Polizei waren sie teilweise bis zu zehn Kilometer lang. Aus dem Münsterland sind beispielsweise 110 Bauern gegen 3:30 Uhr in der Nacht von Borken-Marbeck aus losgefahren. Aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis starteten etwa 250 Trecker ins Rheinland. Aus dem Oberbergischen Kreis machten sich 60 Traktoren auf den Weg ins Rheinland.

Große Verkehrsbehinderungen in der Bonner Innenstadt

Die kilometerlangen Traktoren-Konvois sorgten in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis für massive Behinderungen auf den Straßen. Zeitweise musste sogar die Bonner Kennedybrücke für den Nahverkehr gesperrt werden. "Es ist richtig voll," sagte ein Bonner Polizeisprecher am Mittag.

Bauernproteste in Bonn Lokalzeit2go - Bonn 22.10.2019 00:21 Min. Verfügbar bis 22.10.2020 WDR Bonn

Traktoren auf allen Zufahrtsstraßen

Eine solche Protestaktion hat selbst das demonstrationsgewohnte Bonn noch nicht erlebt. In der gesamten Innenstadt legten Traktorkolonnen den Verkehr lahm. Auf allen möglichen Stellflächen, wie zum Beispiel rund um die Oper, parkten Traktoren aus der ganzen Bundesrepublik. Aus allen Himmelsrichtungen waren die Traktoren auf Bonn zugefahren.

Fotostrecke: Bauernproteste in Bonn und NRW gestartet

Zu den Bauernprotesten in Bonn sind am Dienstag (22.10.2019) mehr als die erwarteten 1.000 Traktoren in die Innenstadt gefahren. Auch in anderen Städten haben sich die Landwirte zum Protest versammelt. Sie protestieren gegen die Agrarpläne der Bundesregierung.

Traktoren-Stau auf der B9.

Traktoren auf dem Weg ins Zentrum: Stau auf der B9.

Traktoren auf dem Weg ins Zentrum: Stau auf der B9.

Traktor-Schlange am Bonner Rheinufer.

Protest und Gratis-Obst auf dem Bonner Münsterplatz.

Tausende Landwirte auf dem Bonner Münsterplatz.

Hier ist kaum noch Platz für Autos: Der Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn.

Langer Protestzug auch in Münster.

Der Ludgerikreisel in Münster.

Lange Schlangen auch im Zentrum von Münster.

Ein knapp zehn Kilometer langer Konvoi kam zum Beispiel über Köln und Brühl. Die Bauern fordern von der Politik, endlich gehört zu werden. Es würden Gesetze und Vorschriften erlassen, ohne dass ihre Meinung dazu eine Rolle spiele, kritisieren sie.

Konvois auch in OWL und Münsterland

Auch im Norden von NRW waren protestierende Landwirte unterwegs. Unangemeldet rollten am Mittag Traktoren durch die Paderborner Innenstadt, auch zwischen Minden und Lübbecke sind rund 100 Fahrzeuge unterwegs. In Münster legten rund 950 Bauern Teile des Verkehrs lahm, sie fuhren mehrere Stunden einen zehn Kilometer langen Rundkurs. Zwischenfälle gab es hier nicht, Polizei und Veranstalter sind zufrieden.

Landwirte organisieren sich über soziale Medien

Die Protestbewegung hatte sich zunächst in einer geschlossenen Facebook-Gruppe formiert und wurde über WhatsApp-Gruppen immer stärker. Dort sollen sich mittlerweile bis zu 100.000 Bauern organisieren.

Stand: 22.10.2019, 11:55

Kommentare zum Thema

18 Kommentare

  • 18 Helmut 23.10.2019, 16:18 Uhr

    Das war die Konzentration des Bösen: Zu Fuß über die Straße? Da waren viele abgeschnitten. Für Nitrat? Wer ein Kind mit "Blausucht" hatte, fasst sich an den Kopf. Für Pestizide? Fassungslos!

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    • Klaus 23.10.2019, 19:11 Uhr

      Anscheinend haben sie sich mit der Thematik nicht beschäftigt einfach nur dumm ihr Kommentar.

  • 17 Hempel 22.10.2019, 23:11 Uhr

    Die Bauern erhalten doch seit Jahrzehnten unverschämte Subventionen, wie auch die Atomindustrie und die Kohleindustrie. Komisch, dass es für echte Umweltschutzmaßnahmen kaum Geld gibt. Beschwert Euch nicht, liebe Bauern! Bislang gab es doch Subventionen nach Größe und Masse, da haben doch viele abgesahnt.

    Antworten (2)
    • Tom 23.10.2019, 13:29 Uhr

      Du hast doch keine Ahnung!!!!

    • Lilu 23.10.2019, 14:37 Uhr

      Die Subventionen gehen nur leider in die falsche Richtung. Die größten Subventionsnehmer sind u.a. Südzucker, die Telekom, die Deutsche Bahn, usw. Alle die Schlauberger hier sollten bitte einmal eine Woche auf einem Vollerwerbsbetrieb arbeiten. Da ist nix mit nur Kälber streicheln und mal einen Ballen Heu verteilen. Bitte gerechte Preise für unsere guten Nahrungsmittel. Für einen Liter Milch ( 1a Qualität ) bekommt man von der Molkerei weniger als vor 30 ( in Worten dreißig) Jahren !!!Für ein schwarzbuntes Bullenkalb ca. 50 Euro !!! Was kosten Perserkatze oder Labradorwelpe ???Wir können nicht alle Influencer sein. Irgendwer muss auch arbeiten !! Und Nahrungsmittelerzeugung gehört für mich zu den sinnvollen Tätigkeiten !

  • 16 Scho 22.10.2019, 23:05 Uhr

    Da fahren in Zeiten von Klimaschutz, Feinstaub und Dieselskandal tausende Traktoren durch die Innenstadt und verpesten die Luft. Wer genehmigt eigentlich solche Fahrten durch die Innenstädte? Das ist sicher nicht im Sinne unserer Jugend, die für den Klimaschutz auf die Strasse geht! Da bemüht man sich als Bürger, so viele Fahren, wie möglich zu vermeiden und die Bauern fahren mit tausenden Traktoren sinnlos durch Deutschland Die Landwirte protestieren zudem gegen Einschränkungen beim Düngen und bei den Pestiziden. Das ist auch sicher nicht im Sinne unserer Jugend ! Es wird Zeit, dass die Landwirte nicht nach Größe und Masse subventioniert werden, sondern durch Bio-Landbau und Umweltschutz-Maßnahmen. Ich denke, die Bauern sitzen einfach auf einem zu hohen Roß!

    Antworten (1)
    • Lilu 23.10.2019, 14:40 Uhr

      Ist ja schön, wenn sich Leute Gedanken machen, aber die Bauern machen das sicher nicht aus Langeweile ! Bald haben wir Zustände wie in Frankreich, wo sich reihenweise Landwirte umbringen. Kein Bauer ist gegen Umweltschutz, aber der bürokratische Wahnsinn ( wie auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen) ist irre.

  • 15 didi 22.10.2019, 23:04 Uhr

    Tolles Umweltverständnis! Erstmal mit hunderten Traktoren durch die City fahren und die Umwelt zusätzlich verpesten...saubere Aktion

  • 14 M.H. 22.10.2019, 21:05 Uhr

    Ihr wollt hohe Standards! Dann zahlt auch dafür! Wir wollen keine Beihilfen ! Wir wollen Respekt für unsere Arbeit ! Freie Bauern wollen wir sein und das wird uns genommen! Wir wollen uns um unsere Tiere und Pflanzen kümmern und nicht um diesen bürokratischen Wahnsinn. Wenn weiterhin die weltweiten Erzeugerpreise durch WTO und Mercosur Abkommen niedrig gehalten werden , Hängt der Bauer am Tropf der Direktzahlungen. Macht die Grenzen zu , dann können wir weiter reden. Achja das geht doch nicht , wir haben doch nicht einmal 10 % unseres Einkommens für Lebensmittel aufgewendet. Der Rest ist für den wohlverdienten Urlaub, den wir nicht kennen. Unsere Tiere und die Natur brauchen uns , nicht zu vergessen alle Bürokraten , deren Anträge ausgefüllt werden müssen. Des weiteren Danke ich dem WDR, dessen Mitarbeiter ein Interview mit mir geführt hat. Es war das letzte welches ich mit dieser Sendeanstalt geführt habe. Es wird nämlich nur das ausgestrahlt, was der Idiologie entspricht

    Antworten (3)
    • Alma Schäpers 22.10.2019, 21:27 Uhr

      Genau so ist es und nicht alle Kommentare werden öffentlich, habt ihr euch auch so intensiv um die öffentlichen Abwässer aus den Klärwerken vom WDR gekümmert??? Aber den Buhmann habt ihr ja gefunden traurig wie die Presse arbeitet! Liebe Grüsse Alma

    • M.H. 22.10.2019, 21:56 Uhr

      Was die Abwässer angeht, müsst ohr euch mit Christian Lohmeyer unterhalten. Dieser hat bundesweit Missstände im Kläranlagen und Kanalsystem der Städte und Gemeinden aufgedeckt

    • Lilu 23.10.2019, 14:41 Uhr

      Dem ist nichts hinzuzufügen !

  • 13 Altfeld Paul 22.10.2019, 20:19 Uhr

    Der Bauernverband sollte sich ehrlichkeitshalber umbenennen in „ Verband der Agrarindustrie Deutschlands. Die Bauernvertretung könnte dann die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft übernehmen . Die bäuerliche Landwirtschaft ist ein Kulturgut wobei ökonomische und ökologische, soziale sowie ethische Gesichtspunkte sowie Lebensqualität zusammengeführt sind.Dabei sollten Großbetriebe nicht mehr mit EU Geldern gefüttert werden und dass Geld für die Neuausrichtung der Agrarpolitik verwendet werden. So kann es nicht weitergehen ,dann bleiben nur Betriebe über die eigentlich keiner haben will. Mit diesem Bauernverband ist eine Neuausrichtung der Agrarpolitik nicht möglich

  • 12 R.W. 22.10.2019, 20:17 Uhr

    Der Staat soll seine Klappe halten und zahlen. Die Industrie Fachrichtung Landwirtschaft möchte keine Unterstützung. Sie fordert sie. Natürlich wird die Fabrikation von Tieren und Pflanzen in alle Welt von der Regierung und der EU masiv unterstützt. Aber bitte keine Vorschrift an die Fabrikbesitzer. Die hochprofessionelle landwirtschaftliche Industrie zieht wieder einmal "den armen Bauern" aus dem Ärmel. Welchen armen Bauern meinen die nur? Jeder Bauer, der mit seinem Trecker vorgefahren ist, hat ein deutlich höheres Einkommen, als der "Durchschnittsbürger". Landwirtschaft ist Industrie. Und in der Industrie herrschen Standarts. Und in jedem anderen Industriezweig wurden die Vorschriften und Auflagen auch erhöht. Meine Meinung ist: Wäre FCKW in der Landwirtschaft eingesetzt worden, wäre es heute noch erlaubt.

  • 11 Werner Hoffmann 22.10.2019, 19:45 Uhr

    So lange ich denken kann, hgaben die Bauern demonstriert und dabei einen dicken Mercedes gefahren, weil sie steuerbegünstigt den Diesel abzapfen können. Ich mußte heute zum Arzt und kam nicht durch Münster. Dann das Schild eines Bauern : "Wir können auch anders, als bloß demonstrieren! Das ist Nöltigung und eine unverschämte Drohung ! Der Bischof von Münster soll seiner Verantwortung wieder gerecht werden und die Bauern in die Leibeigenschaft führen, dann wüßten sie, wie gut sie es überhaupt haben. Und zu den Demos kann ich nur sagen : Landgraf, werde hart und untersagt solchen Terror gegen wehrlose Bürger . Meine Meinung !

    Antworten (2)
    • Anja S. 22.10.2019, 20:02 Uhr

      Ich glaube Sie leben wohl in Ihrem ganz eigenen Zeitalter. Tut mir leid , aber das ist nicht ernst zu nehmen

    • Waldemar Schäpers 22.10.2019, 20:25 Uhr

      Sehr geehrter Herr Hoffmann, ich fahre zwar keinen Mercedes bin aber Landwirt meine Vorfahren bewirtschafteten seit über 1000 Jahren den Hof immer Nachhaltig auch als Hof des Bischofs von Münster bis 1830 als sich die Familie den Hof freikaufen konnte(erste Erwähnung Anno 872). Sie haben Recht unter der Herrschaft des Bischofs ging es den Bewohner des Hofes besser, man leistete seine Abgaben konnte aber ansonsten frei als Hofgemeinschaft für den Hof arbeiten. Wir arbeiten mit unseren Tieren ( seit 1574 bekannt als Schweinehalter) und unserem Boden so das auch die nächste Generation damit leben kann Noch nie war es so wie heute, Bauern werden gegängelt und sind an allem Schuld, man hat den Sündenbock gefunden,. Haben sie mal nachgefragt wieviel auf privaten Grundstücken gedüngt und gespritzt wird und noch schlimmer wieviele Abwässer ( bitte Stickstoffwerte beachten) aus den Städten in die Gewässer geleitet werden. leider sind die Zeichen beschränkt aber es stimmt unter dem Fürstbischof

  • 10 C.Bieniek 22.10.2019, 19:34 Uhr

    Liebe Landwirte, ob und wie weit der Protest gerechtfertigt ist weiß ich nicht. Jetzt bin ich auch gar nicht mehr motiviert, mich mit der Sache zu beschäftigen. Der Protest heute hat, wie so oft bei Demos mal wieder die falschen getroffen. Für einen dringenden Arzttermin musste ich heute von Düsseldorf nach Bonn und habe durch die Demo dafür jetzt in Summe 6 (in Worten sechs) Stunden Arbeitszeit verschwendet, um nach Bonn zu kommen. Warum muss man denn neben Straßen auch Bahnstrecken blockieren? Adressatin des Protestes ist die Landwirtschaftsministerin, die fährt nicht mit der Bahn. Ich habe versucht statt mit dem Auto, Bahn zu fahren und das ist auch schief gegangen. So schafft man sich keine Sympathie!

    Antworten (1)
    • Werner Hofmann 22.10.2019, 19:47 Uhr

      Sie sprechen mir aus der Seele !

  • 9 Anja S. 22.10.2019, 19:34 Uhr

    Lieber WDR, ich möchte Sie wirklich um eine ausgewogenere Berichterstattung bitten. Eine Kommentator wie vorhin in Ihrer Berichterstattung widerspricht jedem Sachverstand zum Thema. Wir Bauern sind NICHT gegen Naturschutz. Er kann nur nicht ausschließlich auf dem Rücken der Bauern erfolgen. Man sollte auch mal hinterfragen was aus Kläranlagen zurück ins Wasser bzw. Bäche geleitet wird. Ziel muss es sein den Menschen zu verdeutlichen, dass die Bauern bei solchen Gesetzgebungen, die vom Schreibtisch aus ohne jeglichen praktischen Hintergrund erfolgen, in Deutschland aussterben werden. Wie Klimafreundlich ist es denn bitte Lebensmittel zu importieren. Zumal aus Ländern in denen die Produktionsbedingungen alles andere als transparent bzw. tierfreundlich bzw. Umweltfreundlich sind. Vielleicht sollten Sie Ihre Berichterstattung überdenken...

    Antworten (1)
    • Werner Hofmann 22.10.2019, 19:49 Uhr

      Haben Sie überhaupt zugehört ? Der Bericht hatte einen Jungen zitiert, der einen Kommentar in der Schule von seinen Mitbürgern bekam. Nicht die Fakten verdrehen, liebe Anja !

  • 8 Heinrich Winter 22.10.2019, 16:57 Uhr

    Lieber WDR, Ich bin grundsätzlich für eine freie Presse, aber eine freie Presse heißt auch ausgewogene Berichterstattung. Die gibt es bei Ihnen schon lange nicht mehr. Sie sind ein öffentlich rechtlicher Sender, auch wir Landwirte bezahlen alle Rundfunkgebühren und sie schlagen seit vielen Jahren gnadenlos auf uns ein. Grüne und Umweltverbände finden bei Ihnen jedoch offene Ohren. Als Landwirte waren wir immer freie Menschen in einem freien Land, dazu gehörte auch immer eine freie Presse. Mit 67 Jahren arbeite ich zusammen mit meiner Familie jeden Tag 16 und mehr Stunden für nicht kostendeckende Preise. Wir haben jedes Jahr Eigenkapitalverluste d.h. dass wir für unsere Arbeiten keinen Lohn bekommen. Dazu werden wir von unseren Beamten bevormundet, schikaniert und müssen nach deren Pfeife tanzen sonst werden unsere dringend benötigten Zuschüsse gestrichen. Um unseren geliebten Beruf zu behalten müssen wir zusätzlich noch anderen Tätigkeiten nachgehen. Das Mass ist einfach voll.