Baseball mit Straftätern im Heinsberger Gefängnis

Baseball mit Straftätern im Heinsberger Knast

Baseball mit Straftätern im Heinsberger Gefängnis

  • Baseball-Team lässt sich im Gefängnis einschließen
  • Gefangene werden sorgfältig ausgesucht
  • Sport hilft bei der Resozialisierung

Die jugendlichen Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg bekommen regelmäßig Besuch von draußen, von einer Baseball-Mannschaft. Die Wassenberg Squirrels trainieren zusammen mit den Straftätern, weil sie die Jungs am Rande der Gesellschaft nicht vergessen wollen.

Einmal im Monat lässt die Baseball-Mannschaft aus Wassenberg sich im Gefängnis einschließen, um mit den jugendlichen Insassen ihren Lieblingssport zu trainieren. Und auch die Straftäter bekommen einen Baseballschläger.

Angst, dass damit einer gewalttätig um sich schlägt, hat hier niemand. "Die Gefangenen, die hier mitspielen dürfen, werden sorgfältig ausgesucht, halten sich auch sonst an die Regeln im Knast und verhalten sich anständig", erklärt der Sportbeamte der JVA. Dem Trainer der Baseball-Mannschaft Peter Dohmen ist wichtig, dass sich die Spieler auf Augenhöhe begegnen.

Ein Stück Freiheit im Knast

Die Insassen, die hier mitspielen, sind im Alter von Anfang bis Mitte 20. Draußen auf dem großen Rasenplatz spüren sie für zwei Stunden einen Hauch von Freiheit und Normalität. Hier geht es einmal nicht um ihre Straftat, sondern um die Taktik im Spiel und die Technik beim Werfen und Fangen des Baseballs.

Beim Schlagtraining können die Jungs ihre angestaute Energie und Wut loswerden, indem sie einfach mit allergrößter Kraft den Baseballschläger gegen den Ball donnern. "Das tut echt gut und macht total Spaß", sagt Markus, der schon vier von sechs Jahren Haft abgesessen hat.

Sport als Schritt zur Resozialisierung

Hinter dem gemeinsamen Trainieren steckt vor allem ein Ziel: die Resozialisierung der Insassen nach ihrer Haftentlassung. "Der Sport kann ihnen helfen, in ein neues soziales Umfeld zu kommen, nicht zurückzufallen in alte Cliquen und alte Strukturen, die sie letztlich ins Gefängnis brachten", erzählt der Trainer Peter Dohmen.

Er hatte vor drei Jahren die Idee zu dem Projekt. Die Straftäter nutzen diese Chance zum Neuanfang unterschiedlich. Aber es gibt einen Ex-Knacki, bei dem das genauso funktioniert hat. Er spielt bis heute bei den Wassenberg Squirrels aktiv mit und hat den Schritt in ein normales Leben geschafft.

Andere Länder wollen das Projekt übernehmen

Gerade weil es kein Fußball oder Basketball ist, bei dem die Spieler sich körperlich nah kommen und schnell Rangeleien entstehen können, ist dieses Baseball-Projekt auch für andere europäische Haftanstalten interessant.

Vertreter aus der Türkei, Griechenland, Italien und Österreich haben sich das Training am Freitag angeschaut und sind beeindruckt von der Idee. Einige können sich vorstellen, diesen Sport in ihren Gefängnissen zu übernehmen. Ein Modell-Projekt aus der JVA Heinsberg, das Schule machen könnte.

Stand: 01.04.2019, 11:39

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