Margot Bäumerich aus Bergisch Gladbach

Nach Zugverweis - Bahn entschuldigt sich bei 87-Jähriger aus Bergisch Gladbach

Stand: 08.07.2022, 06:51 Uhr

Margot Bäumerich (87) aus Bergisch Gladbach musste in Leipzig den Zug verlassen, weil sie ihre Maske nicht finden konnte. Außerdem machte der Kontrolleur auch noch ihr Zugticket ungültig.

Von Anke Bruns

Für Margot Bäumerich (87) steht fest: "So darf man nicht mit alten Menschen umgehen." Man muss Respekt vor dem Alter haben, sagt sie. Alte Menschen sehen nicht gut, hören nicht gut. Und man vergesse auch schon mal, in welche Tasche man die Maske gestopft hat.

Die 87-jährige pensionierte Lehrerin aus Bergisch Gladbach ist immer noch sauer auf den Kontrolleur der Deutschen Bahn, der sie Ende Juni aus dem Zug geworfen hat. Auf dem Bahnsteig habe sie anschließend gezittert und geweint. Aus Wut über den Kontrolleur. Und aus Sorge, weil sie nicht wusste, wie sie jetzt nach Hause kommen soll. Denn der Kontrolleur hatte mit einem Kugelschreiber auf ihr Sparpreisticket geschrieben: "Ungültig – Fahrausschluss" Damit war das Ticket entwertet.

Keine Corona-Leugnerin

Margot Bäumerich war in Tschechien, um dort das Grab ihres Mannes zu besuchen. Hans-Josef Bäumerich ist 2020 auf dem Friedhof im tschechischen Lipová beigesetzt worden. Ein kleiner Ort in der Nähe der sächsischen Grenze. Margot Bäumerich ist hier aufgewachsen. Die beiden Eheleute hatten verabredet, sich hier eines Tages bestatten zu lassen.

Die 87-Jährige war noch nie alleine mit dem Zug von Bergisch Gladbach nach Tschechien gefahren. "Doch alles hat prima geklappt. Ich war so richtig stolz auf mich", erzählt sie. Aber weder in Tschechien, noch in Dresden habe sie eine Maske tragen müssen.

Deshalb hätte sie auf der Rückfahrt von Dresden nach Bergisch Gladbach schlicht vergessen, im Zug eine aufzusetzen, sagt sie. Sie sei vierfach geimpft und keine Corona-Leugnerin.

Kontrolleur:" Maske auf!"

Der Kontrolleur habe sie gleich zu Beginn in barschem Ton angeherrscht: "Maske auf!" Die Seniorin fängt an, ihr Gepäck zu durchsuchen. Sie weiß, dass sie drei Masken dabei hatte. Nur nicht, wo. Nach kurzer Zeit kommt der Kontrolleur wieder. Diesmal mit einer Drohung: "Wenn Sie die Maske nicht finden, steigen Sie in Leipzig aus." Margot Bäumerich sucht weiter. Mit ihren von Arthrose angeschwollenen Fingern durchwühlt sie ihr Gepäck, Tasche für Tasche. Sie findet die Masken nicht. Schließlich packt sie alle Sachen aus. Stück für Stück. Sie weiß, dass die Masken irgendwo sein müssen.  

Entwertetes Fahrticket von Margot Bäumerich

Entwerteter Fahrschein von Margot Bäumerich

Der Kontrolleur kommt ein drittes Mal zu ihr und setzt seine Drohung in die Tat um. In Leipzig muss die 87-jährige Rentnerin den Zug verlassen. Gegen ihren Willen. Allein mit ihrem Gepäck steht sie weinend am Bahnsteig und weiß nicht weiter. Nie hätte sie gedacht, dass ein Kontrolleur so etwas tun dürfe, sagt sie.

Kontrolleur hat Hausrecht

"Doch, er darf das", sagt Melanie Schliebener von der Schlichtungsstelle Nahverkehr. "Der Kontrolleur hat nämlich im Zug das Hausrecht. Und das darf er durchsetzen." Die Bahn schreibe vor, dass man in den Zügen einen Mund-Nasen-Schutz tragen müsse. Und wenn jemand das nicht tue, dürfe der Kontrolleur diese Person vor die Tür setzen. Das hier sei jedoch ein Einzelfall.

Bei der Schlichtungsstelle landen nur noch selten Konflikte, in denen Masken eine Rolle spielen und wo die Schlichter dann vermitteln müssten. Grundsätzlich haben sich wohl die meisten daran gewöhnt, in Bussen und Bahnen Masken zu tragen, so Melanie Schliebener.

Entschuldigung

Allerdings stellt sie sich hier in Frage, ob das Verhalten des Kontrolleurs wirklich angemessen war. Dieser Aspekt beschäftigt auch die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn. Eine Sprecherin erklärt hierzu: "Wir bedauern es sehr, dass die 87-jährige Reisende am 21.6.22 des Zuges verwiesen wurde und möchten uns dafür entschuldigen." Die Bahn versuche noch aufzuklären, was den Kontrolleur veranlasst habe, so zu handeln. "Das Bordpersonal der Deutschen Bahn nehme laufend an Schulungen und Deeskalationstrainings teil, um auch in schwierigen Situationen einen sensiblen Umgang mit Reisenden sicher zu stellen."

Die 87-Jährige Margot Bäumerich hat sich in ihrer Not auf dem Bahnhof in Leipzig an zwei Polizisten gewandt. Sie besorgten ihr ein neues Ticket, suchten eine Verbindung nach Bergisch Gladbach für sie heraus und brachten sie persönlich zum Zug. Dieses Mal hatte die Seniorin auch wieder eine Maske griffbereit zur Hand.

Spuren hinterlassen

Ein Mitarbeiter der Bahn hat sich mittlerweile auch persönlich bei ihr entschuldigt und einen 50-Euro-Gutschein angekündigt. Margot Bäumerich weiß aber noch nicht, was sie damit machen wird. "Ich glaube nicht, dass ich mich traue, nochmal so eine lange Strecke mit der Bahn zu fahren", sagt sie. Der Rauswurf hat bei ihr einige Spuren hinterlassen.

Über das Thema berichten wir in der Lokalzeit im WDR Fernsehen am 11.07.2022.