NRW-Autozulieferer in der Krise – auch ohne Coronavirus

Ford Mitarbeiter arbeiten am Fließband in der Endkontrolle an einem Fiesta

NRW-Autozulieferer in der Krise – auch ohne Coronavirus

  • Elektromobilität und Digitalisierung große Herausforderungen
  • Zulieferer fordern schnellen Ausbau der Lade-Infrastruktur
  • Angst vor Produktionsstopps durch Coronavirus

In der Velberter Werkshalle des Automobilzulieferers Walter Klein Wuppertal (WKW) formt eine meterhohe metallene Presse aus Aluminiumbarren silbern glänzende Zierleisten. Sie werden zum Beispiel an Stoßstangen oder Fenstern der Autos deutscher Premium-Hersteller wie Audi oder Mercedes angebracht. Doch zuletzt hat die Zahl der Zierleisten, die hier gepresst werden, abgenommen. Grund ist der Strukturwandel in der Autoindustrie.

Käufer sind nachhaltig verunsichert

"Die Krise ist da", sagt Unternehmenssprecherin Monika Kocks. "Wir spüren die nachhaltige Verunsicherung der Verbraucher, die sehr zurückhaltend sind." Viele Käufer warten mit der Neuanschaffung eines Autos ab, weil sich momentan nicht vorhersehen lässt, ob die Elektromobilität sich als Antriebstechnik durchsetzt oder etwa ein Diesel die sinnvollere Anschaffung ist. So wie WKW geht es laut Branchenverband Automotivland NRW vielen Zulieferern im Westen – die Belegschaften fürchten mittelfristig Kurzarbeit und Entlassungen.

Coronavirus gefährdet die Lieferkette

Dazu kommt: Einige Zuliefererbetriebe sind auf Lieferungen aus China angewiesen. Dort erschwert das Coronavirus die Produktionsbedingungen schon seit ein paar Wochen. Einzelne Automobilzulieferer mussten bereits die Produktion stoppen, weil der Nachschub aus China ausbleibt.

Doch eigentlich ist die Vorbereitung auf die elektromobile Zukunft die größte Herausforderung der Zulieferer. WKW in Wuppertal ist wie die meisten Firmen der Branche von Verbrennungsmotoren nicht direkt abhängig, trotzdem stellt der Trend zur Elektromobilität das Unternehmen vor Herausforderungen. Elektroautos zum Beispiel haben oft einen futuristischen Look, da passen Zierteile aus Aluminium nicht so gut. Außerdem haben Elektrofahrzeuge nur selten eine Dachreling, wie WKW sie ebenfalls herstellt.

Zulieferer gründen Innovationsabteilungen

Und so hat das Unternehmen eine Abteilung für Innovationen gegründet. Die Aluminiumteile könnten auch bald in Elektromotoren verbaut werden, und zwar als Befestigung für die Batterien. WKW-Sprecherin Monika Kocks: "Es werden nicht die Großen die Kleinen schlagen, sondern die Schnellen die Langsamen, heißt also der Mittelstand muss schnell werden, muss beweglich werden."

Die Autozulieferer sehen aber auch die Politik in der Pflicht. Sie müsse die Weichen stellen, um eine leistungsfähige Infrastruktur für Ladestationen zu entwickeln. "Wir dürfen nicht Gefahr laufen, dass diese Investition ins Leere läuft, weil der Verbraucher das Auto, das da kommt, vielleicht super findet, aber nicht kauft, weil er keine Idee hat, wo er es laden kann", sagt Stephan Vogelskamp vom Branchenverband Automotivland NRW.

Stand: 14.03.2020, 06:00