Missbrauch im Kölner Erzbistum - Papst gewährt Bischof Heße Auszeit

Stefan Heße, Hamburger Erzbischof und früherer Kölner Generalvikar

Missbrauch im Kölner Erzbistum - Papst gewährt Bischof Heße Auszeit

Von Frank Piotrowski

Der katholische Hamburger Erzbischof und frühere Kölner Generalvikar und Personalchef Stefan Heße bekommt eine Auszeit von Papst Franziskus gewährt. Er hatte ihn um Rücktritt gebeten.

Dies teilte das Hamburger Erzbistum mit. Damit reagiert der Vatikan ungewöhnlich schnell auf Heßes Rücktrittsgesuch an den Papst, wenn auch noch nicht mit einer endgültigen Entscheidung.

Vorwurf: Pflichtverletzungen im Umgang mit Verdachtsfällen

Dem 54-jährigen gebürtigen Kölner waren in der vorletzten Woche elf Pflichtverletzungen im Umgang mit Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt durch Priester oder Kirchenangestellte angelastet worden. Die Fälle betreffen die Zeit, als er im Kölner Erzbistum zur Kirchenführung gehörte.

Heße werden die meisten Pflichtverletzungen angelastet

Ein Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit sexuellem Missbrauch liegt auf einem Rednerpult.

Das Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit sexuellem Missbrauch

Der Hamburger Erzbischof ist von den noch lebenden und im Amt befindlichen hohen kirchlichen Würdenträgern derjenige, dem in dem von der Kirche veröffentlichten Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke die meisten Pflichtverletzungen angelastet werden.

Von 2006 bis 2011 soll Heße nach Medienberichten für die Bearbeitung von insgesamt 98 Verdachtsfällen von sexueller Gewalt durch Kleriker oder Kirchenangestellte verantwortlich gewesen sein.

Papst Franziskus will Zeit gewinnen

Lange Zeit hatte Heße Vorwürfe des Vertuschens zurückgewiesen. Mit Veröffentlichung des Gutachtens hatte er aber Verantwortung für persönliche Fehler und Fehler des "Systems Kirche" übernommen.

Papst Franziskus während einer Messe

Papst Franziskus während einer Messe

Der kirchenkritisch eingestellte Kirchenrechtler Prof. Thomas Schüller von der Universität Münster erwartet, dass Heße am Ende seiner Auszeit im Amt bleiben dürfe. Genauso wie die beiden Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff.

Der Papst habe mit der Auszeit für Heße jetzt erst einmal Zeit gewinnen wollen, sagte Schüller der Nachrichtenagentur dpa.

Zukunft des Hamburger Erzbischofs ist ungewiss

Wann mit einer endgültigen Entscheidung des Papstes zu rechnen ist, gilt als völlig offen. Laut dpa hieß es "aus informierten Kirchenkreisen", sei damit zu rechnen, dass sich nun ein "langwieriges Prüfverfahren anschließe, in dem sich der Vatikan die Akten kommen lasse und den Fall eingehend untersuche. Das könne sich über viele Wochen hinziehen."

Im Fall des als verschwenderisch kritisierten früheren Limburger Bischofs Tebartz-van Elst dauerte es fast ein halbes Jahr bevor Papst Franziskus nach einer Auszeit den Bischof endgültig aus Limburg verbannte. Seitdem arbeitet er als päpstlicher Gesandter in Rom. Auch Stefan Heße weiß offenbar nicht, was ihn erwartet.

"Ich habe keinen Plan B in der Tasche"

Den Gemeinden des Hamburger Erzbistums schrieb er: "Ich weiß heute nicht, wie mein Weg als Mensch, als Christ und als Seelsorger nun weitergehen wird. Ich habe keinen Plan B in der Tasche."

Selbst für den Fall, dass Stefan Heße seine Aufgabe als Hamburger Erzbischof nicht mehr aufnehmen wird, gilt seine Versorgung in der katholischen Kirche als sicher. Während der Auszeit für Heße wird in Hamburg der dortige Generalvikar Ansgar Thim vorübergehend die Verwaltung übernehmen.

Stand: 29.03.2021, 20:35