Ein Braunkohlebagger trägt im Tagebau Hambach  Erdreich ab

Kohleausstieg 2030 – eine Herausforderung fürs Rheinische Revier

Stand: 10.02.2022, 21:22 Uhr

Das Rheinische Braunkohlerevier steht vor immensen Herausforderungen, wenn Deutschland acht Jahre früher als bisher geplant aus der Braunkohle aussteigt.

Von Thomas Wenkert

Der Ausstieg 2030 ist zwar noch nicht beschlossen, aber vieles deutet daraufhin. Das frühere "Aus" ist sowohl das Ziel der neuen Bundesregierung als auch der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Doch zehntausende Job sind im Rheinland von der Braunkohle direkt und indirekt abhängig.

 Angst um Wirtschaftskraft

Noch arbeiten rund 10.000 Frauen und Männer in den drei Tagebauen und Kraftwerken des Reviers. Rund 20.000 Beschäftigte in den Zulieferbetrieben leben ebenfalls von der Kohle. Für diese Menschen müssen neue Jobs geschaffen werden, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt Düren, Thomas Hissel. Die Angst sei groß, dass so schnell keine neuen Jobs geschaffen werden können. Die Arbeitslosigkeit würde deutlich ansteigen. Auch die Wirtschaftskraft in Milliardenhöhe drohe einzubrechen. Ein düsteres Bild: "Die versprochene Strukturhilfe für das Revier in Höhe von knapp 15 Milliarden Euro ist knapp bemessen. Das Geld wird mehr nachgefragt als vorhanden ist", erklärt Hissel. Auch deshalb haben die Braunkohle-Kommunen Ende des vergangenen Jahres ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet.

 Schnellerer Strukturwandel

Grundsätzlich begrüßen die Unterzeichner – neben den Kommunen auch Gewerkschaften und die Industrie- und Handelskammern – eine Beschleunigung des Kohleausstiegs, gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels. Aber auch die Sorgen werden deutlich. So heißt es in dem Papier: "In den betroffenen Gebieten werden in den nächsten Jahren zehntausende Menschen ihre sichere und gute Arbeit, Familien ihr Einkommen und der Wirtschaftskreislauf die damit verbundene Kaufkraft real verlieren."

Neue Jobs müssen her

Es wird vor einem so genannten Strukturbruch gewarnt. Auch, weil das Rheinische Revier zu den Standorten mit dem höchsten Anteil energieintensiver Betriebe in ganz Deutschland gehört – hier arbeiten rund 50.000 Menschen. Um neue Jobs zu schaffen in den kommenden acht Jahren fordern die Unterzeichner der Resolution unter anderem mehr Geld und Sonderplanungszonen. Im Klartext: Die Ansiedlung von neuen Gewerbe- und Industriegebieten müsse beschleunigt werden. Bisher dauern solche Planungen im Durchschnitt zehn Jahre.

Umdenken gefordert

Eine andere Position vertreten im Hinblick auf den Strukturwandel im Rheinischen Revier die zahlreichen Bündnisse und Initiativen, die seit Jahren für einen schnelleren Kohleausstieg kämpfen. Sie fordern den Ausbau der erneuerbaren Energien, aber auch ein Umdenken der Gesellschaft. Stichwort ist hier Nachhaltigkeit: Sie fordern die Ansiedlung einer klimafreundlichen Industrie sowie eine klimafreundlichere Landwirtschaft.

Stadtgespräch aus Aachen: Kohle-Ausstieg 2030

WDR 5 Stadtgespräch 10.02.2022 55:54 Min. Verfügbar bis 10.02.2023 WDR 5


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Um dieses Thema ging es am Donnerstag, 10. Februar 2022, im WDR 5-Stadtgespräch, 20.04 – 21.00 Uhr: "Kohle-Ausstieg schon 2030 – Kann das Rheinische Revier das stemmen?"