Der Makler führt durch den Eingangsbereich des Bunkers

Xanten: Atomschutzbunker für 1,6 Mio Euro zum Verkauf

Stand: 16.09.2022, 17:16 Uhr

In Xanten steht aktuell ein ehemaliger Atomschutzbunker zum Verkauf. Die Anlage erstreckt sich über 850 Quadratmeter. Der Besitzer verlangt auf einem Kleinanzeigenportal 1,6 Millionen Euro.

Es ist ein unscheinbares Waldstück in der Nähe von Xanten. Zwischen den Bäumen, in der Nähe einer Lichtung, führt eine Treppe hinab. Rund 20 Stufen, dann steht man vor einer massiven Stahltür. Sie führt in den Vorraum der Bunkeranlage. Dahinter: Ein weiteres Treppenhaus und schließlich 12 Meter unter der Erde eine weitere Tür - der Eingang in eine geheimnisvolle Welt der Vergangenheit.

Alte Fernmeldetechnik im Atomschutzbunker

Alte Fernmeldetechnik im Atomschutzbunker

Makler Daniel Philipps führt durch ein Labyrint aus dunklen Gängen, Maschinenräumen und Sanitäranlagen. Kabel und Rohre führen kalten Wänden entlang - die grau gestrichene Stahlbetondecke ist vier Meter dick.

Im Kalten Krieg: Fernmelde-Knotenpunkt der Bundeswehr

Xantener Atomschutzbunker: Fritz Bongardt im Maschinenraum

Xantener Atomschutzbunker: Fritz Bongardt im Maschinenraum

Der Bunker stammt aus Zeiten des Kalten Krieges. Gebaut wurde er 1967, als „Knotenpunkt im Fernmeldenetz der Bundeswehr“, so Fritz Bongardt. Der Rentner hat jahrzehntelang in dem Bunker gearbeitet und ist heute erstmals seit 20 Jahren wieder hier unten. "Ein bisschen Emotion ist schon da", sagt er mit gebrochener Stimme und erzählt von seinen Erinnerungen an den Arbeitsalltag im Bunker.

Fernmeldespezialisten organisierten hier die Kommunikation zwischen Bundeswehreinheiten per Telefon und Telegramm. "Alles, was telefonisch von den Soldaten gebraucht wurde, ging über handvermittelte Leitungen", erzählt Bongart. Er selbst war für die Belüftungstechnik zuständig. Um die Jahrtausendwende wurde die Anlage stillgelegt – einen Krieg hat sie bislang nicht erlebt.

Ausstattung muss saniert werden

Im Internet bewirbt der Besitzer die Anlage als "höchst sicherer Zufluchtsort". Sie halte "den Herausforderungen zum Schutz einer Familie unter extremsten Bedingungen" stand. Der Bunker sei "so ausgelegt, dass wenn ein Atomangriff stattfinden sollte, Leute, die sich in diesem Bunker befinden nicht um ihr Leben fürchten müssen", erklärt Makler Daniel Philipps.

Tatsächlich müssten die Käufer hier allerdings noch viel Arbeit investieren. Maschinenräume, Schaltschränke, Lüftungsrohre - alles ist in die Jahre gekommen. "Viele der Anlagen müssten überholt und überprüft werden, da auch die elektrischen Verbindungen gekappt wurden", heißt es im Verkaufsangebot. Die Anlage gelte als sanierungsbedürftig. Interessenten gebe es dennoch, so Makler Daniel Philipps.

Über dieses Thema berichten wir am 16.09.2022 in der WDR Lokalzeit aus Duisburg, sowie in den WDR2-Nachrichten

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