Der Atommüll könnte noch länger in Jülich bleiben

Castor-Behälter stehen im Forschungszentrum (FZ) Jülich

Der Atommüll könnte noch länger in Jülich bleiben

Von Helga Hermanns

  • Neue Expertise zur Erdbebensicherheit
  • Lager könnte bis 2030 weiter betrieben werden
  • Vorbereitungen für Neubau angelaufen
  • Atommüll-Transport nach Ahaus oder in die USA nicht ausgeschlossen
  • Stellungnahme des Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung

Der hochradioaktiv strahlende Atommüll aus dem Jülicher Versuchsreaktor lagert seit 2013 ungenehmigt in einem Zwischenlager in Jülich.

Stellungnahme des Bundesamtes

Zum Stand der Verfahren nimmt die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), wie folgt Stellung:

"Die Bewertung, ob die Aufbewahrung am Standort Jülich genehmigungsfähig ist, kann erst nach Abschluss der Prüfung aller Sicherheitsnachweise erfolgen, die die JEN mbH im Genehmigungsverfahren vorzulegen hat. Der Nachweis zur Erdbebensicherheit ist dabei lediglich einer von zahlreichen sicherheitstechnisch maßgeblichen Prüfaspekten. Die Tatsache, dass der Betreiber am 10.10.2019 überraschend die beantragte Aufbewahrungsdauer von 3 auf 9 Jahre veränderte, wirft darüber hinaus grundsätzliche Fragen im Genehmigungsverfahren auf. Insbesondere ist zu prüfen, ob damit eine Umgehung der Verpflichtung zur Durchführung einer formellen Öffentlichkeitsbeteiligung vorliegt – diese würde nämlich bei einer beantragten Aufbewahrungsdauer von mehr als zehn Jahren zwingend sein."

152 Castorfässer gelagert

152 Castorfässer mit hochradioaktiv strahlenden Brennelementkugeln stehen in dem Zwischenlager, dessen Genehmigung seit 2013 ausgelaufen ist. Inzwischen wurde die Lagerhalle technisch nachgerüstet. Auch wurden entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet, etwa gegen Terrorangriffe. Doch es blieb ein großes Problem: ein mögliches Erdbeben.

Experten: Bodenplatte bei Erdbeben stabil

Bei einem starken Erdbeben könnte der Boden unter dem Lager in Bewegung geraten; es könnten sich Hohlräume unter der Beton-Bodenplatte bilden. Experten gehen nach erneuten Berechnungen aber jetzt davon aus, dass die Bodenplatte trotz solcher Hohlräume stabil bleibt und die darauf stehenden Fässer nicht in den Untergrund stürzen.

Verlängerung um neun Jahre?

Diese neue Expertise ist Grundlage für Pläne der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), eine Verlängerung für die Einlagerung des Atommülls um neun Jahre zu beantragen - ab Antragsgenehmigung. Würde also beispielsweise die Genehmigung 2021 erteilt, könnte das alte Zwischenlager bis 2030 genutzt werden. Bis dahin ist es möglich, ein neues Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich zu errichten.

Neubau eines Zwischenlagers in Vorbereitung

Die Vorbereitungen für einen solchen Neubau laufen bereits. Nachdem ein Grundstück gefunden wurde, wird aktuell eine Umweltverträglichkeitsprüfung über den Tier- und Pflanzenbestand erstellt. Später würden dann Bodenbohrungen stattfinden, um genaue Kenntnisse über den Untergrund zu bekommen. Erst dann kann entsprechend den aktuellen technischen Anforderungen ein Gebäude geplant werden. Bis das neue Zwischenlager fertig wäre, könnten zehn Jahre vergehen.

Alternativen werden weiterverfolgt

Die alternativen Möglichkeiten zur Entsorgung des Atommülls werden derweil weiterverfolgt. Dabei handelt es sich entweder um einen Transport der Brennelement-Kugeln in die USA oder in das Zwischenlager Ahaus im Münsterland. Die Stadt Ahaus hat allerdings gegen die Einlagerung des Atommülls aus Jülich geklagt. Das Ergebnis steht noch aus.

Stand: 17.04.2020, 08:29