Corona-Studie: Jeder fünfte Patient im Krankenhaus stirbt

Mikroskop-Aufnahme des Viruses

Corona-Studie: Jeder fünfte Patient im Krankenhaus stirbt

Von Stephan Pesch

  • Erste Untersuchung zum Behandlungsverlauf im Krankenhaus
  • Jeder fünfte COVID-19-Patient verstorben
  • Risikogruppe Mann

Das wissenschaftliche Institut der AOK hat erstmals den abgeschlossenen Behandlungsverlauf von Versicherten untersuchen lassen, die aufgrund einer Corona Infektion ins Krankenhaus mussten. Alle Patienten sind mittlerweile entweder wieder entlassen worden oder verstorben. Die Studie, an der auch die Lungenklinik Köln-Merheim beteiligt war, ist jetzt im weltweit renommierten Ärztefachblatt "THE LANCET" veröffentlicht worden.

Ein Arzt bedient eine Beatmungsmaschine auf einer Intensivstation.

Grundlage der Corona Studie sind die medizinischen Daten von bundesweit 10.000 AOK-Versicherten, die von Ende Februar bis Mitte April in einem deutschen Krankenhaus stationär aufgenommen wurden. Die Auswertung der Krankenkasse ergab, dass jeder fünfte Corona-Patient verstarb. Besonders betroffen war die Gruppe der Patienten, die künstlich beatmet werden mussten.  Das waren insgesamt 1700 Männer und Frauen, so die Studie. Die Forscher fanden heraus, dass die Hälfte aller Männer und Frauen, die im Krankenhaus künstlich beatmet werden mussten, die Infektion nicht überlebt haben.

Mehr Senioren unter den Corona-Toten

Die höchsten Sterblichkeitsraten bei Patienten, die beatmet werden mussten, waren in der Altersgruppen ab 70 Jahren zu finden. Bei Patienten ohne Beatmung war die Sterblichkeit deutlich geringer, erreichte aber dennoch 16 Prozent. Der Tod von gut einem Fünftel aller Corona Patienten mache aber deutlich, dass in den Kliniken relativ viele Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf behandelt wurden, erläutert Jürgen Klauber, Geschäftsführer des wissenschaftlichen Dienstes der AOK. "Diese schweren Verläufe betreffen eher ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen. Sie kommen aber auch bei jüngeren Patienten vor."

Risikogruppe "Mann"

In einem Labor werden Behälter mit einer Pipette befüllt.

Interessante Ergebnisse liefert die neue Corona Studie auch bei der Verteilung zwischen den Geschlechtern. Der Anteil der beatmeten Männer lag bei 22 Prozent und war damit doppelt so hoch, wie bei den Frauen. Aus den Abrechnungsdaten lasse sich dieser deutliche Unterschied nicht erklären. Hier bestehe weiter Forschungsbedarf, erläutert Christian Karagiannidis von der Lungenklinik Köln-Merheim. Die Klinik war zusammen mit der Technischen Universität Berlin sowie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, DIVI, an der Studie beteiligt. Die Sterblichkeit bei Männern und Frauen lag hingegen auf einem vergleichbaren Niveau.

Coronastudie in Fachzeitschrift

Nach Einschätzung der AOK ist die Untersuchung die bislang umfassendste Studie zu Covid-19 Patienten in deutschen Krankenhäusern. Die Stichprobe von AOK-Versicherten entspricht circa einem Drittel der Gesamtbevölkerung und weißt eine repräsentative Alters- und Geschlechtsstruktur aus, so die Krankenkasse. Viele der bislang international veröffentlichten Studien mit großer Datenbasis würden Patienten mit einbeziehen, die noch im Krankenhaus liegen würden, heißt es.  So sei beispielsweise die Dauer des Krankenhausaufenthaltes, die Beatmung und auch die Sterblichkeit noch nicht genau bestimmbar. Deshalb hoffen die AOK sowie die an der Studie beteiligten Forscher auf internationale Aufmerksamkeit. Mittlerweile sind ihre Untersuchungsergebnisse in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht worden

Stand: 29.07.2020, 07:37