Rund 300 Menschen sind zur Bürgerversammlung zum Karnevals-Chaos im Zülpicher Viertel gekommen

Köln: Kampf gegen Randale und Dreck im Kwartier Latäng

Stand: 22.03.2022, 11:13 Uhr

Auf einer Bürgerversammlung haben Bewohner des Kölner Studentenviertels Kwartier Latäng am Montagabend ein härteres Vorgehen gegen Randalierer, Wildpinkler und gegen die Verschmutzung des Viertels gefordert.

Von Oliver Köhler

"Wir wollen unser Veedel zurück, wir wollen unseren Kneipenkarneval zurück!" Darin waren sich die mehr als 300 Anwohner am Abend in der Herz-Jesu-Kirche einig. "Wir fühlen uns von Stadt und Polizei mit den Problemen hier allein gelassen", sagte ein Anwohner während der Diskussion in der Kirche.

Festkomitee sichert Unterstützung zu

Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, sagte den Menschen im Quartier seine Hilfe zu. Was im Kwartier Latäng passiere, habe mit Karneval nichts zu tun. Es mache ihm Angst, dass der 11.11. in den kommenden Sessionen auf Wochenenden fällt, sagte Kuckelkorn. Es stehe zu befürchten, dass die Lage sich weiter zuspitze.

Anwohner schlagen vor, die Party-Chaoten mit Alkoholverkaufsverboten in Kiosken, mit dem Aus für die Feiermeilen im Grüngürtel und mit schärferen Kontrollen aus dem Viertel zu vertreiben.

"Karneval muss im Viertel künftig von einem Veranstalter organisiert werden. Der habe dann das Hausrecht und könne auch mit Sicherheitskräften gegen Leute vorgehen, die sich nicht an Regeln halten", sagte Kathrin Herzog von der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz. 

Chaos an jedem Wochenende

Erbrochenes auf den Bürgersteigen, Urinlachen, Döner-Reste in Hauseingängen, Müll auf Gehwegen und Straßen – für viele ist das an Wochenenden inzwischen der "Normalzustand".

"Das geht eigentlich schon alles gar nicht", sagt Elena Thielsch, die mit Mann und Kindern im Kwartier Latäng lebt. "Aber im Vergleich zu Karneval ist das nichts."

Pinkeln gegen Hauswände

Neben ihrem Hauseingang stehen von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch Batterien von mobilen Toiletten. "Die reichen aber nicht aus. Deshalb hocken sich die Leute im Schutz der Klos auf den Bürgersteig und kacken da hin. Die Männer pinkeln an die Hauswand", berichtet Elena Thielsch.

Wenn ich dann lese, das Ordnungsamt hat zu Karneval 90 Wildpinkler erwischt, könnte ich laut loslachen, wenn es nicht so traurig wäre. Elena Thielsch, Anwohnerin

An der Hauswand stünden ständig Pinkler. "Hier könnte man an einem Nachmittag 90 Wildpinkler auf frischer Tat erwischen. Aber es kommt niemand her, um Knöllchen zu verteilen".

Schmutz und Zerstörung

Nur ein paar Meter entfernt: ein mit hunderten Schmierereien verschmutzter Hauseingang. "Hier hat das Partyvolk an Weiberfastnacht die Tür mit Gewalt aufgerückt und dann im gesamten Haus und im Hof wüst gefeiert. Das gesamte Haus war verschmutzt, der Hof vollgepinkelt, der Aufzug musste neu programmiert werden", erzählt Elena Thielsch. "Die Polizei konnte aber niemanden erwischen."

Partyvolk hat keinen Respekt

Elena Thielsch führt uns vorbei an eingeschlagenen Scheiben, verbogenen Fahrrädern, Haustüren, die vom Urin zerfressen sind. Sie ist im Zülpicher Viertel aufgewachsen. Feiern, gemeinsam Spaß haben, das gehört auch für Sie zum Leben. "Hier kommen aber Leute her, die keinen Respekt für andere haben. Für die ist das Viertel nur eine Kulisse, vor der sie die Sau rauslassen."

Stadt versagt bei den Kontrollen

Die Stadt müsse endlich dafür sorgen, dass die Anwohner sicher leben können. "Es kann nicht sein, dass wir unsere Rechte verlieren, weil die Stadt das Zülpicher Viertel zur Partymeile macht", sagt Elena Thielsch. Die Stadt habe die Probleme noch verschärft, weil sie direkt nebenan auf den Uniwiesen auch noch Partyzonen eingerichtet habe, DJ und Bands engagiere. Das Viertel ist unter Kids inzwischen bundesweit als Karnevals-Ballermann bekannt. 

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