Richterin im Thermomix-Prozess: "Produktzyklen gehen Verbraucher erstmal nichts an"

Neue Runde im Thermomix-Prozess Lokalzeit Bergisches Land 27.02.2020 02:18 Min. Verfügbar bis 27.02.2021 WDR Von Wolfram Lumpe

Richterin im Thermomix-Prozess: "Produktzyklen gehen Verbraucher erstmal nichts an"

Von Wolfram Lumpe

  • Kein Urteil im Thermomix-Prozess vor Wuppertaler Amtsgericht
  • Käuferin klagte, weil sie nicht über neues Modell informiert war
  • Richterin: Produktzyklus geht Verbraucher erstmal nichts an

Der Prozess um die Küchenmaschine Thermomix vor dem Wuppertaler Amtsgericht ist am Donnerstag (27.02.2020) ohne Urteil zu Ende gegangen. Eine Bonner Thermomix Käuferin hatte gegen den Wuppertaler Hersteller Vorwerk geklagt. Sie hatte ihre Küchenmaschine im Januar 2018 gekauft. Im März wurde das Nachfolgemodel, der TM6 angekündigt. Daraufhin verlangte sie von Vorwerk die Rückabwicklung des Kaufvertrags für das Vorgängermodel.

Anwalt: Vorwerk versteckt sich hinter Handelsvertretern

Ihr Anwalt Roosbeh Karimi war eigens zum Prozess aus Berlin nach Wuppertal gereist. Das Erscheinen eines Nachfolgemodels kurz nach dem Kauf sei nicht schön für die Kunden, sagte er dem WDR. Das werfe er Vorwerk auch nicht vor. Der zentrale Punkt sei der Vertrieb über Handelsvertreter. Das ist "als sei Vorwerk bei mir im Wohnzimmer“, sagte Karimi.

Klägerin: Repräsentantin nannte Produktzyklus von zehn Jahren

Die Vorwerk-Repräsentantin habe ihr Verkaufsgespräch einen Produktzyklus von zehn Jahren genannt, sagte die Klägerin im Prozess. "Dann muss ich als Verbraucher nicht damit rechnen, dass im März ein neues Model kommt“, sagte ihr Anwalt Roosbeh Karimi. Vorwerk hätte sagen müssen: "Sie müssen jederzeit mit einem neuen Gerät rechnen".

Richterin: Produktzyklus geht Verbraucher erst einmal nichts an

Die Richterin des Wuppertaler Amtsgerichts sagte in ihrer Zusammenfassung, der Produktzyklus in einem Unternehmen gehe den Verbraucher "erst einmal gar nichts an." Die Vorwerk-Repräsentantin habe im Verkaufsgespräch durch Formulierungen wie "ich weiß es nicht" ihre eigene Unsicherheit zum Ausdruck gebracht. Sie könne darin keine vorsätzliche Täuschung sehen. Wenn die Klägerin es genau wissen wolle, hätte sie sich direkt bei Vorwerk melden müssen.

Urteilsverkündung im März

Rechtsanwalt Roosbeh Karimi vor der Kamera

Rechtsanwalt Roosbeh Karimi

Am 19. März 2020 soll das Urteil vom Wuppertaler Amtsgericht verkündet werden. Es gab bereits mehrere ähnlich gelagerte Fälle, die vor Gericht verhandelt wurden. Meist urteilten die Richter zugunsten des Herstellers Vorwerk. In einem anderen Prozess gegen das Unternehmen hatte Roosbeh Karimi einen Vergleich erzielt.

Stand: 27.02.2020, 16:08

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