Solinger Schüler in Afghanistan: Auswärtiges Amt kennt die Gefahr

Junge sitzt auf dem Boden.

Solinger Schüler in Afghanistan: Auswärtiges Amt kennt die Gefahr

Die Belegschaft einer Solinger Gesamtschule hat Angst um einen Schüler, der in Afghanistan festsitzt. Das Auswärtige Amt kennt die gefährliche Situation des Jugendlichen.

Ein Solinger Schüler versteckt sich im afghanischen Kandahar. Er befindet sich in großer Gefahr. Nachdem der WDR über den Fall berichtet hat, haben Politiker das Auswärtige Amt eingeschaltet. Ein Sprecher bestätigte dem WDR, dass der Behörde die gefährliche Situtation des Schülers bekannt sei. Auch ohne die Evakuierungsflüge durch die Bundeswehr wolle Deutschland möglichst viele Schutzbedürftige aus Afghanistan retten. Das gelte auch für den Jugendlichen aus Solingen. Die Behörde hat auf ihrer Internetseite Informationen für die Ausreise aus Afghanistan bereitgestellt.

Angst vor den Taliban

Lehrerin Suse Pless Gesamt Alexander-Coppel-Gesamtschule

Der Schüler der Alexander-Coppel-Gesamtschule in Solingen hatte trotz größter Angst vor den Taliban in den Sommerferien mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern die Familie in Kandahar besucht. Der Rückflug war für den 3. August gebucht. Doch dann erkrankte seine Mutter an Corona. Der Schüler sitzt in Kandahar fest, 500 Kilometer von Kabul entfernt - und in Solingen ist die Sorge um ihn riesig. Bereits 2015 war der Schüler mit seiner Familie nach Deutschland geflohen.

Banges Warten auf Nachrichten

Whatsappnachrichten an den Jungen

Lehrerin Suse Pless hält bislang per WhatsApp Kontakt zu ihrem Schüler. Wenn er nicht reagiert, beginnt das bange Warten. "Wenn ich Glück habe, meldet er sich ja, also er hat die anderen Sachen noch gelesen, das kann ich ja erkennen, das ist durchgegangen." Ihre Sorge ist berechtigt. Denn der Jugendliche saß zuletzt in Kandahar fest, einer Hochburg der Taliban.

WhatsApp: "Ich habe nur nachts Internet"

Dann endlich trifft eine Nachricht von dem Schüler ein: "Hallo, Frau Pless. Ich bin seit Tagen von einem Ort zum anderen unterwegs. Dort hatte ich, wenn auch nur nachts, Internet." Wo er unterwegs ist, schreibt der Schüler nicht, auch nicht, ob er versucht, von Kandahar Richtung Kabul zu kommen. Suse Pless ist froh darüber. Sie befürchtet, dass ihre Korrespondenz über WhatsApp mitgelesen werden könnte. Sie hält es für sehr wahrscheinlich, dass ihr Schüler auch auf der Liste derer steht, die von den Taliban gesucht werden: "Die haben nach dem Cousin gefragt, der in Kabul bei ner NGO als Journalist gearbeitet hat. Also der sitzt in Kandahar, mitten in der Hochburg der Taliban, da wird der Cousin jetzt schon gesucht, man kann sich vorstellen, wenn sie den Cousin nicht finden, werden die mal einen Ersatz dafür nehmen."

Mit ihren Kollegen versucht Suse Pless alles, um den Schüler in Afghanistan zu unterstützen.

Auswärtiges Amt kennt den Fall

Explosion am Flughafen in Kabul

Aufgrund der Berichterstattung des WDR haben mehrere Politiker verschiedener Parteien angeboten, den Schüler bei der gefährlichen Ausreise aus Afghanistan bei der Ausreise zu unterstützen. Sie haben das Auswärtige Amt eingeschaltet.

Flucht ins Nachbarland

Nach dem Terroranschlag des IS am Flughafen von Kabul mit Dutzenden Toten und Verletzten, schwindet für den Solinger Schüler jegliche Hoffnung auf einen Rückflug. Für ihn bleibt offenbar nur noch die Chance, über die Grenze nach Pakistan zu fliehen. Die Deutsche Botschaft in Afghanistan ist wegen der gefährlichen Lage seit Mitte August geschlossen. "Die Botschaften in den Nachbarländern Afghanistans leisten Hilfe ab der Grenze", verspricht das Auswärtige Amt auf seiner Homepage. Doch die Grenze nach Pakistan ist mehr als 100 Kilometer von Kandahar entfernt und der Weg dorthin ist für den Schüler aus Solingen sehr gefährlich.

Stand: 28.08.2021, 21:45