Nach Messerangriff auf Stadt-Mitarbeiter: Kollegen nehmen Arbeit wieder auf

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Nach Messerangriff auf Stadt-Mitarbeiter: Kollegen nehmen Arbeit wieder auf

Von Jochen Hilgers und Markus Schmitz

  • Tödlicher Angriff auf Mitarbeiter der Stadt Köln
  • Verdächtiger in psychiatrischem Krankenhaus
  • Vollstreckungsmitarbeiter arbeiten wieder

Die städtischen Vollstreckungsbeamten in Köln nehmen am Dienstag (17.12.2019) ihre Arbeit wieder auf. Das sei gemeinsam so besprochen, erklärte die Stadt. Allerdings könne jeder selbst entscheiden, ob er oder sie sich dazu in der Lage fühlt, denn erst am Freitag (13.12.2019) war ihr Kollege durch einen Messerangriff getötet worden. Morgen sind dann alle Beschäftigten der Stadt um 12:00 Uhr zu einer Gedenkminute aufgerufen.

Vollzieher wurde im Dienst getötet

Der Verdächtige hatte am Freitagvormittag einen 47-jährigen städtischen Mitarbeiter in Köln-Dünnwald im Dienst getötet, der in der Vollstreckungsabteilung der städtischen Kämmerei arbeitete. Offenbar sollte der Mitarbeiter mit einer Kollegin offene Forderungen der Stadt eintreiben. Der Angreifer ist in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden.

Der Vorfall ereignete sich gegen 10.45 Uhr. Nach ersten Meldungen der Polizei klingelten die städtischen Mitarbeiter in einem Mehrfamilienhaus an der Tür eines Mannes. Als dieser öffnete, stach er unvermittelt mit einem Messer auf den Mann ein, heißt es von der Polizei. Dabei wurde der städtische Mitarbeiter schwer verletzt. Ein Notarzt versuchte vergeblich, ihn vor Ort zu reanimieren. Die Kollegin kam mit einem Schock ins Krankenhaus.

Verdächtiger offenbar psychisch krank

Der Mann ist vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Sonntag (15.12.2019) mit. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen sei davon auszugehen, "dass sich die Tat aufgrund einer psychischen Erkrankung ereignet hat," so die Behörden.

Angreifer wohl schon zuvor aufgefallen

Nach WDR-Informationen fiel der mutmaßliche Täter möglicherweise schon vor einigen Monaten durch einen Angriff auf eine andere städtische Mitarbeiterin auf. Dabei hatte der 60-jährige Wohnungsinhaber die Frau mit einem Schraubendreher angegriffen und verletzt. Die Polizei musste ihn damals fixieren. Der Vorfall ereignete sich in demselben Haus in Köln-Dünnwald.

Eine Spurensicherung am Tatort in Köln

Spurensicherung nach Messerangriff in Köln-Dünnwald

Dennoch gingen beide Mitarbeiter jetzt offenbar ohne Schutz durch Sicherheitskräfte oder Polizei in den Einsatz. Auf die Nachfrage, weshalb keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen für die Mitarbeiter getroffen wurden, wollte sich die Stadt nicht äußern. Nach ersten Informationen gelang es der Kollegin des Opfers die Polizei zu alarmieren. Beamte überwältigten den mutmaßlichen Täter dann.

Oberbürgermeisterin sichert Unterstützung zu

Oberbürgermeisterin Henriette Reker äußerte ihre Betroffenheit: "Als Stadt werden wir alles dafür tun, dass sich unsere Mitarbeitenden noch sicherer fühlen können - daher werden wir uns gründlich anschauen, was wir noch mehr tun können, auch wenn wir wissen, dass es eine absolute Sicherheit nie geben wird."

Reker sicherte den Mitarbeitern der Kämmerei psychologische Unterstützung zu. Sie seien alle bestürzt und niedergeschmettert. "Es ist schon so, dass in solchen Situationen auch eigene Erlebnisse zurückkommen", sagt Reker, die einen Tag vor der OB-Wahl 2015 bei einem Messerattentat schwer verletzt worden war. "Wahrscheinlich wird man das auch nie ganz verdrängen können."

Politiker kritisieren "Verrohung der Gesellschaft"

Nicht nur in der Domstadt ist die Bestürzung über die Tat groß. Politiker und Gewerkschaftsvertreter beklagen eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft und mangelnden Respekt. "Ich glaube, wir brauchen in unserer Gesellschaft dringend eine Debatte über Respekt gegenüber Amtsträgern", mahnte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU). "Die zunehmende Gewalt gegenüber diesen Menschen, die im Auftrag der Allgemeinheit unterwegs sind, bereitet mir wirklich Sorge." Und auch der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds NRW, Roland Staude, teilte mit: Die Tat zeige, dass die Hemmschwelle für Gewalt gegen staatliche Beschäftigte immer weiter sinke.

Stand: 17.12.2019, 15:50