Ärger mit Amazon: Gericht weist Klage zurück

Ärger mit Amazon: Gericht weist Klage zurück

  • Solinger hat Ärger mit Versandhändler Amazon
  • Lieferung von Paketen, die er nicht bestellt hat
  • Amtsgericht weist Klage zurück

Christopher Abraham streitet sich mit dem Online-Versandhändler Amazon. Der Solinger hat immer wieder Pakete bekommen, obwohl er sie gar nicht bestellt hatte. Bezahlen muss er die Lieferungen zwar nicht - aber weder will er die Schutzhüllen fürs Handy noch die Baby-Trage oder das Sex-Spielzeug. Doch was steckt hinter den ungewollten Warenlieferungen?

Knapp ein Dutzend Pakete

Beim ersten Mal vermutete Christopher Abraham noch einen Bestellfehler. Er schickte das Paket zurück, nichts ahnend, dass in den nächsten Monaten knapp ein Dutzend Pakete folgen sollten. Wo sie herkamen, ist für ihn klar: von Amazon. Die Versandaufkleber und die Kartons mit dem unverkennbaren Logo sind eindeutig.

Der Solinger wandte sich deshalb an den Amazon-Kundendienst. Der nahm seine Bitte entgegen, doch die Lieferungen hörten nicht auf. Christopher Abraham bekam weiterhin Waren, die er nicht bestellt hatte. Dafür hatte er mehr mit seinen Nachbarn zu tun: Die nahmen die Pakete häufig an, wenn er bei der Arbeit war.

Rechtsanwalt eingeschaltet

Um das Problem endlich zu lösen, hat Christopher Abraham einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Ralf Engel, nicht nur Jurist, sondern auch Geschäftsführer beim Handelsverband NRW, bewertet die nicht bestellten Pakete als unnötige Störung des privaten Umfeldes. Er hat Amazon deshalb aufgefordert, weitere unverlangte Warenlieferungen zu unterlassen. Einen ersten Termin vor dem Amtsgericht Solingen gab es am vergangenen Mittwoch (16.01.2019).

Ein Paket von Amazon

Eine Woche später haben die Richter die Klage abgewiesen. Das Gericht sah keinen Grund für eine einstweilige Verfügung gegen Amazon. Die hatte Christopher Abraham gefordert, um weitere Paketsendungen zu verhindern. Der Solinger will gegen die Entscheidung des Gerichts in Berufung gehen.

Ausnahmefall laut Amazon

Auf WDR-Anfrage betont Amazon, dass es selbst keinerlei Waren verschickt habe und bedauert die Lieferungen. Stattdessen hätten Unbekannte offenbar über den Amazon Marketplace, ein Schwesterunternehmen, Waren von Drittanbietern an den Solinger verschickt und mit Gutscheinkarten bezahlt.

Amazon spricht von Ausnahmefällen, wenn Kunden nicht bestellte Pakete bekommen. Warum das geschehe, darüber lasse sich nur spekulieren. WDR-Recherchen ergaben, dass Verkäufer teilweise Bestellungen fingieren und ihre Waren an unbeteiligte Dritte senden, um damit im Amazon-Verkaufs-Ranking nach oben zu klettern.

Waren einfach entsorgen?

In einer knappen schriftlichen Stellungnahme teilte Amazon mit, dass man jedem Hinweis von Kunden nachgehe, die unaufgefordert Pakete erhalten. Ungewollte Warensendungen zu erkennen und auszusortieren, sei technisch allerdings nicht möglich. Aber der Kunde könne die Annahme jederzeit verweigern. Christopher Abraham wurde außerdem vorgeschlagen, die Waren einfach zu "entsorgen".

Stand: 25.01.2019, 17:25