Aktivisten wollen Verjährungsfrist für Kindesmissbrauch abschaffen

Aktivisten wollen Verjährungsfrist für Kindesmissbrauch abschaffen

  • Rund 150 Demonstranten für mehr Kinderschutz in Bergisch Gladbach
  • Hauptziel: Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch soll fallen
  • Organisatoren sprechen von erfolgreicher Veranstaltung

Rund 100 Täter und etwa 50 Opfer – dazu zehntausende Spuren auf mögliche weitere Verdächtige. Das ist der aktuelle Zwischenstand im Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach. Wegen dieses enormen Ausmaßes hat unter anderem der Verein Tour41 am Samstag (11.07.2020) dort zu einer Demonstration aufgerufen.

Der Verein um den Vorsitzenden Markus Diegmann setzt sich bereits seit Jahren dafür ein das Thema Kindesmissbrauch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Was ist das Ziel der Aktivisten?

Hauptziel ist es, die Verjährungsfrist bei Kindesmissbrauch abzuschaffen. Dafür hat Markus Diegmann in den letzten Jahren knapp 450.000 Unterschriften gesammelt. Außerdem fordern die Aktivisten, dass mehr für die Prävention von sexuellem Missbrauch getan werden muss – etwa durch engere Kooperationen mit Schulen.

Warum ist die Aufhebung der Verjährungsfrist so wichtig?

Markus Diegmann

Markus Diegmann

Oft dauere es nach einem Missbrauch mehrere Jahre, bis die Betroffenen das Geschehene verarbeiten können, so Diegmann. Er selber wurde als Kind über Jahre hinweg sexuell missbraucht und hat die Ereignisse lange Zeit verdrängt. Fast 41 Jahre später holten sie ihn dann aber wieder ein. So schlimm, dass er seinen Job als Computerexperte aufgeben musste.

„Wir Betroffenen müssen die Freiheit haben selbst zu entscheiden, wann und ob wir anzeigen. Und wir sollten zu jeder Zeit die Möglichkeit haben“, so Diegmann.

Gibt es Hoffnung auf Veränderung?

Der Verein Tour41 hat die knapp 450.000 Unterschriften bei Bundesjustizministerin Christine Lamprecht (SPD) eingereicht. Sie hatte sich zuletzt bereits für eine Verschärfung der Rechtslage ausgesprochen. Kindesmissbrauch solle demnach zwingend als Verbrechen behandelt werden.

Außerdem gibt es aus Niedersachen Bewegung in dem Thema. „Die haben jetzt gerade eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht, zur Abschaffung der Verjährungsfrist“, so Diegmann. Er hofft, dass diese Initiative ihn und seine Mitstreiter einen Schritt näher zu ihrem Ziel bringt.

Stand: 11.07.2020, 21:46