Weiße Flaggen an der Montessorischule Gilbachstrasse

"Weiße Flagge zeigen": Kölner Grundschulen melden Überlastung

Stand: 23.12.2021, 12:26 Uhr

"Wir Grundschulen können nicht mehr": Lehrerinnnen und Lehrer starten die Aktion "Weiße Flagge zeigen". Sie klagen über massive Mehrbelastung in der Pandemie.

Von Maja Peters

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien leuchten in der Dunkelheit die Fenster der Montessorischule Gilbachstraße, einer Grundschule in der Kölner Innenstadt. Und nach und nach wehen große weiße Tücher heraus. Es ist halb acht, kurz vor Unterrichtsbeginn am Donnerstagmorgen - die Lehrerinnen und Lehrer starten die Aktion „Weiße Flagge zeigen.“

Sie wollen damit auf die Belastungen der Lehrkräfte, Schulleiter und Schulleiterinnen aufmerksam machen und ein Zeichen setzen: „Wir Grundschulen können nicht mehr - nach fast zwei Jahren Dauerkrise durch die Coronapandemie.

Auf uns sind sehr viele zusätzliche Arbeiten zugekommen, die wir auch bewerkstelligen konnten,“ sagt die Schulleiterin Johanna Schubert. „Aber wir sind tatsächlich jetzt am Ende unserer Kräfte. Wir sind sehr erschöpft. Dies ist ein Hilferuf!“

Große Belastung an den Schulen

Ein Beispiel für die Mehrarbeit sind laut Schubert der Aufwand durch die Pooltestungen. Teilweise kämen die Ergebnisse mitten in der Nacht. Und wenn es positive Fälle gibt, bedeutet das für die Lehrkräfte Kontaktnachverfolgung - auch an den Wochenenden. Akribisch müssen Sitzpläne dokumentiert und ausgewertet werden – oft startet der Tag so um sechs Uhr morgens.

Zusätzlich belasten laut der Direktorin der fließende Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht das Kollegium. Lehrerausfälle müssen kompensiert werden und immer wieder erhielten die Grundschulen neue, teils widersprüchliche Anweisungen.

"Ich stoße an meine Grenzen"

Weiße Flaggen an der Montessorischule Gilbachstrasse

Weiße Flaggen an der Montessorischule Gilbachstrasse

Johanna Schubert hat deshalb diese Aktion der „Weißen Flaggen“ am letzten Schultag initiiert. Und das Kollegium steht hinter ihr. Inés Anhalt ist Lehrerin an der Montessorischule und sagt: „Man merkt inzwischen einfach die lange Zeitspanne. Die Dinge, die wir tun, sind absolut sinnvoll und notwendig, aber alles läuft neben unserem normalen Schulalltag. Da merke ich, dass ich an meine Grenzen stoße.

Denn wenn ein Kind mit positivem Test zu Hause ist, kümmern sich die Lehrkräfte eben auch darum, wie es ihm geht und ob es zu Hause Unterstützung beim Lernen hat. Manchmal seien zusätzlich auch die Eltern erkrankt, weiß die Lehrerin. „Dann schauen wir natürlich, was wir da abnehmen können. Aber gleichzeitig haben wir ja noch die anderen 27 Kinder in der Klasse.

Dutzende Schulen beteiligen sich an Aktion

Aus 14 Fenstern wehen in der Gilbachstraße am Donnerstag weiße Tücher. Manche Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, machen Fotos davon. Auch sie unterstützen die Aktion der Lehrerinnen und Lehrer. „Das Kollegium und die Schulleitung engagieren sich hier sehr und wir Eltern sehen, dass sie extremes Krisenmanagement betreiben. Schulen als Krisenbewältigungszone sozusagen“, sagt Tessa Razzaghi, deren Sohn in die vierte Klasse geht.

Schulleiterin Johanna Schubert verbindet keine konkreten Forderungen mit der Aktion. Sie möchte lediglich, dass die Lage an den Grundschulen von der Politik gesehen wird. Fast 60 Kölner Grundschulen sind ihrem Aufruf gefolgt und haben am Donnerstag ebenfalls weiße Tücher, Laken oder Flaggen aus den Fenstern gehängt. Sie alle eint der Wunsch nach Entlastung.

Über die breite Unterstützung freut sich die Direktorin sehr: „Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass wir nicht alleine sind. Es gibt ganz viele, die die Belastung genauso spüren und zeigen: Wir haben viel geschafft, aber das können wir so bald nicht mehr alleine stemmen.