Krefelds Einzelhändler klagen über aggressives Betteln

Die Königstraße in der Krefelder Innenstadt

Krefelds Einzelhändler klagen über aggressives Betteln

Einzelhändler auf der Königstraße klagen über aggressives Betteln. Mit Stadt und Diakonie wollen sie nun eine Lösung finden, die Kunden wiederbringt und den bettelnden Menschen hilft.

Der verkaufsoffene Sonntag am vergangenen Wochenende war ein guter Tag für Krefelds coronageplagte Einzelhändler. Eines aber macht den Händlern Sorgen: Aggressive Bettler und Obdachlose, die laut den Einzelhändlern Kunden belästigen oder sogar Exkremente auf der Straße hinterlassen.

Die Kaufleute fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen und haben deshalb einen offenen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben. "Das ist ein Problem, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, aber vor allem auch die Stadt sich auseinandersetzen muss", so Einzelhändler Thomas Lache von der Interessengemeinschaft Königsstraße.

Einzelhändler beschweren sich über Müll auf der Königstraße in Krefeld

Müll auf der Krefelder Königstraße

Und tatsächlich findet man in der Innenstadt einige Bilder, die niemand gerne sieht: Vermüllte Hauseingänge, Menschen, die in der Öffentlichkeit Drogen konsumieren.

"Kunden bleiben aus Angst zu Hause"

Der Einzelhändler Thomas Lache von der Interessengemeinschaft Königstraße

Einzelhändler Thomas Lache

Lache und seine Frau betreiben in der Krefelder Innenstadt vier Modegeschäfte. Von seinen Kunden hört er immer mehr Beschwerden – einige blieben wegen der Situation auf der Königstraße sogar zu Hause: "Wir haben Kunden, die uns anrufen und sagen: Ich möchte nicht zu Ihnen in die Stadt. Ich habe Angst."

Laut Lache sind es nur wenige Bettler, die für Ärger sorgten. Die würden aber umso mehr auffallen, erzählt er, und beschreibt eine Frau, "die hier lebt, aber auch ihre Notdurft verrichtet, egal, ob zwei oder fünf Leute in der Nähe sind."

Diakonie will Versorgungsangebote einrichten

Mehrere Hundert Menschen müssen in Krefeld auf der Straße übernachten. Andere haben zwar eine Wohnung, sind aber trotzdem lieber draußen. Um ihnen zu helfen, möchte die Krefelder Diakonie gerne Hilfseinrichtungen rund um die Innenstadt aufbauen, erzählt Jan Vander von der Diakonie Krefeld: "Und dort eben Versorgungsangebote, Toilettenanlagen oder Wascheinrichtungen anbieten und niedrigschwellige Sozialarbeit installieren, um langfristig das System zu verändern und den Menschen eine Situation anzubieten, da herauszukommen."

Stadt Krefeld: Hilfsangebote müssen "nachgeschärft" werden

Seit 2018 gibt es in Krefeld das Programm "Helfen und Handeln". Mehr Sauberkeit, mehr Ordnung, aber auch mehr Hilfsangebote für Obdachlose, mit dem Ziel, ein höheres Sicherheitsgefühl zu schaffen.

Da müsse die Stadt aber noch einmal nachschärfen, so Ulrich Cyprian, Ordnungsdezernent der Stadt Krefeld: "Die Not ist insgesamt sehr groß, aber uns war das in erster Linie bekannt von den Problembereichen am Theaterplatz. Dass das jetzt mehr und mehr in den Innenstadtbereich rüberzieht, ist eine Situation, die uns große Sorgen macht."

Damit die Krefelder Innenstadt lebendig bleibt, sind Einzelhändler und auch die Stadt darauf angewiesen, dass sich Kunden wohlfühlen. Ende des Monats wollen Händler und Verwaltung nun gemeinsam eine Lösung finden.

Stand: 21.09.2021, 14:39

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