Trotz Festanstellung: Afghanischer Flüchtling darf nicht arbeiten

Malermeister Stefan Koch und Azubi Mohammed Abrahimy schauen gemeinsam über Dokumente.

Trotz Festanstellung: Afghanischer Flüchtling darf nicht arbeiten

Von Gaby van den Boom

Entsetzen in Remscheid beim Malerbetrieb Koch: Der 23jährige Afghanistan-Flüchtling Kir Mohammed Abrahimy darf mit sofortiger Wirkung nicht mehr arbeiten.

Entsetzen in Remscheid beim Malerbetrieb Koch: Der 23jährige Afghanistan-Flüchtling Kir Mohammed Abrahimy darf mit sofortiger Wirkung nicht mehr arbeiten. Er hat die Abschlussprüfung seiner  dreijährigen Maler- und Lackiererprüfung nicht bestanden

Ausländeramt: Keine Arbeitserlaubnis 

Azubi Mohammed Abrahimy steht im Lagerraum des Malerbetriebs.

Für seinen Chef kein Problem, er will ihn unbefristet einstellen. Weil er gut, zuverlässig und fleißig ist. Da hat er aber die Rechnung ohne das Ausländeramt gemacht – der junge Afghane darf zwar in Deutschland bleiben, wegen der gegenwärtigen Situation, aber nicht arbeiten.

 Kein Nachweis der Identität

Sein Problem: Er kann seine Identität nicht nachweisen. Er braucht eine sogenannte Tazkira aus Afghanistan. Die braucht er aber, um hier anerkannt zu werden und um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. 2015 kam Kir Mohammend Abrahimy  nach einer dreijährigen Flucht über Pakistan und den Iran mit der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland – eine Geburtsurkunde oder ähnliche Papiere hat er nie besessen.

 Angst vor dem Nichtstun

Dass er jetzt nicht mehr arbeiten darf, ist für ihn das Schlimmste, ich werde verrückt, wenn ich den ganzen Tag herumsitze, sagt er. Kir Mohhamed Abrahimy kam als Analphabet ins Land. Sein großer Traum, endlich eine Schule besuchen zu dürfen wurde in Deutschland Wirklichkeit. In kürzester Zeit lernte er Deutsch, Schreiben, Lesen und Rechnen. Er bekam er sofort einen Ausbildungsplatz. Alles schien perfekt bis Corona ausbrach. Unterricht gab es nur noch digital. Schwierig für den 23Jährigen, der im Flüchtlingsheim nicht mal Internet hatte. Keine  Chance für ihn, die Prüfung zu bestehen.

 Arbeitskraft dringend gebraucht

Malermeister Stefan Koch steht im Lagerraum seines Malereibetriebs.

Sein Chef Stefan Koch will den Afghanen trotz nicht bestandener Abschlussprüfung unbedingt weiter beschäftigen.  Jeder Betrieb suche händeringend Fachkräfte, und da werde einen junger fleißiger Mann zur Untätigkeit gezwungen und dass auch noch auf Kosten der Steuerzahler.  Seit Anfang des Jahres versucht er gemeinsam mit dem jungen Flüchtling, den Aufenthaltsstatus zu klären. Bislang sei es nicht gelungen, eine sogenannte Tazkira, einen Identitätsnachweis aus Aghanistan zu erhalten.

 Kein hoffnungsloser Fall

Die Flüchtlingshilfe Velbert will sich der Sache jetzt annehmen. Der Fall aus Remscheid sei keine Ausnahme. Ohne fachkundige Unterstützung scheiterten viele Flüchtlinge im Umgang mit dem Ausländeramt – hießt konkret: die meisten wüssten einfach nicht, welche Schritte sie konkret unternehmen müssen, um ihre Identität zu klären und die gesetzlichen Mitwirkungspflichten zu erfüllen. Die Chancen stünden gut, für Mohammed Kir Abrahimy. Auch Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zeigt sich gesprächsbereit: "Ich bin ich dran interessiert, dass wir eine Lösung finden, ich möchte diese junge Mann arbeiten geht, das setzt seine Mitwirkung voraus."

 Veränderte politische Situation

In Remscheid wartet man wie anderswo in den Städten auf Anweisungen des Landesministeriums, wie mit der veränderten politischen Lage in Afghanistan umzugehen ist. Nach Auskunft der Flüchtlingshilfe war es schon in der Vergangenheit oft nur mit Hilfe von Bestechungsgeldern möglich, von den afghanischen Behörden eine Tazkira zu erhalten, jetzt unter den Taliban sei es wohl  unmöglich. Man setzt auf gute Kooperation mit den deutschen Behörden, um Lösungen für die afghanischen Flüchtlinge zu finden. Unter anderem könne nun ein Folge-Asylantrag gestellt werden.       

 

 



Stand: 10.09.2021, 17:06