Schimpansen Bally und Limbo im provisorischen Gehege im Krefelder Zoo

Nach dem Feuer im Krefelder Affenhaus: Neue Perspektive für Bally und Limbo

Stand: 02.01.2022, 06:00 Uhr

Nur zwei Schimpansen haben den Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos vor zwei Jahren überlebt. Fast 50 Tiere verendeten damals - inzwischen ist der Bau eines großen Affenparks beschlossen.

Von Alexander Schwinning

Bally und Limbo sind unzertrennlich. Die beiden spielen miteinander, so als ob nie etwas gewesen wäre. Sie scheinen das Trauma der Brandkatastrophe überwunden zu haben, das Forscher ihnen attestieren. Die Nacht zum 1. Januar 2020, als sie die anderen Tiere aus der Schimpansen-Gruppe verloren haben. Dass Bally und Limbo mit nur kleineren Verletzungen überlebt haben, grenzt an ein Wunder.

Das abgebrannte Affenhaus im Krefelder Zoo

Schaden in Millionenhöhe

Aus Sicht der Ermittler war die Sache schnell klar. Drei Frauen aus der Nachbarschaft hatten sogenannte Himmelslaternen auf die Reise geschickt, fliegende Lampions mit einer Brennpaste. Die landeten auf dem Affenhaus und verursachten eine Katastrophe: 50 verendete Tiere, Sachschaden in Millionenhöhe, vom Affenhaus waren nur noch die Grundmauern und einige Stahlträger übrig. Die Frauen wurden zu Geldstrafen verurteilt.

Langes Warten für die Schimpansen

Für Bally und Limbo jedoch begann ein langes Warten - wohin mit ihnen? Der Plan, die beiden in einen dänischen Zoo abzugeben, scheiterte. Und so leben die beiden Menschenaffen seit der Brandnacht in einem Behelfsgehege.

Tierschützer protestieren vor dem Krefelder Zoo

Mahnwache vor dem Krefelder Zoo

Tierschützer vom "Great Ape Projekt" kritisieren das scharf. Am Sonntag veranstalteten sie vor dem Zoo eine Mahnwache, zu der rund 150 Menschen kamen - darunter auch der Kölner Kriminalbiologe Marc Benecke. Die Organisatoren sprechen von "quälerischer Isolationshaltung" von Bally und Limbo. Eine Aussage, der der Gutachter Patrick van Veen widerspricht. "Es gibt keine Anzeichen für Verhaltensstörungen", schreibt der vom Zoo beauftragte Affenforscher vom Jane Goodall Institute Global. "Auch ihr körperlicher Zustand ist gut."

Affenpark soll 2029 fertig sein

Der Zoo stellte nur wenige Wochen nach der Brandkatastrophe Pläne für einen neuen Affenpark vor. Rund 20 Monate später ist klar: Es wird gebaut. Ein Gelände, fast so groß wie drei Fußballfelder, viel mehr Platz für Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans als bisher. Statt eines einzigen Affenhauses soll es mehrere kleine Häuser geben, sowie Außenanlagen. "Wir halten Menschenaffen jetzt anders, als wir es vor 30 oder 40 Jahren getan haben", so Zoodirektor Wolfgang Dreßen bei einer Pressekonferenz im November. "Wir orientieren uns jetzt an Freilandhaltungen."

Zwei Schimpansen in der Innenanlage des Gorilla-Hauses

Spenden für ein neues Zuhause

Das Ganze wird abschnittsweise gebaut, um eine einzige Großbaustelle zu vermeiden. Geplante Fertigstellung 2029, geschätzte Kosten: fast 30 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon zahlt die Stadt, den Rest bringt der Zoo auf, auch mit Hilfe von Spenden aus der Krefelder Bevölkerung.

Zunächst provisorisches Außengehege

Von den Erweiterungsplänen profitieren auch Bally und Limbo. Die Tage sind gezählt, an denen die beiden Schimpansen ausschließlich in ihrem Behelfsgehege untergebracht sind. Denn als ersten Schritt hat die Stadt Krefeld jetzt den Bau einer provisorischen Außenanlage genehmigt. Sie soll noch in der ersten Jahreshälfte 2022 fertig werden. Für Bally und Limbo heißt das: Sie werden schon bald Sonnenstrahlen und Wind auf ihrer Haut spüren.

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