Wuppertalerinnen bei Seniorenreise abgezockt

Eine Seniorin mit einem gehstock steigt aus einem Reisebus

Wuppertalerinnen bei Seniorenreise abgezockt

  • Kaffeefahrten als Betrugsmasche boomen weiter
  • Bargeld und Kaufverträge erbeutet
  • Betrüger kommen zu Opfern nach Hause

Seniorenreisen mit Herz – mit denen wurden am Donnerstag (17. Januar 2019) zwei Wuppertalerinnen per Post geködert. Das Angebot: Eine Neujahrsfahrt nach Venlo. Weiter hieß es in dem Schreiben: Alle Teilnehmer werden von zu Hause abgeholt, zu Sehenswürdigkeiten und einem nettem Frühstück gefahren. Tatsächlich ging es für Ingrid Kotronis und Ursula Caumann direkt zu einer Verkaufsveranstaltung.

Demenz wird ausgenutzt

Der 84-jährigen Ingrid Kotronis wurden von dem vermeintlichen Reiseveranstalter gleich zwei Reisen aufgeschwatzt. Die alte Dame ist dement und wollte eigentlich gar nicht reisen. Dann solle sie die Reisen doch für ihren Sohn buchen, weil der sie so sehr unterstütze – empfahlen die Betrüger. So buchte Ingrid Kotronis einen Tripp nach Wien und einen zum Gardasee.

Der Sohn kämpft um die Stornierung der Reisen

Ihr Sohn Konstantinos Kotronis ist entsetzt. Er versucht derzeit, den Kauf wieder rückgängig zu machen. Gar nicht so einfach, denn die auf den Reiseunterlagen angegebenen Adressen liegen alle im Ausland. Auch bei den angegebenen Servicenummern ist niemand zu erreichen. Glück im Unglück für die alte Dame: Noch hatte niemand die Reisen angetreten. Geld floss bislang keines.

Betrüger kommen zu Opfer nach Hause

Anders Ursula Caumann. Sie ließ sich auf der vermeintlichen Neujahrsfahrt zum Kauf einer Matratzenauflage mit angeblich schmerzlindernder Wirkung überreden. Kostenpunkt 1.200 Euro. Zurück in Wuppertal fuhren die Veranstalter die 74-Jährige direkt zur Sparkasse und hoben mit Ursula Caumann zusammen 1.000 Euro von ihrem Konto ab. Eine Rechnung oder Quittung bekam sie nicht. Besonders dreist: Die restlichen 200 Euro will die vermeintliche Fahrerin des Reiseunternehmens am nächsten Tag bei Ursula Caumann zuhause abholen. Als sie das WDR Lokalzeit-Team sieht, flüchtet sie.

Anbieter schwer greifbar

In solchen Fällen macht die Verbraucherzentrale den Opfern wenig Hoffnung: Haben die Betrüger erstmal Bargeld erbeutet, ist dies in der Regel verloren. Den Geprellten bleibe nur, bei der Polizei Anzeige wegen Betrugs zu erstatten. Im aktuellen Fall hat die Polizei zu ermitteln begonnen.

Betrüger sind psychologisch geschult

Es gebe immer wieder neue Maschen, die gemeldet würden, sagt Michelle Schuler-Holdstein von der Verbraucherzentrale Wuppertal. So genannte Kaffeefahrten boomten trotz aller Warnungen nach wie vor. In den meisten Fällen sei schon viel Geld für unnütze oder minderwertige Produkte gezahlt worden. Die Verkäufer seien psychologisch bestens geschult: So kauften am Ende viele Teilnehmer der Reisen doch etwas, obwohl sie es gar nicht wollten.

Stand: 21.01.2019, 14:44