Das Gewerbegebiet Im Erdbeerfeld im Ortsteil Brand in Aachen aus der Luft

Aachen will keine Gewerbeflächen mehr verschwenden

Stand: 25.01.2022, 15:05 Uhr

Gewerbeflächen sind knapp. Auch in Aachen. Und deshalb will die Stadt damit künftig sparsamer umgehen. Die neue Devise heißt: Hochstapeln statt in die Fläche gehen.

Von Ulrike Zimmermann

Die Stadt hat festgestellt, dass die vorhandenen Gewerbegebiete längst nicht voll ausgenutzt werden. Viele Unternehmen haben zum Beispiel ihre Gewerbehallen nur eingeschossig gebaut, obwohl mehrere Geschosse zugelassen wären. Das verbrauche viel Fläche, heißt es in einem Bericht der Stadtverwaltung für den städtischen Wirtschaftsausschuss, der am Dienstag tagt.

Nachhaltig und flächensparend

Sparsamer Umgang mit Flächen bedeutet zugleich weniger versiegelter Boden. Das ist gut für Klima und Umwelt. Die Aachener Stadtveraltung will bei neuen Bebauungsplänen für Gewerbegebiete künftig Mindestgeschosse und Mindesthöhen festsetzen – je nach Lage und Nutzung. Gerade im Dienstleistungssektor sei eine höhere Bauweise sinnvoll. Beim produzierenden Gewerbe dagegen ist das laut Verwaltung schwieriger. Firmen gingen gerne in die Fläche, damit die Produktion auf einer Ebene stattfinden kann. Büronutzungen in den oberen Etagen könnten eine Lösung sein.

Keine ebenerdigen Parkplätze mehr

Großes Potential, wertvolle Fläche zu sparen, sieht die Stadtverwaltung bei den Stellplätzen in Gewerbegebieten. Ebenerdige Parkplätze sollen künftig tabu sein. Stattdessen will die Stadt Aachen nur noch Tiefgaragen oder Parkdecks zulassen. Die könnten zum Beispiel auch für Solaranlagen oder Dachbegrünung dienen. Außerdem sollen verbesserte Mobilitätskonzepte wie Car Sharing, überdachte Fahrradstellplätze und Ladeinfrastruktur dazu beitragen, dass grundsätzlich weniger Parkplätze benötigt werden.

Einzelshandel-Standorte besonders im Blick

Stadt Aachen will sparsamer mit Gewerbeflächen umgehen

00:28 Min. Verfügbar bis 25.01.2023


Discounter mit viel Stellplätzen drumherum – ein typisches Bild in Aachen und anderswo. Einfach aufzustocken, ist nicht immer möglich, sagt die Stadtverwaltung. Allein aus statischen Gründen. Außerdem: Anlieferung und Parkplatzverkehr machen Lärm und verschmutzen die Luft. Das könne die Wohnqualität mindern. Jeder Standort müsse deswegen individuell untersucht werden, um passende Lösungen zu finden.

Schon gute Beispiele

Als gelungenes Beispiel für eine flächensparende Kombination verschiedener Nutzungen nennt die Stadtverwaltung ein Projekt an der Krefelder Straße beim Alten Tivoli. Einzelhandel, Dienstleistung und eine Kita sind in einem Gebäudekomplex untergebracht. Das Flachdach des Supermarkts dient als Außenbereich der Kita. Ein weiteres Beispiel: Die Kombination aus Wohnen und Einzelhandel auf dem Grundstück des abgerissenen Vegla-Komplexes im Frankenberger Viertel. Das Projekt ist noch im Bau.