Helfer einer Unfallflucht bekommt kürzere Haftstrafe

Von Helga Lennartz

Weil er einem Freund bei der Vertuschung eines tödlichen Unfalls in Würselen geholfen hat, muss ein Mann wegen Beihilfe zum versuchten Mord für fünfeinhalb Jahre in Haft.

Das hat das Landgericht in Aachen am Freitag entschieden. Über das Strafmaß nach dem Unfall vor zwei Jahren musste wegen Rechtsfehlern neu verhandelt werden. Im ursprünglichen Prozess war der heute 44 Jahre alte Sascha F. zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Weil er die Strafe als zu hoch empfand, zog er vor den Bundesgerichtshof und bekam dort Recht.

Der Unfallverursacher Harald S. ist bereits rechtkräftig wegen versuchten Mordes durch Unterlassen zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Nächtlicher Unfall mit Radfahrer - Täter waren alkoholisiert

Der Unfall geschah am 21. September 2019: Auf einer kleinen, holprigen Landstraße zwischen Eschweiler und Würselen sind nachts zwei Freunde mit ihren Autos viel zu schnell unterwegs. Harald S. und Sascha F. kommen aus einer Gaststätte, beide sind alkoholisiert und haben keine gültige Fahrerlaubnis.

An einer Kreuzung übersieht Harald S. einen von rechts kommenden Radfahrer, der Vorfahrt hatte. Es kommt zum Zusammenstoß. Der Radfahrer wird bei dem Unfall in ein Feld geschleudert und so schwer verletzt, dass der 19-Jährige kurz darauf stirbt.

Mühevolle Vertuschung statt Hilfe für das Unfallopfer

Ohne Hilfe zu holen oder sich weiter um das Opfer zu kümmern, beginnen die beiden Männer mit ihren Vertuschungen. Dabei nahmen sie den Tod des Radfahrers billigend in Kauf, sagten die Richter im früheren Prozess. Der Radfahrer starb noch am Unfallort.

Sascha F. schleppt das Auto von Harald S. ab, das sich nach dem Unfall nicht mehr starten lässt. Der kaputte Wagen wird in einer Garage versteckt. Am nächsten Tag fahren die beiden Männer ins Ruhrgebiet, kaufen einen baugleichen Wagen und tauschen die Nummernschilder aus. Das so präparierte Auto wird demonstrativ im Hof abgestellt. Doch die Ermittler kommen den beiden auf die Schliche.

Keine Freunde mehr

Wegen der Tat ist Harald S. bereits rechtskräftig verurteilt worden, unter anderem wegen versuchten Mordes und Unfallflucht zu acht Jahren Haft. Am Freitag trat er im Prozess gegen Sascha F. als Zeuge auf. Die ehemaligen Freunde würdigten sich keines Blickes, denn Harald S. hatte den Komplizen nach seiner Festnahme verpfiffen. Die Aussage von Harald S. führte das Gericht aber nicht weiter, der heute 36-Jährige berief sich auf Erinnerungslücken. So konnte letztlich nicht geklärt werden, ob Sascha F. dem Unfallverursacher nur aus reiner Freundschaft geholfen hatte, oder ob er aus eigenem Interesse alles vertuschen wollte. Schließlich hatte er am Tatabend nicht nur getrunken und war wieder einmal ohne Führerschein unterwegs, er stand auch unter laufender Bewährung. 

Letztlich fiel das Urteil gegen ihn milder aus als in seinem früheren Prozess. Damals hatte er zu allem geschwiegen, am Freitag legte er ein Teilgeständnis ab und entschuldigte sich bei der Familie des getöteten Radfahrers.