Uni Aachen an Abgastests mit Menschen beteiligt

Uni Aachen an Abgastests mit Menschen beteiligt

  • Auch Versuche an Menschen mit Stickoxiden
  • Uniklinik Aachen führte Studie durch
  • Autoindustrie als Auftraggeber
  • NRW-Wissenschaftsministerin "irritiert"

Die Folgen von Schadstoffen in der Luft sind nicht nur an Affen, sondern auch an Menschen getestet worden. Das geht aus einem Report der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) hervor.

"Inhalationsstudie" beauftragt

Die von den Autokonzernen VW, Daimler und BMW gegründete Lobbyinitiative EUGT hatte laut Studienbericht von 2016 eine "Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen" gefördert. Nach SWR-Recherchen fand der Test in einem Versuchslabor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Aachen statt.

Víerwöchiger Versuch

Vier Wochen lang wurden junge, gesunde Probanden - 19 Männer und sechs Frauen - dem Gas einmal pro Woche für drei Stunden in unterschiedlicher Konzentration ausgesetzt - laut der 2017 aufgelösten EUGT ohne Wirkung. VW-Konzernchef Matthias Müller bezeichnete die Tests am Montagabend (29.01.2018) als "falsch, unethisch und abstoßend".

Uniklinik weist Vorwürfe zurück

Die Uniklinik Aachen teilte am Montag mit, die Schadstoff-Studie habe nichts mit dem Dieselskandal zu tun. Sie sei zwei Jahre zuvor erstellt worden und es sei um Schadstoffe am Arbeitsplatz gegangen, etwa bei Schweißern oder Automechanikern.

Die Uniklinik räumte aber ein, dass die Studie von der EUGT finanziert worden sei. Diese habe die Studien-Ergebnisse so gedeutet, dass Dieselabgase doch nicht so gefährlich seien. Das gehe zu weit, so das Klinikum.

Anregung aus dem Forschungsbeirat

Das Humanexperiment sei auf Anregung des EUGT-Forschungsbeirats durchgeführt worden. In dem siebenköpfigen Gremium waren Wissenschaftler von Universitäten und Forschungseinrichtungen in Dortmund, Bochum, Essen und Münster prominent vertreten.

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen zeigte sich "irritiert". Ihr Ministerium habe Kontakt mit dem Uniklinikum aufgenommen. Grundsätzlich seien für die Genehmigung solcher Versuche die Ethik-Kommissionen an den Standorten zuständig. Laut Klinikum habe diese vorgelegen.

Tierschützer: "Völlig irrsinnig und unsinnig"

Ende vergangener Woche hatten auch Versuche mit Affen, die gezielt Dieselabgasen ausgesetzt worden waren, für Empörung gesorgt. Sie wurden durch US-Ermittlungen zur VW-Abgasaffäre bekannt. Corinna Gericke, Vizevorsitzende von "Ärzte gegen Tierversuche", sagte dazu: "Solche Versuche sind auch aus wissenschaftlicher Sicht völlig irrsinnig und unsinnig." Es könnten keine Rückschlüsse auf den Menschen gezogen werden.

Stand: 29.01.2018, 20:32