Umstrittener Kinderpsychiater Winterhoff schließt Praxis

Stand: 07.12.2021, 10:06 Uhr

Noch in dieser Woche schließt der Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff seine Praxis. Als Grund nennt der 66-Jährige seinen Ruhestand.

Von Jörg Sauerwein

Schon am Freitag (10.12.21) soll die Praxis von Michael Winterhoff geschlossen werden. Er habe nun schon „eine Weile das Rentenalter erreicht“, schreibt der 66-jährige Kinder- und Jugendpsychiater auf seiner Webseite. Es sei an der Zeit, „jüngeren Kollegen Platz zu machen und den Ruhestand anzutreten“.

Winterhoff in den Schlagzeilen

Screenshot Homepage Winterhoff

Auf seiner Webseite kündigt Michael Winterhoff seinen Ruhestand an.

Der bekannte Kinderpsychiater, der zahlreiche Bücher veröffentlicht hat (u. a. „Warum unsere Kinder Tyrannen werden") und in der Vergangenheit regelmäßig in Talkshows aufgetreten ist, war nach einer WDR-Dokumentation in die Schlagzeilen geraten. Er soll Kindern und Jugendlichen unter anderem jahrelang Psychopharmaka verschrieben haben, die sedierend wirken und schwerste Nebenwirkungen haben können – zum Teil ohne Diagnose.

Strafanzeigen gegen Winterhoff

Bei der Bonner Staatsanwaltschaft sind seitdem zahlreiche Strafanzeigen eingegangen - gegen einen „Bonner Kinderpsychiater“, wie ein Sprecher bestätigt. Derzeit prüfe die Behörde die einzelnen Fälle. Allerdings handele es sich dabei wegen der medizinischen Hintergründe um komplexe Ermittlungen, bei denen man auch auf fachliche Unterstützung von Experten angewiesen sei, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Dafür sei mehr Zeit notwendig als in anderen Fällen.

Anzeige auch durch Siegburger Anwalt

Anzeige erstattet hat unter anderem auch der Siegburger Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der schon im NSU-Prozess Angehörige von Opfern vertreten hat. Der Vorwurf lautet unter anderem: Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Mehr als 100 Menschen melden sich

Die Opfer litten nach den Behandlungen durch Winterhoff bis heute seelisch und zum Teil auch noch körperlich unter den Folgen, sagt Daimagüler. Sie berichten demnach zum Beispiel über andauernde Schläfrigkeit, Zittern und Krampfanfälle. Außerdem seien sie zum Teil heute noch traumatisiert, „jedes Selbstwertgefühl wurde ihnen genommen“, erklärt der Anwalt. Bei ihm haben sich nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 100 Menschen gemeldet – darunter Opfer, Eltern und weitere Zeugen.