Verurteilter Missbrauchstäter fuhr auf Familienfreizeiten

Ein Kruzifix auf dem Altar im Kölner Dom.

Verurteilter Missbrauchstäter fuhr auf Familienfreizeiten

Von Christina Zühlke

Der zweifach wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Priester, Nikolaus A., durfte nach WDR Recherchen Anfang der 90er Jahre ungehindert als Seelsorger mit auf Familienfreizeiten fahren.

Pfarrer A. kehrte Anfang der 90er Jahre, nach seiner zweiten Verurteilung, aus dem Bistum Münster nach Köln zurück. Hier sollte er eigentlich nur noch als Altenheimseelsorger arbeiten. Das entschieden der verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner und sein Generalvikar, Norbert Feldhoff.

Doch nach Recherchen des WDR fuhr A. ungehindert auf Familien-Freizeiten mit der katholischen Schönstatt Bewegung. Eine Familie, die an den Fahrten nach Maria Rast bei Euskirchen teilnahm, sagte gegenüber dem WDR, dass sie glaubten, dort als junge Familie gut aufgehoben zu sein.

Nun erfuhr die Familie aus der Presse, dass A. laut eines Gutachtens, das dem Erzbistum Köln vorlag, als weiterhin gefährlich galt. Er habe eine abnorm triebgesteuerte, pädophile Persönlichkeit, heißt es dort. „Das lässt uns erschaudern“, so die Familie.

Gottesdienste auch mit Messdienern

Nach WDR Recherchen durfte A. außerdem in Köln Weiden, wo er wohnte, aushilfsweise Gottesdienste in der dortigen Gemeinde leiten. Das bestätigte der damalige Ortspfarrer auf Nachfrage. Auch Messdiener hätten an den Gottesdiensten teilgenommen.

Der Ortpriester wusste in groben Zügen von A.s Vergangenheit und hat, nach eigenen Angaben, versucht ihn „im Blick zu behalten“. Der Gemeinde sagte niemand etwas. Auch die Schönstatt Bewegung, bei der A. die Familien-Fahrten begleitete, schreibt, sie seien über A.s Straftaten nicht informiert worden.

Der Kirchenrechtler Bernhard Anuth wirft den Verantwortlichen vor, ihre Rechtspflicht nicht eingehalten zu haben: „Sie haben ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Gläubigen verletzt, die sie einer realen Gefahr ausgesetzt haben.“ Auch wenn nicht bekannt ist, dass A. in der Zeit weitere Taten beging.

Nach der staatlichen Verurteilung, so Anuth, hätte die Kirche prüfen müssen, ob A. nicht auch kirchenrechtlich bestraft werden müsse: „Den Täter einfach wieder einzusetzen, ohne Kontrolle und wie wir inzwischen wissen, mit der Möglichkeit Familienfreizeiten zu begleiten, das ist fahrlässig.“

Betroffene fordern Erklärung

Karl Haucke, der selbst als Kind von einem Geistlichen missbraucht wurde,  engagiert sich dafür, dass sexuelle Gewalt durch Priester aufgeklärt wird. Er und andere Betroffene fordern,  dass der damalige Generalvikar, Norbert Feldhoff, in diesem Fall die Verantwortung übernehmen müsse.

Karl Haucke sagte: „Wenn wir  Betroffenen irgendwann befriedet werden sollen, dann geht das nur, indem die Vertuscher, die Täter hinter den Tätern, sich öffentlich bekennen. Wenn sie sagen: ich habe etwas falsch gemacht.“

Das Erzbistum und Norbert Feldhoff wollten die Recherche nicht kommentieren. Über Details in Einzelfällen äußere sich das Erzbistum grundsätzlich nicht, so die Antwort.

Stand: 18.01.2021, 12:31

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