Kindesmisshandlung in Mönchengladbach: Säugling hat vermutlich bleibende Schäden

Symbolbild: Schnuller liegt auf dem Boden, dahinter der Umriss einer Person

Kindesmisshandlung in Mönchengladbach: Säugling hat vermutlich bleibende Schäden

Der Säugling aus Möchengladbach, der Anfang Januar mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus kam, wird vermutlich sein Leben lang bleibende Schäden haben.

Der fünf Wochen alte Säugling schwebt zwar nicht mehr in Lebensgefahr, sein Gesundheitszustand soll aber noch immer sehr ernst sein. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei Mönchengladbach am Freitag mit.

Medizinisches Gutachten fehlt noch

Das Kind wird weiterhin umfangreich medizinisch betreut. Nach Angaben der Rechtsmedizin ist nach derzeitigen Erkenntnissen mit schwersten gesundheitlichen Folgeschäden zu rechnen – diese würden sowohl den motorischen als auch den kognitiven Bereich betreffen.

Ein wichtiger Bestandteil der noch laufenden Ermittlungen ist ein umfangreiches medizinisches Gutachten, welches noch nicht abschließend vorliege. Daher könnten derzeit keine detaillierteren Angaben zum Gesundheitszustand des Kindes gemacht werden.

Dringender Tatverdacht gegen den Vater

Gegen den Vater besteht laut Staatsanwaltschaft und Polizei Mönchengladbach der Verdacht, dass er dem Säugling die Verletzungen durch schwere, stumpfe Gewalt zugefügt hat. Der 23-Jährige sitzt bereits seit Januar in Untersuchungshaft.

Bei einer Vernehmung durch die Polizei hatten die Eltern keine konkrete Aussage gemacht, wie es zu den Verletzungen gekommen ist. "Die haben sich darauf eingelassen, aber keine Angaben zu irgendwelchen Tathandlungen gemacht", sagte Polizeisprecherin Cornelia Weber dem WDR.

Gegen den Vater habe sich im Laufe der Ermittlungen allerdings ein dringender Tatverdacht ergeben. Er sei daraufhin von der Ermittlern festgenommen worden, so Weber. Auch gegen die Mutter des Säuglings wird ermittelt. Sie soll ihr Kind nicht vor den Übergriffen ihres Partners geschützt haben.

Schwester wurde vermutlich ebenfalls misshandelt

Die 20-jährige Mutter hatte ihren fünf Wochen alten Sohn Anfang Januar in das Mönchengladbacher Elisabeth-Krankenhaus gebracht. Dort stellten Ärzte bei dem Jungen Hinweise auf ein Schütteltrauma, mehrere Brüche und innere Verletzungen fest. Sie gehen davon aus, dass die Verletzungen dem Kind über einen längeren Zeitraum zugefügt wurden. Die Ärzte informierten das Jugendamt. Dieses schaltete dann die Polizei ein.

Bei der 17 Monate alten Schwester wurden ebenfalls Anzeichen von stumpfer Gewalteinwirkung festgestellt. Zudem sei das Mädchen nicht altersgerecht entwickelt. Das Jugendamt hat beide Kinder in Obhut genommen.

Nach Misshandlung in Mönchengladbach: Jugendamt kannte Familie nicht

00:24 Min. Verfügbar bis 08.01.2022


Stadt: Familie war bisher nicht auffällig

Das Jugendamt Mönchengladbach hat zum Schutz vor elterlicher Gewalt einen sogenannten Lotsendienst in beiden Geburtskliniken eingeführt. Im Rahmen dieses Angebots hat auch ein Mitarbeiter die Familie besucht. Dirk Rütten von der Stadt erklärt dazu: "Anfang Dezember gab es einen Hausbesuch, der routinemäßig verlaufen ist. Es gab keinen Hinweis, dass die Kinder in Gefahr sind, oder dass Gewalt droht."

Stand: 26.02.2021, 13:35