Der Eingangsbereich eines Postbank Finanzcenters in Köln

Breite Proteste gegen Postbank-Schließungen in Köln

Stand: 23.02.2022, 11:14 Uhr

In mehreren Kölner Stadtteilen protestieren Bürger und Politiker gegen die Schließung von Postbankfilialen. Sie fordern von der Postbank Alternativen vor Ort, besonders mit Blick auf die älteren Kunden, die kein Online-Banking machen.

Von Anke Bruns

„Das ist eine hirnrissige Entscheidung, würde ich fast sagen. Die Filiale hier ist doch gut gelaufen.“ Der 90-Jährige Paul Schmidt aus Köln-Rodenkirchen versteht die Manager bei der Postbank nicht. Die Postbank-Filiale in Rodenkirchen wurde im Dezember 2021 gegen den Protest vieler Kundinnen und Kunden geschlossen.

Weite Wege für ältere Kunden

Paul Schmidt hat wie viele ältere Bankkunden seit 50 Jahren ein Konto bei der Postbank und macht kein Online-Banking. Das ist ihm zu kompliziert, sagt er.

Bis vor kurzem konnte der betagte Kölner noch zu Fuß mit seinem Rollator die Postbank im Zentrum von Rodenkirchen ansteuern und selbständig Geld überweisen oder Auszüge ausdrucken.

Alternativen vor Ort nötig

Seit die Bank geschlossen ist, muss er mit seinem Rollator in die Bahn steigen und eine andere Filiale in Köln ansteuern oder die Mitarbeiter an der Postbank-Hotline bitten, das für ihn zu tun.

„Aber da hängt man dann stundenlang in der Warteschleife“, bringt Seniorenvertreterin Christiane Köhler ihren Unmut auf den Punkt. Sie ist richtig sauer auf die Bank. Die Postbank könne nicht eine Filiale nach der anderen schließen, ohne den älteren Kunden eine Alternative vor Ort anzubieten.

Die Rodenkirchener haben bereits 1.000 Unterschriften gegen die Bankschließung gesammelt.

Postbank reduziert Filialen

Tatsächlich trennt sich die Postbank schon seit geraumer Zeit von einer Filiale nach der anderen. Besonders in größeren Städten. In Köln sollen nach Rodenkirchen nun auch die Standorte am Sudermann- und am Chlodwigplatz geschlossen werden.

Menschen protestieren in der Kölner Südstadt gegen die Schließung von Postbankfilialen

Die Kölner Südstädter beim Protest gegen die Schließung "ihrer" Postbankfiliale

Bis Ende 2023 will die Postbank laut Unternehmenssprecher Oliver Rittmaier die Anzahl ihrer Filialen bundesweit von 700 auf 550 reduzieren. Wo genau, wollte er jedoch nicht mitteilen. Nach Ansicht der Unternehmensleitung sei das bisherige Angebot so nicht mehr haltbar, u.a. weil die Kunden ihre Bankgeschäfte zunehmend online abwickeln.

Bürger fordern SB-Automaten

In den betroffenen Kölner Stadtteilen fordern Postbankkunden, Seniorenvertretungen, Bürgervereine und Lokalpolitiker unisono von der Postbank, vor der Schließung konkrete Alternativen vor Ort zu erarbeiten.

„Es hilft nicht, den Kunden zu erklären, dass sie ja beim Einkaufen Geld abheben können. Die Menschen brauchen auch Kontoauszüge oder wollen etwas überweisen.“ Elke Scherbaum, Aktionsgemeinschaft ABC

In der Südstadt wie auch in Rodenkirchen fordern die Anlieger zumindest einen Selbstbedienungsautomaten vor Ort, an dem Kunden Geld einzahlen oder Überweisungen tätigen können. In Köln-Rodenkirchen sagen die Kunden auch gleich, wo er stehen könnte: Da die Deutsche Bank und die Postbank mittlerweile ein Unternehmen seien, könne der Automat doch in der Filiale der Deutschen Bank in Rodenkirchen stehen.

Postbank arbeitet an Lösung

Postbank-Sprecher Oliver Rittmaier erklärt hierzu: „In der Regel zieht die Postbank sich aus einem Filialstandort vollständig zurück, dies schließt SB-Geräte mit ein. So auch bei den genannten Kölner Filialen. Mit Blick auf Alternativen arbeiten wir derzeit an einer möglichen Lösung.“

Er verweist u.a. auf den Standort-Finder der Postbank im Internet, wo Kunden sehen könnten, wo die nächste Postbank-Filiale für sie ist und dass sie ihre Bankgeschäfte auch per Post anweisen können.

Aktuelle Stunde

Die Filiale am Chlodwigplatz soll laut Rittmaier bereits im April geschlossen werden.

Der Kölner Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne), selbst seit Jahrzehnten Postbankkunde, hat für den 10. März eine Aktuelle Stunde in der Bezirksvertretung-Innenstadt angesetzt. Dort möchte er mit Lokalpolitikern und Bürgern über die Entscheidungen der Postbank, ihre Auswirkungen und Lösungsmöglichkeiten diskutieren.

„Ich habe dazu auch den Politik-Beauftragten der Postbank eingeladen“, erklärte er bei einem Gespräch mit dem WDR. „Und er hat spontan zugesagt.“

Proteste gegen Postbankschließungen

00:35 Min. Verfügbar bis 23.02.2023


Hinweis: Über dieses Thema berichten wir am 23.02.2022 im WDR Fernsehen: Lokalzeit Köln, 19.30 Uhr.

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