Pflegenotstand – Heim kündigt Bewohnern

Außenansicht des Pflegeheims

Pflegenotstand – Heim kündigt Bewohnern

Von Richard Derichs

Den Bewohnern zweier Wohngruppen in Vettweiß, die intensive Pflege brauchen, wurde jetzt kurzfristig gekündig. Der Grund: Es fehlen die Fachkräfte.

Nicht nur in den Krankenhäusern der Region sind die Intensivstationen überlastet. Pflegenotstand herrscht auch in einem Heim in Vettweiß bei Düren. Den Bewohnern zweier Wohngruppen, die intensive Pflege brauchen, wurde jetzt gekündigt, und das sehr kurzfristig. Der Grund: Es fehlen Fachkräfte. Für die Angehörigen ganz schwierig, in der vierten Corona-Welle neue Unterbringungsmöglichkeiten zu finden.

Kündigung zum Ende des Monats

Ruhig, modern, gepflegt – von außen deutet an dem Wohnheim der privaten PWH GmbH & Co KG in Vettweiß nichts auf Unregelmäßigkeiten. Unter anderem leben hier in mehreren Gruppen auch Menschen, die intensive Pflege brauchen bis hin zur Beatmung.

Überrascht waren die Angehörigen von etwa zehn Bewohnern über die Post, die ihnen vor wenigen Tagen ins Haus flatterte. Gekündigt wurden der Mietvertrag, der Versorgungsvertrag und der Pflegevertrag für jedes der Familienmitglieder – die Pflege schon zum Ende des Monats.

Kein neues Personal zu finden

Eine WDR-Anfrage beantwortet Betreiber PWH schriftlich - in wenigen Zeilen.  Durch Personalmangel, heißt es in der Erklärung, sei eine qualitativ hochwertige Pflege gefährdet. Bemühungen, neues Personal zu rekrutieren, seien bisher leider erfolglos geblieben. Wörtlich: „Da das Wohl und die gute intensivmedizinische Versorgung unserer Bewohner an erster Stelle stehen, sehen wir uns leider gezwungen, die Pflegeverträge vorsorglich zu kündigen, um eine evtl. notwendige Verlegung zu ermöglichen.“

Immerhin verspricht PWH, die Bewohner trotz Kündigung weiter zu versorgen, bis eine neue Bleibe gefunden sei.

Heimaufsicht war nicht informiert

Von den Personalproblemen erfuhr die zuständige Heimaufsicht, der Kreis Düren, erst durch unsere Recherchen. Man hätte, so ein Sprecher, helfen können, hätten die Heimbetreiber früher Schwierigkeiten gemeldet. Was sie aber auch jetzt nicht taten: Gegenüber dem Kreis behauptet der Betreiber PWH aber, die gekündigten Bewohner längst auf eigene Initiative weitervermittelt zu haben.

Das bestreiten die Angehörigen, die sich an den WDR gewandt haben: Plätze mit Intensivpflege für die gekündigten Bewohner hätte die Heimleitung ihnen nicht angeboten. Auch uns wollte die Geschäftsführung des Heims die eigentlich gute Nachricht von der Weitervermittlung nicht bestätigen: Mehrere schriftliche Nachfragen und Telefonanrufe blieben unbeantwortet.

Stand: 22.11.2021, 10:54