Köln: Parkraum wird neu verteilt

Auf der Ehrenstraße stehen Halteverbotsschilder

Köln: Parkraum wird neu verteilt

Von Sabine Büttner

  • Stadt setzt neues Verkehrskonzept um
  • „Wettbewerb“ um Ladezonen in der Altstadt
  • Gastronomen fordern Verlängerung der Nutzungsrechte

Installateur Frank Schmidt kommt bei der Fahrt durch die Kölner Altstadt ins Schwitzen – nicht etwa wegen der sommerlichen Temperaturen, sondern wegen der Parkplatzsuche: Immer wieder lenkt er seinen Kastenwagen durch die engen Gassen, sucht links und rechts den Straßenrand ab: „Man muss zum Einsatz und findet keinen Parkplatz. Wenn man das fünfte Mal im Kreis gefahren ist, vergeht einem Alles.

Handwerkskammer: „Wettbewerb“ um Ladezonen

Seit Ende Mai setzt die Stadt ein neues Verkehrskonzept in der Altstadt um – mit mehr Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer, eigenen Abstellflächen für Leihräder oder E-Scooter. Knapp 120 öffentliche Parkplätze sind dafür weggefallen. Und die meisten Ladezonen dürfen nur noch bis 11 Uhr genutzt werden. Die Kölner Handwerkskammer kritisiert, um die Ladezonen sei ein regelrechter Wettbewerb entflammt - unter Kurieren, Lieferanten, Pflegediensten, Handwerkern.

Wo früher Autos parken konnten, stehen jetzt E-Roller an der Straße

Auch Frank Schmidt sagt, die Situation habe sich für ihn, der als Installateur mit viel Werkzeug und Ersatzteilen zwangsläufig mit dem Auto kommen müsse, deutlich verschlechtert. Ein Paketlieferant beklagt, er müsse nun mit Paketen teilweise 400 Meter zu Fuß laufen. Der Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes berichtet von einem Einsatz nach einem Einbruch, bei dem er schnell zur Hilfe geeilt sei – am Auto hatte er danach einen Strafzettel. Ein Anwohner erzählt gar, es sei teils schwierig, Handwerker zu bekommen: Wenn die hörten, wo er wohnt, sinke das Interesse am Auftrag.

Mehr Platz für Fußgänger – auch wegen der Corona-Pandemie

Die Stadt will mit dem neuen Konzept die Aufenthaltsqualität in der Altstadt verbessern. Auch zum Beispiel in der Ehrenstraße, einer beliebten Einkaufsstraße in der Innenstadt, hat die Verwaltung Fakten geschaffen: Samstags gilt hier seit einiger Zeit ein Parkverbot –  auch damit die Menschen während der Corona-Pandemie besser Abstand zueinander halten können.

Grafik der Altstadt

Quelle: Stadt Köln

Stadtweit dürfen außerdem Gastronomen Parkplätze für ihre Außengastro nutzen. Mehr als 200 haben das bislang bei der Stadt beantragt. Die Genehmigungen gelten aber derzeit nur bis zum 31. Oktober.

Gastronomie fordert längeres Nutzungsrecht für Parkplätze

Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA fordert, dass die Stadt die Nutzung von Parkplätzen länger erlaubt, um den Gastronomen zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen. Der stellvertretende Geschäftsführer, Mathias Johnen, sagte dem WDR: „Corona wird uns leider auch noch nach dem Herbst weiter begleiten“. Wirte sagen, viele Gäste wollen wegen der Corona-Pandemie nicht drinnen sitzen; wenn kein Impfstoff gefunden sei werde sich das auch im Herbst und Winter nicht ändern. Die Stadt erklärte, es gebe noch keine Pläne für die Zeit nach dem 31. Oktober. Wie es weiter geht, hänge von der Entwicklung der Corona-Pandemie und der Coronaschutzverordnung ab.

Parkplatzsuche, während Kunde mit Wasserschaden wartet

Handwerker Frank Schmidt hofft indes, dass sich auch beim Thema Parken in der Altstadt etwas ändert. Er befürwortete die Idee einer Sonderparkerlaubnis für Handwerker und Andere. Denn gerade im Notfall werde deutlich, dass die aktuelle Situation ein Problem sei: „Wenn ich dann eine halbe Stunde einen Parkplatz suche und beim Kunden läuft das Wasser die Decke runter, ist das schlecht.

Stand: 05.08.2020, 06:44