Das Mahnmal ist mit Kritzeleien und Parolen beschmiert.

NS-Mahnmal in Köln beschmiert – Staatsschutz ermittelt

Stand: 17.01.2022, 16:09 Uhr

Symbole, Parolen und Kritzeleien verunstalteten das Mahnmal an der Hohenzollernbrücke in Köln. Die Mahnmal-Paten haben Anzeige erstattet.

Wir sind schockiert“, sagt Thiemo Burghof-Parkin vom Chor schwuler Männer „Zauberflöten“. Als das Mahnmal 1995 am Rheinufer an der Hohenzollernbrücke aufgestellt wurde, hat der Chor die Patenschaft dafür übernommen und sorgt seitdem für Sauberkeit und Pflege des Gedenksteins. Verschmutzungen habe es immer wieder gegeben, so intensiv sei es aber noch nie gewesen, so Burghof-Parkin.

Und: „Das Mahnmal auf diese Weise zu beschmutzen, verletzt die Würde der Menschen, die durch den Nationalsozialismus verfolgt, gefoltert und getötet wurden.“ Dabei spiele es auch keine Rolle, ob es eine gezielte Schändung oder ein Streich von Jugendlichen war. Deshalb haben die „Zauberflöten“ die Verschandelung am Freitag (14.01.2022) angezeigt.

Rosa Winkel stigmatisiert Schwule in der NS-Zeit

Als "Rosa Winkel" ist der 120 Zentimeter hohe Gedenkstein mit rosa und grauem Granit gestaltet. Denn homosexuelle Häftlinge mussten in der NS-Zeit einen Stoffwinkel in Rosa auf der Brust tragen. Er sollte zeigen, dass sie wegen ihrer Homosexualität inhaftiert waren.

"Vandalismus am Kölner Mahnmal bedeutet Queerfeindlichkeit"

Rebecca Knecht von Queeres Netzwerk NRW steht neben dem Mahnmal für Schwule und Lesben, die Opfer des Nationalszialismus waren.

Rebecca Knecht von Queeres Netzwerk NRW steht neben dem Mahnmal für Schwule und Lesben, die Opfer des Nationalszialismus waren.

Die Verschandelung des Gedenksteins bedeutet für das „Queere Netzwerk NRW“ ganz klar Queer-Feindlichkeit. „Das bedeutet, blind zu sein gegenüber der Verfolgung, die unsere Communities mitgemacht haben und ihnen auch in der Gegenwart ihren Respekt abzusprechen“, sagt Rebecca Knecht vom Queeren Netzwerk.

Die Tat zeige auch, dass Antidiskriminierungsprogramme weiterhin dringend gebraucht werden. Und Anlaufstellen für Mitglieder der queeren Communities, die von Gewalt betroffen sind.

"Straftaten müssen erfasst und geahndet werden"

Thiemo Burghof-Parkin von den „Zauberflöten“ möchte für die Community noch mehr: „Wir wünschen uns, dass es eine bundesweite Kriminalstatistik gibt, in der Straftaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen explizit erfasst und auch geahndet werden.

Auch Sven Lehmann, für die Grünen im Bundestag, will den Vandalismus an der Gedenkstätte nicht einfach hinnehmen. Als Beauftragter für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt fordert er Konsequenzen für die Täter: Die Verschandelung des Mahnmals ist ein Akt von Menschenfeindlichkeit. Köln ist eine weltoffene und vielfältige Stadt, die zu Recht stolz auf ihre queere Community ist. Das Gedenken an verfolgte und getötete Menschen auf solch eine Weise zu verunglimpfen, muss Konsequenzen haben."

Sachbeschädigung ist eine Straftat

Wenn die Täter erwischt werden, müssen sie mit einer Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft rechnen. Denn die Beschmierung des Mahnmals fällt unter gemeinschädliche Sachbeschädigung. Auch Kölns Oberbügermeisterin Henriette Reker hat klare Worte für die Verschandelung des Kölner Mahnmals:

"Die Schmierereien am Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus sind empörend und auf das Schärfste zu verurteilen. Unabhängig davon, ob die Täter*innen aus homophoben Motiven handelten oder es sich um einen Akt von Vandalismus handelt, ist die darin zum Ausdruck kommende Gesinnung und der fehlende Respekt vor den Opfern keinesfalls tolerabel und muss strafrechtlich verfolgt werden.“ Henriette Reker

Inzwischen hat die Stadt das Mahnmal reinigen lassen und sämtliche Kritzeleien und Parolen entfernt.