Leverkusener Pfleger sollen Patienten ruhiggestellt haben

Eine Pflegekraft mit Tabletten.

Leverkusener Pfleger sollen Patienten ruhiggestellt haben

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen zwei Krankenpfleger eines Krankenhauses wegen gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen.

Gewalt gegen schutzlose Seniorinnen und Senioren gehört mittlerweile zum Alltag der Strafverfolgungsbehörden. Auch Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser werden dabei immer wieder zu Tatorten. Die Kölner Staatsanwaltschaft geht jetzt in Leverkusen einem besonders gravierenden Verdacht nach: Zwei Pfleger sollen auf der Geriatrischen Station des St.-Josef-Krankenhauses in Leverkusen-Wiesdorf ältere Patienten mit Psychopharmaka ruhiggestellt haben.

Im Krankenhaus gibt es intern am Donnerstag kein anderes Thema. Öffentlich dazu äußern, will sich aber niemand. Immerhin hatte ein Chefarzt der Klinik selbst Verdacht geschöpft. Das Krankenhaus stellte Strafanzeige. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es zu den Ermittlungen lediglich: „Nach Hinweisen und anschließenden Überprüfungen der Verbrauchszahlen von angstlösenden Beruhigungsmitteln wurde in einem einzelnen Bereich eine Abweichung zum durchschnittlichen Verbrauch festgestellt.“

Seit November 2020 Medikamente verabreicht

Die Staatsanwaltschaft Köln wird da schon erheblich konkreter und bestätigt die Ermittlungen gegen zwei Verdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung. Seit November 2020 sollen die beiden Pfleger die Psychopharmaka ohne ärztliche Anordnung und ohne medizinische Notwendigkeit verabreicht haben. In ihren Spinden wurden verdächtige Medikamente sichergestellt, heißt es. Sie haben mittlerweile Hausverbot in der Klinik. Geäußert haben sie sich zu den Vorwürfen bisher nicht.

Zahl der Betroffenen im Leverkusener Krankenhaus unklar

Immer wieder kommt es auf Pflegestationen zu Übergriffen. Im vorliegenden Fall ist aber unklar, wo die Motivation der 43 und 52 Jahre alten Pfleger lag. Warum stellten sie die ihnen anvertrauten wehrlosen Seniorinnen und Senioren ruhig? War es Überforderung oder Bequemlichkeit? Wie viele Patienten von den Vorfällen betroffen sind, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stehen am Anfang: Es werde gerade eine Zeugenliste erstellt, auf der bereits 50 bis 60 Namen stünden, heißt es. Dabei handle es sich um Oper, Angehörige, Kolleginnen und Kollegen der Beschuldigten.

Stand: 16.09.2021, 18:36