Wildschwein attackiert Hund und Halterin in Kölner Wohngebiet

Stand: 19.01.2022, 19:32 Uhr

Viele Wildtiere kommen immer näher an Wohngebiete heran. In Köln-Buchheim erlebte eine Spaziergängerin mit ihren Hunden einen Schreck in der Morgenstunde.

Von Judith Levold

Vor der Arbeit, noch im Dunkeln, sei sie mit ihren beiden Hunden unterwegs gewesen, als direkt in ihrer Nachbarschaft, aus dem Gebüsch an einem Wohnhaus, ein Keiler gesprungen sei und sie von hinten gerammt habe.

"Der hat mir die Beine weggehauen und ich bin hingefallen, mein Hund Willy hat sich nach rechts gedreht und der Keiler hat ihn mit dem Hauer erwischt." Susanne S., Hundehalterin aus Köln-Buchheim

Willy hat eine große Fleischwunde abbekommen, ihr zweiter Hund sei geflüchtet und das Wildschwein habe sich ebenfalls davon gemacht, so Susanne S.

Auf schnellstem Weg in den tierärztlichen Notdienst

Ein Nachbar habe sie und den blutüberströmten Hund zum Tierarzt gefahren, sie selbst sei nicht mehr in der Lage zum Autofahren gewesen. Der Tierarzt musste den Hund mit mehreren Stichen nähen. Noch trägt Willy einen Schutz-Kragen und muss ein Antibiotikum nehmen, ansonsten ist er wieder ganz fit.

"Ich habe echt ein bisschen Angst jetzt, gehe lieber da, wo es beleuchtet und hell ist. Und habe kein Verständnis für Leute, die die Tiere auch noch füttern", sagt Susanne S.

Wildschweine auch in Köln-Merheim und anderen Stadtteilen beobachtet

Die zuständige untere Jagd- und Fischereibehörde der Stadt Köln bestätigt, schon seit Ende 2021 telefonische Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten, dass Wildschweine bis nach Buchheim vorgedrungen seien, in Merheim und anderen Gebieten beobachtete man sie schon früher.

Jagd in "befriedetem Bezirk" nicht möglich

Wildschweine verwüsteten die Grünflächen in der Kölner Wohnsiedlung. | Bildquelle: WDR, Judith Levold

Das Naturschutzgebiet am ehemaligen Bachbett der Strunde direkt neben der Wohnsiedlung sei ein befriedeter Bezirk, teilt die Stadt weiter mit - hier dürfe nur in absoluten Ausnahmefällen gejagt werden, denn es sei keine sichere Jagdausübung möglich: kein Kugelfang vorhanden und zu viele Menschen unterwegs. Zudem seien Wildschwein-Rotten nicht sesshaft, zögen weiter, bis zu dreißig Kilometer am Tag.

Gerade im Spätherbst näherten sie sich menschlichen Siedlungen und suchten vor allem nachts nach eiweißreichem Futter.

Keine Lebensmittel in die Landschaft, Gärten sicher abzäunen

Deshalb rät auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu guter Umzäunung von Gärten und Mülltonnen und warnt davor, Lebensmittel unachtsam in der Natur zu entsorgen - das lockt die Tiere an, ebenso wie aktives Füttern. Sie verlieren dann ihre Scheu vor Menschen und kommen immer wieder - unbedingt vermeiden also! Auch warnt das LANUV NRW davor, die Tiere, auch Jungtiere, anzufassen - bei einer Begegnung sollte man auf jeden Fall den Rückzug antreten.