Spenden bleiben aus: Krefelder Gnadenhof leidet unter der Pandemie

Hofbesitzerin Annemarie Hendricks (links) mit Pferd Lady und Kollegin Sabine Giebel (rechts) mit Pferd Lenni

Spenden bleiben aus: Krefelder Gnadenhof leidet unter der Pandemie

Von Paula Gerhardus

Seit Pandemiebeginn werden mehrTiere auf dem Gnadenhof abgegeben und die Spenden bleiben aus. Annemarie Hendricks kann ihre Tiere kaum durchfüttern, will aber nicht aufgeben.

In Zeiten von Corona müssen sich mehr und mehr Familien von ihren Haustieren trennen. Das bekommen neben Tierheimen vor allem auch Gnadenhöfe zu spüren. In Krefeld ist die Zahl der Pferde und Esel deshalb von 40 auf 60 gestiegen. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Spenden ausbleibt, was sich vor allem bei der Futterknappheit bemerkbar macht.

Jeden Tag versorgt die Besitzerin Annemarie Hendricks zusammen mit ihrer Kollegin Sabine Giebel über 80 Tiere. Dabei gibt es eine klare Arbeitsteilung: Füttern, Putzen und einen Großteil der medizinischen Versorgung stemmen die beiden Frauen alleine, nur beim Ausmisten der Boxen und der Reparatur von Zäunen werden sie von ein paar Helfern unterstützt. "Ohne Teamwork geht hier gar nichts", so Giebel, die seit 20 Jahren auf dem Hof mitarbeitet.

Tiere entkommen oft nur knapp dem Tod

Neben Pferden und Eseln haben auch Gänse, Hühner und Ziegen dort ein neues Zuhause gefunden. Letztere wurden vor einem besonderen Schicksal gerettet: Sie hätten zum Ramadan verspeist werden sollen. Stattdessen haben sie in Krefeld ihren eigenen Bereich auf der Weide bekommen und machen sich bei Besuch lautstark bemerkbar.

Ebenfalls ein Neuzugang ist die Stute Lady. Vor drei Wochen wurde das zwölfjährige Pferd vollkommen abgemagert und erschöpft auf den Hof gebracht. Auch jetzt sieht man noch deutlich die Rippen hervortreten.

Die früheren Besitzer hatten das Tier ohne Versorgung zurückgelassen und dann ihren Umzug angetreten. „Die war so traurig und das schönste Futter hat die nicht angerührt. Wir haben nicht gedacht, dass wir die durchkriegen“, sagt Hendricks über ihren Schützling.

Als Retter hat sich Lenni entpuppt - ein anderes Pferd auf dem Hof. „Wenn der eine den anderen nicht sieht, ist Panik angesagt“, beschreibt die Besitzerin die Beziehung der beiden. Und das hört man deutlich: Sobald Lenni sich ein Stück zu weit von seiner Freundin entfernt, ertönt lautes Wiehern. „Jetzt hat die Lady auch wieder Glanz in den Augen“ freut sich die Krefelderin.

Vermittlungen an neue Besitzer meist mit schlimmen Folgen

Das älteste Pferd auf dem Hof genießt mit 36 Jahren seine letzten Tage auf der Weide, einige jüngere könnten theoretisch weitervermittelt werden. Damit hat die Krefelderin allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Bereits in fünf Fällen musste sie die Pferde zurückholen, weil es ihnen in ihrem neuen Zuhause noch schlechter ging als bei ihrer Ankunft auf dem Gnadenhof.

„Seitdem mache ich das nicht mehr“, sagt Hendricks bestimmt. Ihre Schützlinge in schlechtere Hände gegeben zu haben nagt noch immer an ihr. Schon als kleines Kind hat sie auf dem Gelände geholfen und den Hof vor etwa 30 Jahren von ihrem Vater übernommen.

"Die Tiere haben niemanden mehr"

So groß ihre Leidenschaft für das Wohl der Tiere auch ist, am Ende des Tages fehlen Hendricks vor allem Spenden. Etwa ein Drittel der monatlichen Kosten können durch die Unterstützung des "Bundes deutscher Tierfreunde" gedeckelt werden.

Sollten noch mehr Tiere abgegeben werden, wird es auf dem Hof aber eng, meint sie. Trotzdem schwingt auch immer etwas Optimismus mit: "Eigentlich geht nichts mehr, aber irgendwas geht immer. Die Tiere haben sonst ja niemanden mehr".

Stand: 16.06.2021, 11:28

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