Hauseinsturz in Düsseldorf: Nachweis über sichere Statik fehlte

Feuerwehrleute stehen in einer Hauseinfahrt vor Bauschutt des eingestürzten Gebäudes

Hauseinsturz in Düsseldorf: Nachweis über sichere Statik fehlte

  • Baugenehmigung für Haus erst am Tag des Einsturzes erteilt
  • Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln
  • Nachteinsatz: Feuerwehr gibt Suche nach zweitem Vermissten nicht auf
  • Ein Bauarbeiter tot unter Trümmern gefunden

Nach dem Teileinsturz eines Gebäudes in der Düsseldorfer Innenstadt mit bisher einem Toten teilte die Stadt am späten Dienstagnachmittag (28.07.2020) mit, dass für die Bauarbeiten noch ein Nachweis über die Statik-Sicherheit fehlte.

Die grundsätzliche Baugenehmigung sei zwar am Unglückstag erteilt worden, bestätigte die Leiterin der städtischen Bauaufsicht Ulrike Lappeßen: "Das ist irgendwann am frühen Nachmittag gewesen und hat sich überschnitten mit der Nachricht über das Unglück." Doch damit sei keine sofortige Freigabe der Bauarbeiten verbunden.

Ohne Genehmigung seien laut Stadt nur kleinere Arbeiten wie das Erneuern von Türen, Fenstern oder Elektroleitungen erlaubt. Jetzt ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei, welche Arbeiten schon vor dem Einsturz durchgeführt wurden und wodurch der Einsturz verursacht wurde.

Bauherr hatte Umbau einer tragenden Wand beantragt

Informationen darüber, seit wann die Baustelle bestand und wer der Eigentümer ist, gibt es bisher nicht. Der Bauherr habe aber bereits im Februar dieses Jahres Planungen für eine weitgehende Sanierung des Anbaus eingereicht, so die Stadt. Darin wäre es auch um den Umbau einer tragenden Wand gegangen.

Laut Stadt habe sich in dem Gebäude zuvor eine Schule für Design befunden, die jetzt zu Büroräumen und einer Eigentumswohnung umgebaut werden sollte.

Nachteinsatz: Suche nach dem zweiten Vermissten

In der Nacht und am frühen Dienstagmorgen haben die Einsatzkräfte erste Trümmer- und Gerüstteile aus dem Einsturzgebiet entfernt und sich dem Bereich genähert, an dem einer der beiden vermissten Bauarbeiter vermutet wurde.

Dort fanden sie ihn tot auf. Eine direkte Bergung des Leichnams ist laut Feuerwehr zurzeit nicht möglich, weil weiterhin Einsturzgefahr bestehe. Notfallseelsorger und Notfallpsychologen sind vor Ort. Die Suche nach dem zweiten Vermissten dauert an. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (29.07.2020) kommt dafür auch ein Kran zum Einsatz, mit dem die Trümmer behutsam abgetragen werden sollen.

Hauseinsturz in Düsseldorf: Bilder vom Großeinsatz

Nachdem ein Teil eines Hauses in Düsseldorf eingestürzt ist, haben Rettungskräfte zwei Bauarbeiter tot in den Trümmern gefunden. Ihre Leichen wurden am Mittwochabend (29.07.2020) geborgen.

Nachdem ein Teil eines Hauses in Düsseldorf eingestürzt ist, haben Rettungskräfte zwei Bauarbeiter tot in den Trümmern gefunden.

Nach dem zweiten vermissten Bauarbeiter wurde gut zwei Tage gesucht.

Teile des Gebäudes sowie das Baugerüst waren am Montagmittag (27.07.2020) auf einer Höhe von dreieinhalb Geschossen eingestürzt.

Bereits in der Nacht zu Dienstag haben die Einsatzkräfte erste Trümmer- und Gerüstteile aus dem Einsturzgebiet entfernt.

Bei den Bergungsarbeiten wurden auch zwei Baukräne eingesetzt.

Die Bergungsarbeiten für die Einsatzkräfte waren schwierig.

Das Haus stand leer, es wurde kernsaniert. Die Ursache des Einsturzes ist noch unklar.

Die Bewohner von drei Nachbarhäusern mussten ihre Wohnungen vorsichtshalber verlassen. Die Straßen im Umfeld wurden gesperrt.

Auch die Nachbargebäude wurden gesichert - eine Einsturzgefahr besteht dort jedoch nicht.

Die Unglücksstelle im Hinterhof eines Gebäudes auf der Luisenstraße in Düsseldorf-Friedrichstadt.

Eingestürztes Gebäude in der Düsseldorfer Innenstadt.

Zunächst hatten die Rettungskräfte nur eine Person in den Trümmern vermutet. Ein Kollege hatte am frühen Abend dann gemeldet, dass möglicherweise ein weiterer Bauarbeiter verschüttet wurde. Nachdem die Polizisten keinen Kontakt zu ihm bekommen konnten, starteten die Rettungskräfte am Montagabend die Suche nach zwei Männern.

Zehn weitere Bauarbeiter auf Baustelle

Neben dem tot aufgefundenen und dem noch vermissten Bauarbeiter haben nach Angaben der Feuerwehr zehn Männer in dem Gebäude gearbeitet. Einer sei wegen eines internistischen Notfalls schon vor dem Einsturz in ein Krankenhaus gebracht worden, die anderen seien unverletzt.

Ein Anwohner, der sein Büro direkt in der Nähe der Einsturzstelle hat, zeigte sich bestürzt: "Das ist tragisch, ich gehe jeden Tag hier vorbei, ich hab die wahrscheinlich gesehen, das ist echt bitter sowas."

Ursache noch unklar

Die Unglücksstelle liegt im Hinterhof eines Gebäudes auf der Luisenstraße im Stadtteil Friedrichstadt. Das Haus stand zum Zeitpunkt des Einsturzes leer, es wurde kernsaniert. Die Ursache des Einsturzes ist noch unklar, so die Feuerwehr am Dienstag.

Einsatzkräfte beim eingestürzten Haus.

Vorsichtshalber räumten die Einsatzkräfte drei angrenzende Gebäude. 40 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und kommen bei Angehörigen oder in Notunterkünften unter.

Stand: 29.07.2020, 08:55

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